Ein paar Worte ...


Die Tat wirkt mächtiger als das Wort,
aber das Wort tröstet


Solidarität, Menschenrechte, Freundschaft
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Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt.
Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre.
Die Gewalt versichert: So, wie es ist, bleibt es.
Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden.
Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut:

Jetzt beginne ich erst

Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt:
Was wir wollen, geht niemals.

Wer noch lebt, sage nicht: niemals!
Das Sichere ist nicht sicher.
So, wie es ist, bleibt es nicht.
Wenn die Herrschenden gesprochen haben,
Werden die Beherrschten sprechen.
Wer wagt zu sagen: niemals?
An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.
An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird?
Ebenfalls an uns.
Wer verloren ist, kämpfe!
Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen,
Und aus Niemals wird: Heute noch

Bertold Brecht
Überblick
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Ein paar Worte im NCI-Blog

14.03.10   Das Lied der Kurzarbeiter
28.02.10   Was kann man tun?
28.02.10   Wenn es einen trifft!
11.02.10   Erfolgreicher Kampf gegen Siemens - ein Kommentar
16.01.10   Eigenverantwortung braucht Information
10.01.10   Persönliche Werte

22.05.09   Grund- und Menschenrechte
24.02.09   Gegen das Schweigen
21.02.09   Diskussion erwünscht
18.02.09   Zivilcourage: Der Anfang

05.03.08   Ich beschloss ...
31.01.08   Ein Kommentar: Solidarität
17.01.08   Spielball oder Selbstbestimmt?

21.12.07   Auch ein Weihnachtsmann hat es nicht leicht
29.10.07   Ein Münchner im Himmel


10.09.06   Fortschritt ist, selbst den nächsten Schritt zu tun
31.07.06   NCI Homepage lesen - macht was aus der Sperre der NCI Homepage im Betrieb
26.07.06   Siemens sperrt 4000 Mitarbeiter aus und setzt auf Zensur - Sperrung der NCI Homepage
07.07.06   Dein Tun sei von dir, nicht von den Geschehnissen geleitet
07.07.06   Verwirrung, wo man hinsieht
06.07.06   Break-Out-Session
02.07.06   Heribert-Fieber-Gedächtnispreis
24.06.06   Modell beE 2006 und Zubehör gerade im Test
21.06.06   Das sind schlechte Zeiten, wo der Mensch seiner Angst nicht nachgeben darf. (B. Brecht)
21.06.06   NSN - der Superlativ für alle?
18.06.06   Auf jeden kommt es an!
17.06.06   Schweigender Verkauf
13.06.06   Schweigende Verhandlungen
15.06.06   Don't turn your head away from what you see
05.06.06   Und der Haifisch der hat Zähne (Glosse)
30.05.06   'Ja' und 'Nein', Wörter die Freiheit brauchen
27.05.06   TietoEnator: Ein paar Gedanken ...
03.05.06   Wege entstehen dadurch, dass man sie geht



         Die Revolution frisst ihre Kinder
         Diskussion, Informaton, Solidarität
         Jakob und Esau - was hat ihr Linsengericht mit uns zu tun?
         01.06.05: keine betriebsbedingten Kündigungen
         NCI: Vom Mut zur eigenen Verantwortung
         Reden
         Tun
          Gedenken an die Befeiung der Menschen in Auschwitz
          Versteckte Ängste
          Ein paar Worte zum Jahr 2005
          Wie arbeitern wir in der Zukunft?
          Bayerischer Staat will Landesarbeitsgericht abschaffen
          Ich bin froh, dass es dich gibt
          Abschied der beE-ler der 1. Welle
          Genau zwei Jahre ist es her - Stellenabbau 14.8.2002
          Der Arbeitsplatz
          Blick in die Zukunft - Osram USA
          Siemens Rahmenvereinbarung
          Fristlose Kündigung von Inken Wanzek abgewehrt
          Siemens Aktionstag
          Edith
          Stadtspaziergang oder 50 Cent sind ein Vermögen
          Kündigungsschutzprozess, 1. Instanz, Inken Wanzek
          Siemens Belegschaft votiert eindeutig für betriebliche Gewerkschaftsarbeit
          Kommentar zur Rede von Heinrich von Pierer vor dem UN Sicherheitsrat
          100:0: Siemens verliert den einhundersten Kündigungsschutzprozess
          Sozialabbau und Demontage der Arbeitnehmerrechte
          Eine Station von vielen
          Von dauerhaften Wert
          Gandhi: Kampf ohne Gewalt
          Unterschriftenaktion (Ergebnis)
          Business Conduct Lines
          Ein Leserbrief zum Nachdenken
          Unterschriftensammlung und Umfrage
          Angriff auf den Betriebsrat: AUB-Plakataktion
          Solidaritätserklärung für frsitlos gekündigte Siemens/NCI Mitarbeiterin
          Auffangen
          Behindertenghettos keine Chance
          Wir wissen was wir an unserem Betriebsrat haben
          Musik bei NCI on Air
          Danke schön!
          Auch (oder wenigstens?) NCI lebt das Siemens Leitbild
          Selbst denken ist der höchste Mut
          Gedanken eines Mitarbeiters mit Job: Gut wäre es schon ...
          Solidaritätserklärung mit dem gekündigten Jubilar
          Resolution zur Unterstützung des Betriebsrats Mch H und ein Dank für seinen unermüdlichen Einsatz
          Und er dachte über die ernsten Dinge des Lebens völlig anders


Gedichte, Sprüche und Weisheiten
          Das Lied von den Kranichen
          Die Bürgschaft
          Sprüche und Weisheiten


Worte, Gedanken, Meinungen
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Erfolreicher Kampf gegen Siemens – ein Kommentar

11.02.2010 von Inken Wanzek

Der Kampf der ehemaligen BenQ-Mitarbeitern mit dem Siemens Konzern ist in seiner Bedeutung vergleichbar mit dem Arbeitskampf, den 2003 Beschäftigte der Siemens AG in der Münchner Hofmannstraße geführt haben. Seitdem gab es keine Massenkündigungen mehr in Konzernen. So unterschiedlich beides ist, so viel ist beiden gemeinsam.

Der Kampf war lang. Er dauerte in beiden Fällen Jahre. Der Ausgang war ungewiss, als die BenQ-Mitarbeiter ihren Kampf mit ihrem nachträglichen Widerspruch und die Siemens-Mitarbeiter der Hofmannstraße ihn mit ihrer Entscheidung, ich wähle die betriebsbedingte Kündigung und nicht den Aufhebungsvertrag oder die Beschäftigungsgesellschaft, begonnen hatten.

Sie haben sich auf den Weg durch die Instanzen gemacht, nicht aufgegeben. Leicht war der Weg nicht. Die Frage, ist das richtig, was ich tue, tauchte immer wieder auf, das Gefühl, wie soll ich das durchhalten, der Wunsch nach Ruhe, frei von dem alten Ballast zu sein, kam immer mal wieder hoch, wurde mehr als einmal von dem Willen in die Flucht geschlagen, ich will meinen Arbeitsplatz erhalten, ich will, dass Recht Recht bleibt. Ein emotionales Auf und Ab, Mut und Angst lösten einander ab. Was half war die Gemeinschaft, die Solidarität untereinander. Sie gingen weiter.

Dann kam der große Erfolg. Für die einen vor dem Bundesarbeitsgericht: Ihr nachträglicher Widerspruch ist rechtswirksam! Für die anderen mit der Verkündung des Urteils durch das Landesarbeitsgericht München: Ihre Kündigung ist unwirksam!

Das Unglaubliche ist wahr geworden. Ausdauer, Mut, Solidarität und der Wille, einen großen Konzern nicht einfach durchmarschieren zu lassen, führte zu diesen Erfolgen. Jetzt wurde auch der Kündigungsschutzprozess gegen Siemens für zwei Ex-BenQ-lern in der ersten Instanz gewonnen.

Der „Kleine“ hat gegen den „Großen“ gesiegt. Das geht nicht, haben viele gesagt. Trotzdem hat Dawidh gegen Goliath gewonnen – bereits ein zweites Mal.

Die These, es hat keinen Sinn sich gegen eine Konzern wie Siemens zu wehren, ist widerlegt. Arbeitnehmer sind nicht hilflos ihrem Schicksal ausgeliefert, dann, wenn sie bereit sind, zu kämpfen, ihre Rechte konsequent wahrzunehmen. Nur so kann ein menschenwürdiges Arbeitsleben auf Dauer erhalten werden.


InWaChRo-News: Mittwoch, 05.03.08

Ich beschloss ...
Der Bischof sprach stets von der Kanzel, dass er der Hirte sei. Ich dachte mir dann, wenn er der Hirte ist, bin ich das Schaf. Eines Tages beschloss ich, dass ich kein Schaf mehr sein wollte.

Ich habe erkannt, dass ich lernen muss, "nein" sagen zu können, wenn ich kein Schaf mehr sein wollte. Ich sagte dem Wolf: "Nein, du frisst mich nicht". Der Wolf erschrak und rannte davon. Er hatte gewusst, dass ich ein Mensch war.

Dann beschloss ich, mich selbst kennen zu lernen, und entdeckte meinen Mut. Meine Angst wurde mit ihm zusammen mutiger, denn ich wusste nun, dass ich kein Schaf war, sondern ein Mensch.

Dann beschloss ich meinen Feind kennen zu lernen, denn ich hatte gelesen:
Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.1

Ich hatte begriffen: "Wer nicht aufgibt, geht den Weg menschlicher Würde".
Ich beschloss, mich niemals aufzugeben.

Dann erfuhr ich, dass es anderen genauso ging wie mir, und ich verbündete mich mit ihnen.

Wir beschlossen ...

Ich sprach mit Kollegen, traf mich mit ihnen, wir redeten. Ich isolierte mich nicht. In der Gruppe konnte ich auch über meine Gefühle sprechen. Die anderen sagten, uns geht es genauso.

Sie fühlen sich unsicher - wie ich.
Sie hatten Angst davor, was alles auf sie zukommen könnte - wie ich.
Einer erzählte, er hätte täglich Wut, wüsste nicht wohin mit seinen Aggressionen - wie ich.
Manchmal war ich auch traurig, sehr sogar - und ich erfuhr, die anderen waren es auch.

Lange hatten wir diese Gefühle voreinander verborgen, aus Angst, die anderen dächten, man sei schwach. Wir hatten gelacht, Späße gemacht über die Zukunft, leicht sollte es wirken - doch verborgen im Inneren war alles anders - und doch so gleich. Doch das wussten wir erst jetzt, als wir uns trafen.

Wir beschlossen, keine Schafe mehr zu sein, denn wir erkannten, es hatte nie Hirten gegeben, die es gut mit uns gemeint hatten.

Wir beschlossen, zu lernen, "nein" zu sagen, und wir achteten aufeinander. Der Wolf, der uns umschlich, erschrak, denn er wusste, dass wir nun wussten, dass wir Menschen waren.

Wir entdeckten unseren Mut. Wir entdeckten, dass der gemeinsame Mut stärker war als die einsame Angst. Wir lernten uns kennen und beschlossen dann, unseren Feind kennen zu lernen, denn ich erzählte, dass ich gelesen hatte: Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.1

Und wir wussten, dass wir Schlachten zu führen hatten.

Wir hatten begriffen: "Wer nicht aufgibt, geht den Weg menschlicher Würde".
Wir beschlossen, uns niemals aufzugeben.


1 Sunzi 500 v.Chr.
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 31.01.08

Ein Kommentar: Solidarität
Der erste Aufschrei ist groß. Medien berichten. Kameras richten sich auf die Betroffenen. Proteste vor den Werkstoren. Politiker zertrümmern demonstrativ ihre Nokia Handys und mischen sich unter die Demonstranten. Umfragen ziehen das Nokia Image ins Tief.

Die ersten Tage sind vorbei. Nokia ist noch im Gespräch, aber das Interesse schwächt sich sichtbar ab. Die Zeit des Wartens beginnt. Die erste große Solidarität schwächt sich ab. Europaweit kommt sie nicht zum Entstehen. Gespräche ja, Streiks nein. Ist doch jeder insgeheim froh, dass es nicht das eigene, sondern das deutsche Werk getroffen hat. Man will die Aufmerksamkeit des Konzerns nicht auf das eigene Land ziehen. Solidarität ist etwas Schwieriges. Wir fordern es, wenn es uns selbst trifft, wenn wir nichts mehr zu verlieren haben. Wir erwarten von den anderen das Gleiche zu tun. Doch schielt nicht auch unser Blick zu den Mächtigen in der Konzernzentrale, wenn es um die Frage geht, gefährdet die Solidarität meinen Arbeitsplatz? Wer darf über die Antwort richten? Wohl niemand. Es sind die eigenen Werte, es ist das eigene Stehvermögen, das eigenen Gefühl für Verantwortung für sich und die anderen, kurz das eigene Gewissen, dem man hier verpflichtet ist. Solidarität zu fordern ist leicht, sie zu geben weit schwerer. Bald werden die Nokia Mitarbeiter wieder auf sich gestellt sein - wie damals die BenQ Mitarbeiter. Wer fragt heute noch nach diesen? Dann beginnt die kleine Solidarität. Die Betroffenen selbst müssen sie üben, sich helfen, erklären, Wege suchen. Die Wege werden unterschiedlich sein.

Solidarität verlischt meist wie Strohfeuer. Warum ist das so? Weil Solidarität früher beginnt, auf ein solides Fundament zurückgreifen können muss. Solidarität beginnt heute beim Kollegen, bei kleinen tröstenden Gesten, bei der nächsten Ausgliederung, bei einem Nein zu einer ungebührlichen Forderung des Arbeitgebers, beginnt mit der Aufmerksamkeit im Betrieb. Dies übt den Mut, die Menschlichkeit, den Zusammenhalt. Das bewahrt vor Überraschungen. Dann hat man zusammen eine kleine Chance, das Strohfeuer der großen Solidarität am Brennen zu halten, dann könnte es sein, dass dieses Feuer der Solidarität überspringt und einen Konzern doch noch zum Umdenken zwingt.
(iw)


InWaChRo-News: Donnerstag, 17.01.08

Spielball oder Selbstbestimmt?
Egal, wo man arbeitet, man muss sich heute rechtzeitig mit Arbeitsplatzverlust auseinandersetzen. Nur wer das tut, kann für sich selbst verhindern, dass er in Panik verfällt und handlungsunfähig wird. Handlungsunfähige Mitarbeiter sind ein Spielball des Managements. Rechtzeitiges Auseinandersetzen mit einer unangenehmen Situation, statt zu verdrängen, bewirkt, dass man selbst bestimmen kann, wann und wie intensiv man sich damit beschäftigt. Zu spätes Auseinandersetzen dagegen bewirkt, dass man vom Arbeitgeber und seinen eigenen Ängsten getrieben wird.

Wenn die ersten Anzeichen für eine bevorstehende Katastrophe zu erkennen sind, muss man daher die Augen auf und nicht zu machen. Dann muss man sich zusammenschließen um möglicherweise noch das Schlimmste abwenden zu können. Kommt es dann zum Kampf um den Arbeitsplatz, ist man in dieser Auseinandersetzung nicht allein und hat gelernt, die arbeitsrechtlichen Waffen zu führen. Dann ist man in der Lage, einen sinnvollen Weg zu finden und diesen auch selbstbewusst zu gehen.

Egal, wie die Sache ausgeht, was man sich auf jeden Fall erhält, ist das Selbstbewusstsein und das Bewusstsein, dass man alles getan hat, was man tun konnte. Dann wird man auch in der Lage sein, den ersten Schritt in eine neue Zukunft zu machen.
(cr/iw)


InWaChRo-News: Freitag, 21.12.07

Auch ein Weihnachtsmann hat es nicht leicht
Dass mit den Weihnachtsplätzchen und -kuchen hat ja bisher bestens funktioniert. Time to Market hieß es im Himmel, Überstunden, Mehrarbeit und wer diese bezahlt, steht noch in den Sternen. Der Weihnachtsmann stöhnt immer noch, weil er so viel zu den großen und kleinen Kindern schleppen muss. Aber, wenn man ihn fragt, sagt er: Er macht es gern - trotz des Ärgers den er hatte. Was war geschehen?

Alle Jahre wieder, was auf der Erde gilt, gilt auch im Himmel. 2003 hatte er das Problem auch schon, heuer wieder, deshalb erzählte er uns heute morgen wieder eine fast gleiche Geschichte. Ich bin sicher, sie wird euch bekannt vorkommen.

Also, das war so. Da hatte man ihm doch glatt vorgeschlagen - es war irgendwo hier auf der Erde, wo er da genau war, das konnte er nicht mehr sagen - er solle sage und schreibe 50% seiner Rentiere einsparen. Insbesondere Rudolf, das ist das Rentier mit der roten Nase, würde viel zu viel fressen, wurde ihm vorgeworfen. Das sei zu teuer. Man müsse dringend Kosten sparen.

So hatte es begonnen. Dann sagte man ihm, Weihnachten sei schrecklich unrentabel: einen Weihnachtsmann UND ein Christkind, wer soll das denn bezahlen! Diese völlig unnötige Doppelbesetzung würde zu sehr auf die Rendite drücken. Man müsse Synergien nutzen!

Stellt Euch vor, man bot ihm eine VB an; wenn er sie noch vor Weihnachten unterschreibe, käme er noch gut weg! Als ob er alt wäre mit seinen gut 2000 Jahren!

Schließlich, erhöhte man merklich den Druck auf ihn, er genüge nicht den heutigen Anforderungen, er könne nicht fliegen, wie das Christkind, brauche einen Schlitten, Schnee, Rentiere, will sich von dem Vielfraß Rudolf nicht trennen, weil er ihn liebte, alles unrentabel. Die Kinder würden heute auch keine Briefe mehr schreiben, hieß es (gar nicht wahr, das Himmlische Postamt ertrinkt in Briefen) und er könne nicht mit dem Computer umgehen. Engel gäbe es sowieso zu viele, kurz der ganze Himmel müsse von Grund auf saniert werden.

Das Schlimme war, man hatte ihm gesagt: "Believe or leave!" und da er sich im Himmel befand, fand er die Forderung zunächst nicht ungeheuerlich. Warum er allerdings in englisch glauben sollte, verstand er nicht so ganz. Aber jetzt, sollte er gehen, obwohl er believed hatte!

Der Weihnachtsmann empörte sich, doch dann wurde ihm angesichts dieser himmlischen Pläne doch ein wenig mulmig. Er dachte immer, er hätte eine Anstellung für die Ewigkeit und nun das - kurz vor Weihnachten. Kein BR - nie darum gekümmert, an den heilen Himmel geglaubt, keine Ahnung von der Gesetzeslage.

Da fiel ihm ein, er hatte doch gerade vor ein paar Minuten, als er an einem Haus mit seinem Schlitten vorbeiflog (von wegen er können nicht fliegen), in der Himmlischen Zeitung: Petrus News gelesen, dass es da bei den Menschen eine Soligemeinschaft gab (die Sprache wird auch immer lockerer, hatte er beim Lesen noch gedacht), die sich NCI oder so ähnlich nennt; die, so hieß es da, helfen ohne Ansehen der Person (also folglich auch einem Weihnachtsmann) bei Arbeitsplatzproblemen. Er war sich ziemlich sicher, dass die Geschichte ein Weihnachtsmärchen war, das mit dem NCI gibt es nicht bei Menschen, bei Erwachsenen schon gar nicht, oder war es etwa eine outgesourcte himmlische Abteilung? Dem Weihnachtsmann schwirrte der Kopf .Warum hatte er sich bloß nie rechtzeitig um all diese Dinge gekümmert?

Nun, egal, dachte er, ich frage NCI um Rat, erkundige mich über die - in diesem Fall himmlische - Rechtslage. Nun, und, Ihr wisst ja, NCI hilft, hat auf diese Weise wenigstens mal den Weihnachtsmann persönlich kennengelernt. Er hat tatsächlich einen weißen Bart und einen roten Mantel.

Gewühlt, gelesen, versucht in Windeseile das Himmlische Gesetz zu verstehen, haben wir ihm schließlich per Email geantwortet (von wegen, er kann nicht mit dem Computer umgehen).

Und was findet man im Himmlischen Grundgesetz in §11 (am bekanntesten sind die §§1-10 H-GG, auch Zehn Gebote genannt): "Jedes Kind hat das Recht auf strahlende Augen an Weihnachten. Details sind im Himmlischen Betriebsverfassungsgesetz geregelt." Dort heißt es in §102 Abs.5 H-BetrVG: "Solange es Kinder auf dieser Welt gibt oder im Herzen Kind gebliebener Erwachsene sind sowohl der Weihnachtsmann UND das Christkind unbefristet weiterzubeschäftigen. Eine Entbindung von der Weiterbeschäftigungspflicht ist nicht möglich. Und in § 134 H-BGB steht: "Sanierern, egal welcher Herkunft, ist es grundsätzlich verwehrt durch die Himmelspforte zu schreiten. Und Schlupflöcher gibt es nicht."

Wer's nicht glaubt kann ja den Weihnachtsmann fragen - oder das Christkind; die haben nämlich inzwischen auch ein NCI gegründet: Die schnelle Info hat ihnen gefallen, die Soligemeinschaft auch. Ihr seht, NCI breitet sich rasend schnell aus und mit himmlischen Verbündeten, kann es im nächsten Jahr doch nur besser werden, oder?




So, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn ihr bedenkt, dass dieses Märchen bereits vor fünf Jahren geschrieben wurde, dann erkennt ihr deutlich, was wie gering das Entwicklungspotential des Managements ist und wie ernst die Versprechen zu nehmen sind, dass es nach dem Stellenabbau alles besser wird. Neu ist nur: Believe or leave!

Christine und Inken wünschen Euch schöne Weihnachtsfeiertage. Und da wir noch ein bisschen mit dem Weihnachtsmann feiern (er hat uns zum Dank eingeladen), bleibt das irdische NCI bis zum 6.1.2008 geschlossen - Prost Neujahr!
(iw)

InWaChRo-News: Montag, 29.10.07

NSN: Ein Münchner im Himmel
oder: Warum das NSN-Management noch heute auf die göttliche Eingebung wartet.


Frei nach „Ein Münchner im Himmel“ von Ludwig Thoma

Alois Hingerl - Ingenieur Nr. 172 am Münchner Standort Martinstraße - erledigte einen Auftrag mit solcher Hast, dass er vom Schlag getroffen zu Boden sank und starb.

Zwei Engerln schleppten ihn mit vieler Mühe in den NSN-Himmel, eine himmlische Abteilung, die extra für die treu ergebenen und tief an den Erfolg von NSN glaubenden Mitarbeiter eingerichtet wurde. Dort wurde er vom heiligen Simon empfangen.

Simon eröffnete ihm zuerst, dass er von nun an auf den Namen "Engel Aloisius" zu hören habe, überreichte ihm einen Aufhebungsvertrag für seine irdische Tätigkeit und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt:
"...von morgens 8 Uhr bis mittags 12 Uhr: in reinem Englisch frohlocken;
von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr: Hosianna singen."

"Wos is?"

"Von morgens 8 Uhr bis abends 12 Uhr in reinem Englisch frohlocken - von mittags 12 Uhr bis 8 Uhr abends Hosianna singen!"

"So - hmhm - ja, wann kriag na i wos z'doa?"

"Sie werden Ihr Know-How schon noch transferieren können", sagte Simon leicht indigniert und ließ ihn stehen.

"Auweh! Des werd sche fad - mei Liaba, da moan i ollawei, da bin i neitret'n! Frohlocken?! In Englisch?! A-a-a-a - eahm schaug o: frohlock'n müaßat i da herobn ... i hab gmoant, i kumm in NSN-Himmi...?!"

Er setzte sich, wie ihm befohlen, auf eine Wolke und begann zu frohlocken:
"I believe in NSN - - - I believe in NSN - - - I believe in NSN very much- - - ... I believe Matsch"

Ein völlig vergeistigter Manager schwebte an ihm vorüber.

"Sie! Herr Nachbar! Herr Nachbar!" schrie Aloisius, "hamm Sie vielleicht an Laptop bei Eahna?" An PC - ham's nix? An Blackberry? - geh weida, fahr oan her!"

Der Durchgeistigte sah ihn nur völlig entgeistert an, lispelte nur "I believe in NSN!" und flog von hinnen.

"Ja - ja, was is denn does fuer a Hanswurst?" rief Aloisius. "Nacha hamm S' halt koan PC, Sie Manager, Sie boaniga! Sie aus'gschammta!" Ja - na, na, na hast halt koan Laptop net - wenn ma scho anständig fragt, werd ma doch a anständige Antwort kriag'n kenna, - gscherte Ruab'n, gscherte, - Manager ... boaniger!!! Mei Liaber, da werd a so a Zeigl Herob'n sei! A-a-a-a-a, was steh i aus!"

Und er setzte sich wieder auf seine Wolke und begann erneut zu frohlocken; diesmal allerdings bedeutend zorniger!"
I believe - believe - belive sag i - zäfix i mog’s net believen - Luhja!!!"

Er schrie so laut, dass der liebe Gott nebenan von seinem Mittagsschlaf erwachte... und ganz erstaunt fragte:
"Ja, was ist denn da für ein Lümmel heroben?"

Und er schickte sofort zu Simon - der kam angerast - und sie hörten zusammen den Engel Aloisius frohlocken:
"Believe! - Sacklzementbelieve - belive, sag i - Mei Liaber: Belive!!!"

Simon raste los und schleppte den Aloisius vor den lieben Gott.

Der sah ihn sich lange an - darauf sprach er:
" Aha - ein Münchner! Ja sagen Sie mal, warum plärr'n Sie denn da heroben so unanständig?"

Da kam er beim Aloisius aber grad an den Richtigen!

Der war mitten drin in der Wut und legte nun los:
"Ja, - ja was glaub'n denn Sie! Weil mir da herob'n im Himmel san, da müaßat i frolocken in Englisch wia a Zeiserl, was? Waas? Z'doa kriagat i überhaupts nix - mei Liaber: an Know-How-Transfer soll i doa hat er g'sagt, an Know-How-Transfer kriagat’n di andern! Mei Liaber, da wennst ma net gehst mit Dei'm Know-How-Transfer, gell, den kennts selber macha, des sag i Eich, aber i maoch for Eich koan Know-How-Transfer, daß Di auskennst! - Und an Eich glaub’n tua i überhaupts net..."

"Simon", sagte der liebe Gott, "mit dem können wir hier nichts anfangen. Nun, für den habe ich eine andere Aufgabe - er soll meine göttlichen Ratschläge dem NSN-Management überbringen. Auf diese Weise kommt er jede Woche ein- oder zweimal nach München - dann hat die liebe Seele ihre Ruhe..."

Als Aloisius das hörte, war er sichtlich froh. Er bekam auch gleich den ersten Auftrag - einen EBlog - und flog damit los.

Und als er plötzlich Münchner Boden unter den Füßen fühlte, da war es ihm, als sei er im Himmel.

Und einer alten Gewohnheit gemäß führte ihn der Weg hin zur Martinstraße, und er fand seinen alten Arbeitsplatz wieder,
fand den Arbeitsplatz leer,
die Sekretärin, die Kathi, kam auf ihn zu...


und reichte ihm die liegengebliebene Arbeit
und er begann zu arbeiten,
und er vergaß seinen EBlog und seinen Auftrag,
und er arbeitete einen Auftrag ab,
und noch einen Auftrag und noch einen...
und da sitzt er heit no.


Und so wartet das NSN-Management bis heute vergeblich auf die göttlichen Eingebungen.
(iw/cr)

Fortschritt ist, selbst den nächsten Schritt zu tun

Seit vier Jahren haben wir nun die NCI-Homepage gepflegt, recherchiert, analysiert und die Informationen aufbereitet. Wir haben für euch die rechtliche Lage dargestellt und unsere Einschätzung der Situation abgegeben. Dazu kam noch die individuelle Beratung per E-Mail, Vorträge, persönliche Treffen.

Wir haben diese Aufgaben für den gesamten Standort Deutschland erfüllt. Was da zu tun war, war ein Vollzeitjob. Wir haben beide jeweils 40 Stunden pro Woche für NCI gearbeitet, ehrenamtlich nach unserer beruflichen Arbeit.

All das sind Aufgaben, die unserer Ansicht nach ein guter Betriebsrat machen sollte, der dafür die rechtlichen Mittel des BetrVG zur Verfügung hat und der zur Wahrnehmung dieser Aufgaben bezahlt von der Arbeit freigestellt wird. Um diese Arbeit zu leisten wurden allein in der Hofmannstraße zuletzt 31 Betriebsrats-Mitglieder gewählt. Die meisten von euch haben jetzt die Möglichkeit einen neuen Betriebsrat zu wählen. Wählt einen, der die Aufgaben, die wir bisher übernommen haben, weiterführt, der sich für euch einsetzt, oder wenn ihr das den Kandidaten nicht zutraut, dann nehmt die Sache einfach selbst in die Hand. Fordert Euren Betriebsrat.

Wir beide wollen uns jetzt auf unsere eigene berufliche Zukunft und auf unser Privatleben, das in den letzten Jahren stark gelitten hat, konzentrieren. Wir stellen daher den deutschlandweiten E-Mail-Beratungsservice und die Berichterstattung über aktuelle Themen ein.

Für euch heißt das, ab sofort ist Eigeninitiative gefragt. Diese zu fördern war und ist ein Ziel des NCI. NCI muss jetzt von euch wieder verstärkt in den Betrieben gestaltet werden. Wenn ihr mitgestalten wollt, meldet euch bei den NCI-BR-Listen eures Standorts. Die NCI-Betriebsräte in München werden weiter über aktuelle standortbezogene Themen berichten. Dazu benötigen sie von euch - neben der BR-Information - Informationen aus den Betrieben. Wenn ihr aktiv mitgestaltet, kann NCI im Betrieb etwas bewegen. Unser NCI-Konzept ist Eigeninitiative und nicht Stellvertreterpolitik. Stellvertreterpolitik macht unselbständig und entmündigt euch durch die Fremdbestimmung.

Wir haben euch gezeigt, welche Rechte ihr habt und wie man gegen den Arbeitgeber siegen kann. Ihr habt durch die NCI-Homepage eine gute Basis und ein Nachschlagewerk, um nun selbst im Betrieb aktiv zu werden, sei es als Betriebsrat, sei es als Mitarbeiter, dem sein Arbeitplatz wichtig ist. Unter der Rubrik "Probleme selbst lösen - aber wie?" haben wir euch ein paar Tipps zusammengestellt, die euch helfen sollen aktiv eure Arbeitsbedingungen zu gestalten und eure Rechte im Betrieb wahrzunehmen.

Denn nur der, der aktiv handelt, gestaltet seine Zukunft mit.

10.09.06, Inken Wanzek und Christine Rosenboom

NCI Homepage lesen - macht was aus der Sperre der NCI Homepage im Betrieb

Täglich setzen wir vielfältige Informationen auf unsere Seite, die aufgenommen und verstanden werden wollen. Da es jetzt nicht mehr möglich ist, in der Mittagspause von Siemens aus auf unsere Seiten zuzugreifen, empfehlen wir folgendes Vorgehen:
  1. Macht Eure Arbeit, aber geht pünktlich nach Hause, um Zeit zu haben, Euch von zu Hause oder von einem Internet Café aus zu informieren. Überstunden auf Kosten Eures Informationsbedarfs sind in diesen Zeiten fehl am Platz.
    Das Siemens Produkt, an dem ihr arbeitet, sollte Euch nicht wichtiger sein, als die Informationen über eure Zukunft. Siemens zögert nicht, auch Euch einen blauen Brief zu geben, wenn ihr nicht schon einen habt. Warum solltet ihr zögern, Euch die Zeit zu nehmen, die Ihr braucht, um für diesen und andere Fälle gewappnet zu sein. Loyalität funktioniert nur, wenn sie beidseitig ist. Von einer Seite spürt man wenig Loyalität.

  2. Druckt Euch am Abend zu Hause die neusten Informationen aus. Dazu einfach den Text auf der Homepage markieren, Menü "Datei drucken", "Markierung" wählen und drucken. Dann könnt ihr den Text in der U-Bahn und in der Mittagspause lesen. Vielleicht findet sich ja auch ein Kollege, mit dem ihr darüber während des Mittagessens sprechen könnt. Das fördert den Informationsaustausch und den Zusammenhalt der Kollegen.

  3. Gebt Eure ausgedruckten Exemplare an Kollegen weiter, die keinen PC zu Hause haben. Das fördert die Solidarität.

  4. Betriebsräte, die uns wohl gesonnen sind, können die Informationen auf der NCI-Homepage in Beratungsgesprächen nutzen und verteilen.
Die Sperre der Seite hat auch etwas Gutes: Sie bricht die Isolation des Allein Lesens auf.
Euch - als Mitarbeiter - kann Siemens nicht aussperren.
(iw)


Siemens sperrt 4000 Mitarbeiter aus und setzt auf Zensur
Sperrung der NCI Homepage


Mitwoch, 26.07.06
Nach drei Jahren und 5 Monaten scheint sich Siemens NCI geschlagen zu geben. Dem Siemens Management fehlen offensichtlich die Worte, die Mitarbeiter zu motivieren und sie von ihrer Strategie und ihren Zukunftsplänen zu überzeugen. Dieser mangelnden Überzeugungskraft begegnet Siemens mit der Sperrung der NCI-Homepage. Mit dieser Sperrung glaubt Siemens die 3000 bis 4000 Mitarbeiter, die Tag für Tag auf unsere Homepage zugreifen, von für sie relevanter Information aussperren zu können.

Wir können Siemens nicht daran hindern, die NCI Homepage in ihren Betrieben zu sperren. Siemens gesteht damit jedoch indirekt, das erste Mal offiziell ein, dass wir eine sehr gute Aufklärungsarbeit leisten, dass unsere Berichterstattung, den Mitarbeitern in ihren Entscheidungsprozessen hilft. Siemens hat lediglich eine etwas eigenwillige Art, dieses Lob auszusprechen.

Zensiert zu werden, bedeutetet in der Geschichte stets, etwas zu sagen zu haben, von dem die Mächtigen glauben, in ihrer Macht und in ihrem Einfluss bedroht zu sein. "Zensur (censura) ist ein Verfahren eines Staates bzw. einer einflussreichen Organisation oder eines Vertreters davon, um durch Medien vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte Aussagen zu unterdrücken bzw. dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Aussagen in Umlauf kommen. ..." (Wikipedia)

Zensur ist immer ein Eingeständnis von Schwäche und eine Missachtung demokratischer Grundregeln im eigenen Hoheitsbereich. So wurden beispielsweise Bert Brecht, Heinrich Heine, Erich Kästner, Klaus Mann, Heinrich Mann, Stefan Zweig zensiert, alles Schriftsteller, die sich kritisch mit dem Geschehen ihrer Zeit auseinander gesetzt haben.

Die Zensur der NCI-Homepage ist eine kleine Hürde, die man einfach überspringen muss, in dem man auf seinen PC zu Hause schaut. Wir werden das Recht auf Pressefreiheit weiter wahrnehmen und im Internet unsere Seite unverändert weiter betreiben. Unseren Dialog werden wir verstärkt über E-Mails fortsetzen. Daran kann Siemens uns nicht hindern, denn wir leben glücklicherweise in einem Land, in dem Demokratie und freie Meinungsäußerung herrschen.

Wir sind sicher, dass unsere Leserschaft uns treu bleibt, weiterhin auf unserer Homepage nachlesen und damit mit uns zusammen für die Verbreitung der Arbeitnehmerrechte, für die Freiheit der Meinung und der Presse (Atikel 5 GG) kämpfen wird.

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet.

Eine Zensur findet nicht statt."

Bei Siemens schon ...
(iw)

Fr, 07.07.06.
Dein Tun sei von dir, nicht von den Geschehnissen geleitet
(Indische Weisheit)

Diese Worte habe ich irgendwo gefunden und sie haben wir gut gefallen. Irgend wie fühlte ich mich von ihnen angesprochen. Sie gaben mir das Gefühl, den unvermeidlichen Ereignissen, die andere als solche definieren, nicht ausgeliefert zu sein.

Unvermeidlich ist der Markzwang, unvermeidlich ist daher der Stellenabbau, mit dem wir wieder konfrontiert sind. Unvermeidlich sind die Geschehnisse, die jedes Jahr auf das neue auf uns zurollen. Unvermeidlich sind die Folgen, das mal wieder hunderte von Kollegen gehen sollen. Doch an diesem Punkt habe ich für mich gesagt: Stopp! Diese Unvermeidlichkeit, die Firmen wie Siemens, Lucent, Alcatel, Nokia, mir aufdrängen wollen, akzeptiere ich nicht. Es ist eine ganz persönliche Entscheidung.

Doch diese persönliche Entscheidung hat bewirkt, dass ich begonnen habe, nach Wegen zu suchen, nach Wegen, die es mir und anderen ermöglichen zu agieren, nicht zu reagieren, wie ein Kollege heute schrieb. Er wollte auch nicht von den Geschehnissen geleitet werden, sondern seine Situation selbst in die Hand nehmen. Und da er dazu noch etwas wissen wollte, hat er bei uns angefragt.

Das Erstaunliche bei den Worten: "Dein Tun sei von dir, nicht von den Geschehnissen geleitet" ist, dass man plötzlich ruhiger wird, wenn man wütend war, dass man Hoffnung schöpft, wenn man deprimiert war, das man Kraft findet, wo das Gefühl herrschte, da kann ich eh nichts tun. Man spürt plötzlich, dass es wieder einen Boden gibt, auf dem man stehen kann, dass es den unvermeidlichen Geschehnissen nicht wirklich gelang, ihn wegzuziehen. Und wenn man diese erstaunlichen Erfahrungen dem Kollegen erzählt, der neben einem steht, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass er ganz erstaunt sagt. Mir geht es genauso. Ich hätte nie gedacht, dass es auch dir so geht.

"Dein Tun sei von dir, nicht von den Geschehnissen geleitet." gibt mir jedenfalls das Gefühl, dass die Entscheidungen über mein Leben bei mir und nicht bei zufälligen Geschehnissen liegen. Und dieses Gefühl finde ich gut. Man braucht gar nicht so viel Mut, sich darauf einzulassen.
(iw)

Fr, 07.07.06: Verwirrung - wo man hinsieht
Siemens hat es mal wieder geschafft. Die Mitarbeiter sind total verwirrt und verunsichert. Zuerst wird ein Betriebsübergang zu Nokia Siemens Networks angekündigt und als historischer Deal vorgestellt. Betriebsübergang zum 01.01.07. Das schlechteste ist das nicht haben viele gesagt, doch dann kam der Hammer. Kaum war das Wort Nokia Siemens Networks ausgesprochen wurde den Aktionären schon versprochen 10 bis 15 Prozent der Stellen einer Firma, die es noch nicht einmal gibt, abzubauen.

Die nächste Verwirrung: Welche Produkte fallen den Synergieeffekten zum Opfer? Weiß man noch nicht so genau, heißt es, dies prüfen gerade irgend welche Expertenteams. Termindruck im Alltag. Das muss unbedingt heute fertig werden, ein Produkt, das es morgen vielleicht gar nicht mehr gibt? Das einzige was man weiß: Stellenabbau und höchste Motivation der Mitarbeiter ist erforderlich. Das Management verschwendet nicht einen Gedanken, wie das alles unter einen Hut zu bringen ist. Ist ja auch nicht so wichtig. Klaus Kleinfeld hat gesagt, der Deal ist historisch. Das muss wohl reichen.

Dann kam fast zeitgleich die Meldung für Enterprise. Ihr werdet auch verkauft, nur an wen wissen wir nicht, verbunden mit der beschwichtigenden Zusage, wir suchen ein Unternehmen mit Zukunft. Aus der Presse bzw. übers NCI erfahren die Mitarbeiter dann, dass es Avaya oder Nortel sein könnte und in diesem Konjunktiv leben die Enterprise Mitarbeiter seit dem, stark verunsichert und beunruhigt, was aus ihnen werden wird. Und um die Beunruhigung zu krönen wird gesagt, ihr werdet zwischengelagert.

Kaum hatten die Mitarbeiter begriffen, dass sie nach NoSiNet ausgelagert werden, kommt die Meldung auch Com Carrier wird zwischen gelagert, damit ein Klaus Kleinfeld beide ungeliebten Bereiche nicht mehr in das neue Geschäftsjahr mitführen muss und sich als glänzender Problemlöser auf der Siemens Hauptversammlung 2007 feiern lassen kann. Doch gleicht er nicht eher einem Problemlöser, der die Probleme einfach unter den Teppich kehrt?

Dann kam Schlag auf Schlag, eigentlich so zwischendrin, wohl dem Trägheitsgesetz des Stellenabbaus folgend, der einmal im Rollen nicht den gegebenen Umständen anzupassen ist, ein IA/SP auf den Tisch, dem man es ansieht, dass er vor dem bekannt werden der diversen Betriebsübergänge zusammengeschustert wurde. Die Folge, der IA/SP steckt voller Fehler, die Daten in diesem IA/SP stimmen mit der realen Entwicklung nicht überein. Man hatte sich nicht die Mühe gemacht ihn anzupassen. Wozu auch. Es geht ja nur um Mitarbeiter. Verwirrung. Wann kann man in die beE wechseln? Wo ist die angesiedelt? Eigentlich will ich gar nicht in die beE. Und letztlich kommt die Haltung heraus: Ihr könnt mich mal - was in dieser Situation nicht die Schlechteste ist.
(iw)

Do, 06.07.06: Break-Out-Session
Vorgestern las ich mal wieder (ich kann es einfach nicht lassen) in Klaus Kleinfelds Blog. Da stand es, das Wort Break-Out-Session. Beeindruckend klingt das, man muss es sich einmal richtig genießerisch auf der Zunge zergehen lassen wie ein leckeres Eis: "Break-Out-Session".

Das musste ich genauer wissen. Warum machen wir das nicht in unserer Abteilung und was ist das überhaupt? Haben wir etwas verpasst, sind wir etwa nicht up-to-date, nicht innovativ genug? Wir müssen das Thema proaktiv angehen, damit wir mit der Konkurrenz mithalten können.

Die Kollegen waren genauso unwissend wie ich, keiner hatte schon einmal etwas von einer "Break-Out-Session" gehört. So befragte ich die Wikipedia, aber diese musste passen, obwohl mein Freund google 144.000 Treffer für "Break-Out-Session" meldete. Keine Panik dachte ich und sah im leo (www.leo.org) nach. Break out - Ausbruch, session - Sitzung, eine Ausbruchsitzung also. Merkwürdig. Wer bricht aus, von wo und warum?

Ich fragte, als wir unsere Besprechung abhielten, ob das jetzt eine "Break-Out-Session" wäre. Keiner wusste es. Ich ging nach Hause und grübelte die halbe Nacht - Selbst das Fußballspiel konnte mich nur kurz ablenken. Am nächsten Morgen ließ mich auch noch das Oxford English Dictionary im Stich. Also setzte ich einen Denglisch-Spezialisten darauf an. Der schaute erstaunt, das Wort hatte selbst er noch nicht gehört.

Ich war nahe dran, direkt bei KCK nachzufragen, als mich endlich die erlösende E-Mail erreichte: "Break-Out-Sessions" sind meist parallel zu einer Tagung stattfindende Vorträge bzw. Workshops, in denen sich die Teilnehmer der Tagung zu Schwerpunktthemen, je nach persönlichem Interesse, informieren können. Also nur Schaumschlägerei - wir machen das doch dauernd - "Break-Out-Sessions". Nur gut, dass wir jetzt auch wissen, wie es heißt.

Es grüßt Euch Euer Bartolomäus Bissig

So, 02.07.06: Heribert-Fieber-Gedächtnis-Preis

Ich möchte mich bei Euch bedanken für die Verleihung des Heribert-Fieber-Gedächtnis-Preises. Einen schöneren Preis hättet Ihr mir gar nicht verleihen können.

Schön finde ich, dass ihr ihn nicht nur mir, sondern auch meinen Mitstreitern verliehen habt. Und hier möchte ich insbesondere Christine Rosenboom nennen, die sich mit viel Kompetenz, Einsatz und Mut für NCI engagiert.

Mich persönlich und viele der damaligen Kollegen hat die Betriebsratsarbeit von Heribert Fieber überzeugt. Wichtig war ihm, seiner Belegschaft, wie er oft sagte, zu helfen, ihnen Wissen zu vermitteln, damit sie sich besser in dem rätselhaften Urwald orientieren können, in dem der Arbeitgeber die Belegschaft seit 2002 immer wieder aussetzt.

Es war ihm wichtig, sein Amt als Betriebsratsvorsitzender in den Dienst der Belegschaft zu stellen. Und das tat er mit großem Engagement und viel Mut. Seine Haltung war bei all den schwierigen Verhandlungen immer klar: Er stand auf der Seite der Belegschaft und beugte sich nicht den angeblichen Sachzwängen oder dem Diktat des Arbeitgebers. Er wollte, dass wir alle verstehen, was er tat und warum er es tat. Er selbst wollte verstehen, was uns bewegt. Und deshalb suchte er die offene Kommunikation und Information.

Viele bedauern, dass er nicht mehr in München Hofmannstraße ist. Heute gibt er sein Wissen anderen Arbeitnehmern und Betriebsräten weiter. Es liegt nun an uns allen, was wir aus dem, was er uns gelehrt hat, machen. Meine persönliche Intention ist es, dieses Erbe zu bewahren und fortzuführen. Die Verleihung des Heribert-Fieber-Gedächtnis-Preises motiviert uns, unsere Arbeit fortzusetzen und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Eure Inken


Sa, 24.06.06: Modell beE 2006 und Zubehör gerade im Test

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
für einen kurzen Augenblick stehen keine Neuigkeiten auf der Homepage, obwohl es Euch unter den Nägeln brennt. Aber wir müssen zunächst umfangreiches Material sichten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zueinander in Beziehung setzen. Dazu brauchen selbst wir ein bisschen Zeit. Aber ihr hört ganz bald wieder von uns. Wir schweigen nicht und lassen Euch auf keinen Fall im Stich.

Eins bleibt unverändert:
Angebote von Staubsaugervertretern muss man sorgfältig prüfen. Vor allem muss man sich klar werden, ob man das Modell beE 2006* überhaupt braucht. Zu Staubsaugervertretern kann man "Nein" sagen, auch wenn sie dauernd wieder anläuten und so freundlich aussehen wie unser Tukki.

Wer mehr über Staubsaugervertreter und wie sie arbeiten wissen will,
der klicke hier
*Das Kleingedruckte:
Allerdings müssen wir zugeben, dass hier noch die Modelle 2005 vorgeführt werden. Aber das tut der Präsentation keinen Abbruch, da sie sich kaum unterscheiden. Wir bitten den geneigten Leser daher sich einfach 2006 statt 2005 zu denken und schon ist er Up-to-date.

(iw/cr)


Mi, 21.06.06: Das sind schlechte Zeiten, wo der Mensch seiner Angst nicht nachgeben darf. (B. Brecht)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie wir an den E-Mails an NCI sehen können, herrscht große Unruhe und Unsicherheit im Betrieb über die Auslagerung wesentlicher Teile von Com zu Nokia Siemens Networks. Die einen sind beunruhigt über den Betriebsübergang, die anderen stellen sich die bange Frage: Was wird aus uns, die wir nicht dazu gehören, wenn wesentliche Teile von Com ausgelagert werden?

Diese Sorgen sind angesichts der Vergangenheit, der vielen nicht eingelösten Versprechen des Managements mehr als verständlich. Sagte Klaus Kleinfeld noch im Sommer 2004 "Das Geschäft mit den Mobiltelefonen sei für Siemens und die Telekommunikationssparte des Konzerns unverzichtbar." Im Sommer 2005 wurde dann die Handy Sparte an BenQ verkauft. Noch im Februar 2006 behauptete Kleinfeld angesichts der Spekulationen in der Presse über einen möglichen Verkauf von Com: "Ich habe nicht vor, Com zu verkaufen". Vier Monate später ist Com praktisch verkauft und die Siemens AG hat den Ausstieg aus der Telekommunikation eingeleitet.

Alle waren wohl überrascht von dieser Entscheidung, die so lapidar per E-Mail in den PC der Mitarbeiter flatterte. Das was als Information gedacht war, wirkte wie ein Schock. "Als ich in der Früh durch den Flur ging, fiel mir auf, dass in allen Räumen, zu denen die Tür offen, stand große Hektik herrschte. Wusste jedoch noch nicht warum. Das war gerade zu der Zeit als die Kleinfeld-Email bei uns so der Reihe nach eintrudelte.", schrieb eine Mitarbeiterin. In den Büros herrschte großes Durcheinander. Es wurde und wird diskutiert, was das nun alles zu bedeuten hat. Ist es besser bei FN zu sein oder bei MN? Bleibt überhaupt noch ein Stein auf dem anderen? Plötzlich sind alle betroffen, Mitarbeiter wie Chefs. Der Stellenabbau, der diesem Betriebsübergang vorausgehen soll, erscheint im anderen Licht.

Viele spüren das erste Mal, dass unternehmerische Entscheidungen keine Rücksicht nehmen auf das eigene Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz, dem routinemäßigen Alltag, den man sich plötzlich zurück wünscht. Manche sind souverän, zumindest nach außen, andere zeigen ihre Ängste.

Ein wenig spürt wohl jeder, dass die Ära Siemens für die Com Mitarbeiter zu Ende geht und vielen stellt sich die Frage nach einer unbekannten und schlecht einzuschätzenden Zukunft. Da helfen auch keine euphorischen Worte des Managements über einen Deal, von dem die Mitarbeiter überrascht wurden wie von einem plötzlich aufkommenden Sturm.

Ohne Gefühl für die Menschen werden die Mitarbeiter mit Euphorie überschwemmt, diejenigen als unwillig dargestellt, die es wagen ihre Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig wird von einer Versetzungssperre gesprochen und so das Gefühl erzeugt, in einer Situation gefangen zu sein, die man nicht wollte und aus der man sich befreien will. Die Frage nach einem Widerspruch gegen diesen Betriebsübergang taucht auf, gibt das Gefühl sich befreien zu können und so landet sie vielfach hier bei uns, begleitet von der unterschwelligen Angst vor Kündigung im neuen Unternehmen und der Frage wie das alles nun wirklich sei.

Darum, liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser offene Brief an Euch.

Lasst uns gemeinsam die Gedanken sortieren, die Gefühle ordnen, Vor- und Nachteile abwägen. Schritt für Schritt wollen wir das auf dieser Homepage tun. Stellt uns Eure Fragen, redet über Eure Sorgen und Ängste. Fragen stellen, Antworten suchen, bekommen, diskutieren, hilft, die unbekannte Situation begreifbar zu machen und verhindert die Isolierung. Man sollte in einer solchen Situation nicht überstürzt handeln und alleine bleiben. Ihr könnt sicher sein, dass wir Euch alles, was wir wissen mitteilen.

Es liegt kein Grund zur Eile vor. Wir haben Zeit. Bitte keine übereilten Mails oder gar Widersprüche an Siemens.

Wir bezeichnen NCI oft als ein großes stabiles Schiff, das schon viele Kolleginnen und Kollegen durch manchen Sturm begleitet hat. Manche haben einen neuen Heimathafen gefunden, den sie ohne NCI nicht gefunden hätten. Unser Schiff hat Platz für jeden, der nicht gerne alleine über ein unbekanntes Meer treibt, egal, ob er oder sie vom Betriebsübergang zu Nokia Siemens Network betroffen ist oder nicht.

Wir verstehen viel von der Seefahrt durch unbekannte Gewässer, haben gute Nautiker und den Willen mit allen, die auf dem Schiff sind, in einen neuen sicheren Hafen zukommen.
(iw)


Mi, 21.06.06: NSN - der Superlativ für alle?
"Ich bin absolut überzeugt davon, dass wir die bestmögliche Lösung für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre geschaffen haben," sagte Klaus Kleinfeld auf der Pressekonferenz zum Nokia Deal am 19.06.06.

Wir? Ist das der Plurale Majestatis? Weder Heinrich von Pierer noch Thomas Ganswindt haben sich bisher (positiv) zu diesem Deal geäußert. Was ist denn deren Meinung dazu? Zumindest mich hätte das schon interessiert.

Was bedeutet das Joint Venture für die COM-Mitarbeiter? Einen Meilenstein für unsere Zukunft? Die Stimmung auf dem Com-All-Hands-Meeting in der Hofmannstraße war nicht so positiv - mal abgesehen von zwei Begeisterten. Mehr habe ich nicht gezählt. Der Abbau von 9000 Mitarbeitern, schon mal vorweg zugegeben, lässt nichts Gutes für unsere Zukunft ahnen. Wie hoch ist die Zahl dann am Ende tatsächlich? In der Presse wurde bereits über einen Abbau von 20% spekuliert. Analysten sprechen sogar von einem Abbaupotenzial von 30 Prozent.

Die neue Firma geht mit geplanten Restrukturierungskosten von 1,5 Mrd. plus einem Darlehen von 1 Mrd. (je die Hälfte von den Konzernmüttern stammend) an den Start. Synergieeffekte sollen rund 1,5 Mrd. Euro in den nächsten vier Jahren erbringen. Davon entfallen 90 Prozent auf die ersten beiden Jahre.

Wie war das damals beim enthusiastisch gefeierten Com-Merge mit den dort geplanten Synergieeffekten? Irgendwie muss es an uns vorbeigegangen sein, dass diese tatsächlich eingetreten sind. Wie auch immer, bevor NoSiNet in die schwarzen Zahlen kommt, müssen die Mitarbeiter erstmal 2,5 Mrd. EUR erwirtschaften. Damit man die Größenordnung einschätzen kann hier mal die Zahl mit sämtlichen Nullen: 2.500.000.000 EUR.

Einen Vorteil hat das Joint Venture vielleicht für die Carrier-Mitarbeiter. Unser Siemens-Top-Management, das die ICN / ICM- und später Com-Sanierung nicht geschafft hat, wird durch Management von Nokia ersetzt. Hoffen wir mal, dass dieses das Geschäft besser beherrscht. Wenn Klaus Kleinfeld mit den Ausgliederungen bei Siemens in dem Tempo weitermacht, wird irgendwann nichts mehr zu managen übrig bleiben. Was lernen wir daraus? Andere Firmen werfen das Management raus, wenn es versagt. Bei Siemens macht man das umgekehrt.

"Ein solch großer Schritt für unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter muss in seiner positiven Auswirkung erklärt werden, denn er lädt auch zu negativen Interpretationen ein, vor allem bei denjenigen, die nicht verstehen (wollen), dass dies eine herausragende Gelegenheit ist, uns für die Zukunft zu stärken und Erfolg sicherzustellen." so Klaus Kleinfeld in seinem Onlinetagebuch. Das erinnert, mit Verlaub gesagt, an das manipulative rhetorische Stilmittel der vorauseilenden Diffamierung. Jeder, der sich zu diesem Joint Venture also negativ äußert wird von vornherein als dumm abqualifiziert, weil er "nicht verstehen will oder kann".

Aus Analysten-, Aktionärs- und Managersicht kann man diesen Deal sicher positiv bewerten, Mitarbeiter können aber durchaus auch negative Seiten erkennen und sollten nicht zögern, diese auch offen anzusprechen. Olli-Pekka Kallasvuo ist, wie er auf der Pressekonferenz sagte, überzeugt von der hohen Qualifikation der Siemens Mitarbeiter. Dann sollte deren Meinung auch Gehör finden.

Wenn Klaus Kleinfeld den Mitarbeitern garantiert, dass niemand die nächsten Jahre seinen Arbeitsplatz verliert, dann, ja dann, wäre NoSiNet ein Superlativ für alle.
(Bartholomäus Bissig)

So, 18.06.06: Auf Jeden kommt es an!
Was man mit offener Kommunikation, Zusammenführung von Informationen, Einsatz von Know How und systematischer Analyse verschiedenartigster Informationen, die von Euch stammen, erreichen kann, zeigen die Erfolge von NCI der letzten drei Jahre.

Über die nackte Rechtslage können wir immer informieren, das ist kein Problem. Das funktioniert auch ohne Information von Euch. Die Erfahrung zeigt, dass die abstrakte Information über die Rechtslage für Eure Entscheidungen jedoch nicht genügt. Für Euch lebendig und in der Praxis anwendbar werden Paragraphen erst, wenn Ihr uns über die Vorgänge, Gerüchte, Versammlungen in Eurer Abteilung in E-Mails berichtet und Fragen darüber stellt, was Euch noch unklar ist und was Euch beschäftigt. Wer erst aktiv wird, wenn das Kind nicht nur in den Brunnen gefallen, sondern schon ertrunken ist, der hat bereits verloren, daran kann keiner mehr etwas ändern.

Wie erfolgreich wir gemeinsam sein können, zeigen folgende Beispiele:

TietoEnator
Zurzeit wendet der Arbeitgeber das Mittel Betriebsübergang an, um Bereiche zu sanieren. Vor etwa einem Jahr haben wir unsere Kollegen bei Com MD und CPE, jetzt BenQ bzw. SHC, wie zuvor auch die Sinitec-Kollegen, die zur A&O übergegangen sind, über die Rechtsfolgen eines Betriebsübergangs aufgeklärt und ihre persönliche Situation in E-Mails mit ihnen diskutiert.

Im Fall von TietoEnator sind wir aufgrund von Nachfragen noch wesentlich weiter gegangen. Wir haben die Entscheidungsgrundlagen angefangen mit Geschäftsmodell und Geschäftsentwicklung bis hin zur Mitarbeiterentwicklung bei TietoEnator recherchiert und analysiert. Wir erfuhren von der Geheimniskrämerei um die Protokollnotiz durch Mitteilung aufmerksamer Kollegen. Wir konnten das Geheimnis aufdecken und veröffentlichten den Inhalt der Protokollnotiz. Auf diese Weise konnten alle Betroffenen die eigentlich wichtigen Informationen bzgl. dieses Betriebsübergangs nachlesen. Inzwischen haben die Kollegen die 3-jährige Nicht-Kündigungsgarantie auch schriftlich erhalten.

Keine Kündigungen mehr nach Gutsherrenart
Durch das konsequente Ausschöpfen der rechtlichen Möglichkeiten (Kündigungsschutzklage, Klage auf vertragsgemäße Beschäftigung usw.), verbunden mit solidarischem Handeln und Öffentlichkeitsarbeit hat Siemens von weiteren betriebsbedingten Kündigungen und systematischem Arbeitsentzug abgesehen. Damit haben die Mitarbeiter am Siemens Standort Hofmannstraße erreicht, dass das Konzept "die Mitarbeiter werden es ohnehin nicht wagen gegen einen Weltkonzern zu klagen" nicht aufgegangen ist. Kündigen nach Gutsherrenart wurde kein Erfolgsmodell für Siemens.

Keine Sozialauswahlkriterien und betriebsbedingten Kündigungen bei Com FN
Beim Stellenabbau 2005 standen Auswahlrichtlinien im Raum. Wir befürchteten, dass der Arbeitgeber, diese mit dem Betriebsrat vereinbaren wollte und dass dafür die in der Betriebsvereinbarung vereinbarte Einigungsstelle vorgesehen war. Durch die Vereinbarung strategischer Cluster (= Kombination aus Alters- und Funktionsclustern) wäre es möglich gewesen, nahezu jeden Mitarbeiter gezielt herauszufiltern und diesen auf die Kündigungsliste zu setzen. Mit der Folge, dass er keine oder nur sehr geringe Chancen gehabt hätte, seinen Kündigungsschutzprozess zu gewinnen. Durch unsere intensive Aufklärung machten wir den Mitarbeitern deutlich, dass Sozialauswahlkriterien in einer Einigungsstelle nur mit Zustimmung des Betriebsrats zu verhandeln sind.

Reintegration der Schwerbehinderten und Jubilare
Den nicht gekündigten Schwerbehinderten und Jubilaren wurde wie den Gekündigten 2002/03 die Arbeit entzogen. Ihnen drohten die Versetzung zum Airport und damit eine mögliche Betriebsschließung. Dies wurde durch konsequentes und solidarisches Handeln und vor allem durch eine massive Öffentlichkeitsarbeit verhindert. Die Abteilung PRA, in der sie dann zusammengefasst wurden und über vorübergehende Projekteinsätze auf feste Arbeitsplätze vermittelt werden sollten, ist aufgelöst. Sowohl die Schwerbehinderten als auch die Jubilare sind wieder integriert worden.

Begleitung der gekündigten Kollegen durch ihre Kündigungsschutzprozesse und ihre Reintegration
Wir haben erreicht, dass alle Kollegen durchgehalten und ihre Kündigungsschutzprozesse in erster und auch zweiter Instanz gewonnen haben. Durch gelebte Solidarität, Begleitung zu den Arbeitsgerichtsprozessen und nicht zuletzt durch die Prozessberichterstattung wurde dies erst ermöglicht. Wir haben erreicht, dass die LAG-Gewinner wieder auf einem vergleichbaren Arbeitsplatz integriert wurden.


Aufhebung der Isolation
Durch intensive Gespräche, E-Mails und persönliche Treffen und auch durch Gruppentreffen ist es uns gelungen zu verhindern, dass Kollegen isoliert und in Mobbing-Situationen allein gelassen wurden. Viele Emotionen konnten auf diese Weise aufgefangen werden, sodass keiner in dieser schwierigen Zeit verzweifeln musste.

Aufklärung der Kollegen über Arbeitnehmerrechte
In zahllosen Gesprächen haben wir Kollegen über Rechte der Arbeitnehmer in den unterschiedlichsten Situationen aufgeklärt. Im Arbeitsrecht-ABC auf unserer Homepage haben wir darüber hinaus zu allen Themen, die in den letzten drei Jahren akut geworden sind, ausführliche und hilfreiche Informationen zusammengestellt. Mit ihrer Hilfe ist es leicht, den eigenen Fall zu beurteilen und zu entscheiden, welchen Weg man einschlagen soll.

Auf jeden kommt es an!
Eure E-Mails können Arbeitsplätze retten!

(iw/cr)

Do, 15.06.06: Don't turn your head away from what you see
Hachioji Japan. Universitätsstadt im Großraum Tokio. Acht Uhr morgens. Tetsuro Tanaka beginnt vor den Werkstoren des Technologiekonzerns Oki zu singen. Jeden Morgen singt er hier seit dem 30. Juni 1981.

Ein Verrückter wird schnell geurteilt, einer an den man sich gewöhnt hat. Oder einer, der nicht bereit ist wegzusehen, der daran glaubt, dass auch ein Einzelner etwas bewegen kann?

Es begann 1978. Oki entließ 1300 Mitarbeiter. Tanaka konnte sich glücklich schätzen. Er behielt seinen Arbeitsplatz. Tanaka konnte nicht verstehen, dass die Gewerkschaft nicht gegen diese Entlassungen protestierte.

Um die Verbleibenden wieder Einzuschwören verlangte Oki bald nach den Entlassungen von den Verbliebenen, ihre Loyalität zur Firma durch gemeinsame Morgengymnastik zu beweisen: Wer nicht mit uns turnt, ist gegen uns, sagte die Firmenleitung. Und wer sich mit Verrätern abgibt, ist selbst einer. Tanaka blieb an seinem Schreibtisch. Als Einziger.

Oki duldete den leisen Protest nicht. Der Widerstand eines Einzelnen musste im Keim erstickt werden. Arbeitsentzug, minderwertige Arbeiten, Diskriminierung, Gehaltskürzung, Zwangsversetzung, Kündigung für Tanaka waren die Folge. Wäre es nicht klug gewesen Tanaka hätte die eine Morgengymnastik mit gemacht? Die meisten dürften so denken.

Doch Tanaker wollte sich seine Meinung nicht abpressen lassen. Er protestierte, wo alle anderen schwiegen. Er protestiert gegen Diskriminierung und Einschüchterung. "Don't turn your head away from what you see" singt er.

Was wäre gewesen, wenn die befohlene Morgengymnastik zu einem freien Protest am Schreibtisch geworden wäre und mit Tanaker andere gesungen hätten? Die Geschichte von Oki wäre wohl anders verlaufen, die von Tanaker sicherlich.
Spiegel Online
(iw)


Sa, 17.06.06: Schweigender Verkauf
Alles schweigt. Private-Equity-Haus Triton, das Dematic Management, Siemens. Schweigen muss eine gewinnbringende Innovationsidee sein. Ich bin da ganz sicher, sonst würde ja nicht dauernd geschwiegen.

Dass ich nicht schweigen kann, unterstellt mir inzwischen jeder. Dabei stimmt das gar nicht. Ich will nur nicht schweigen. Dass Siemens vom Schweigen begeistert ist, wissen wir. Aber über was schweigt das Management von Dematic nun? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Millionenbeträge aufgebracht hat, um den Siemens auszuzahlen. Schweigt das Management etwa über den symbolischen Preis von 1 €, damit ein Kaufvertrag zustande kommt und es keine Schenkung wird? Für letztere könnte nämlich Schenkungssteuer anfallen und dass man diese sparen will, ist wirklich sehr weitsichtig und innovativ. Schließlich könnte man das eingesparte Geld investieren. Fragt sich nur in was. Darüber wird auch geschwiegen.

Und Private-Equity-Haus Triton, warum schweigen die? Irgendwie geht mir die ganze Zeit BenQ im Kopf herum ...
... aber jetzt hülle ich mich in Schweigen.
(Bartholomäus Bissig, kurz BB)


Di, 13.06.06: Schweigende Verhandlungen
Es ist schön, dass GBR und örtliche BR die Belegschaft schonen wollen und sich so einig sind mit dem Arbeitgeber, dass Schweigen die beste Medizin ist, um einen tollen Verhandlungserfolg hinzubekommen. So können alle beruhigt bis zum 22. Juni in Urlaub gehen. Es ist ein schönes Gefühl, sicher zu wissen, dass man vorher eh nichts erfährt. Da kann man den Cocktail an der Strandbar doch wesentlich entspannter genießen.

Es geht ja auch um nicht viel, nur um den Arbeitsplatz, aber dass dieser ständig gefährdet ist - ja, daran haben wir uns gewöhnt. Was soll's also, ob wir ein paar Tage mehr oder weniger auf Informationen warten, macht uns gar nichts mehr aus. Gefragt werden, was wir eigentlich wollen, das wollen wir schon lange nicht mehr. Es interessiert ja auch niemanden wirklich.

Beruhigend ist auch zu wissen, dass auch die Dreisten und Neugierigen mit Nachfragen beim BR nicht durchdringen werden, denn "Weitergehende Informationen könnten nicht bekannt gegeben werden ohne einen Verhandlungserfolg zu gefährden. Bitte sehen Sie daher von Nachfragen ab. Danke", so steht es auf einer BR Homepage.

Gut, fragen wir nicht nach. Schließlich will niemand den Verhandlungserfolg gefährden. Schließlich wusste schon Cicero, dass man auch mit Schweigen anklagen kann: Cum tacent, clamat. Gerade Ihr Schweigen ist laute Anklage.

Aber - so ganz zu schweigen, so gar nichts zu denken, fällt mir halt schwer. Was wird rauskommen?
Klassisch: Aufhebungsvertrag mit Abfindung nach altem Muster, beE, das Ganze gewürzt mit betriebsbedingter Kündigung bei Ablehnung und Zwangsversetzungen. Oder progressiv: Greift Siemens diesmal tief in die Tasche, um à la VW eine Milliarde Euro für Restrukturierungsmaßnahmen auszugeben, wenn sie schon das VW-Modell der Arbeitszeitverkürzung ablehnen. Das wären dann - so Pi mal Daumen - 250.000 Euro oder gibt es etwa die Sensation: Einen Ergänzungstarifvertrag still und heimlich ausgehandelt zur Standortsicherung mit längerer Arbeitszeit und weniger Gehalt oder mit weniger Arbeit für mehr Gehalt? Oder verhandelt der GBR/BR gar über Auswahlrichtlinien und Namenslisten - aber nein, was rede ich da. Dies tun sie nicht, das haben sie immer wieder erklärt. Schließlich wissen wir ja, dass dies auf keinen Fall ohne BR-Zustimmung geht, auch nicht in einer Einigungsstelle. Auf was für blöde Gedanken man kommt, wenn alle schweigen. Oder, das wäre wirklich mal was Neues: Werden die Mitarbeiter zum Mond befördert? Die Russen planen den ersten Mondflug für Touristen im Jahr 2010 für 80 Mio. Euro. Vielleicht doch zu teuer? Nun vielleicht doch nicht. Schließlich ist das Hin und Zurück. Das Zurück ist dann Verhandlungssache. Aber es könnte an Time to Market scheitern. Die Russen verstehen eben doch nichts von freier Marktwirtschaft. Com braucht jetzt eine Lösung.

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zufällig was ausgeplaudert, was noch geheim ist. Bitte sehen Sie daher von Nachfragen ab. Danke
(Bartholomäus Bissig, kurz BB)

Glossen geben die Meinung von Bartholomäus Bissig, kurz BB wieder. BB ist nicht beeinflussbar. Wir auch nicht. Deshalb kann es vorkommen, dass die Meinungen übereinstimmen oder auch nicht. Darüber hüllt sich die NCI-Redaktion in Schweigen. Bartholomäus auch. Sehen Sie daher bitte von Nachfragen ab. Danke.


Mo, 05.06.06: Und der Haifisch, der hat Zähne…
Klaus Kleinfeld am PG-Standort Mühlheim Ruhr (Zitat aus der Siemens-Welt Nr. 4-5/2006 Seite 4)
"Die Welt besteht aus Haifischfutter und aus Haifisch. Wir waren immer Haifisch. Und das fühlt sich auch erheblich besser an. Ich sehe meine Aufgabe darin, dafür zu sorgen, dass es so bleibt. Deshalb schmerzt es mich ungemein, wenn ich in Diskussionen auf das Thema Zielmarge reduziert werde. Ich handle nicht kapitalmarktgetrieben. Ich sehe meine Aufgabe darin, die Firma so zu führen, dass sie auch für die nächsten 150 Jahre fit ist."

Siemens ist Haifisch, sagt Kleinfeld. Wir sind Menschen, sagen wir. Wir finden, es fühlt sich erheblich besser an, Mensch zu sein.

Weltweit kommen etwa 10 Menschen jährlich durch Haiattacken ums Leben. Dem gegenüber stehen 200 Millionen getötete Haie weltweit. Über 70 Haifischarten sind bereits vom Aussterben bedroht, oder deren Existenz kann als nicht mehr überlebensfähig bezeichnet werden. In Räuber-Beute-Modellen stellt sich zwischen der Zahl der Räuber (Haifische) und der der Beutetiere (Haifischfutter) ein stabiles Gleichgewicht ein. Nur wenn die Räuber zu gierig werden, dann nimmt die Anzahl der Beutetiere rapide ab und die Haifische sterben aus. Übrig bleiben die Beutetiere, die sich in ihrem Bestand wieder erholen können (Angewandte Mathematik, partielle Differentialgleichungen). Der Haifisch hat Jahrmillionen ohne große Veränderungen überdauert. Ob Siemens das auch so lange schafft?

Der Hai als Speisefisch ist besonders beliebt in der asiatischen Küche. "Dort wird gerne die Haifischflosse verarbeitet: Zu Haifischflossensuppe oder in China zu einem normalen Leckerbissen. Aber auch in anderen Ländern gilt der Hai als Nahrungsmittel: Die Inuit in Grönland trocknen das Fleisch des Grönlandhais oder fermentieren es zur regionalen Delikatesse "tipnuk". In Island gilt Hai als Aphrodisiakum: Das Fleisch lässt man eingegraben mehrere Monate fermentieren (d.h. verfaulen), und zerkleinert die Masse in mundgerechte Größen." (Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Haie)

… und Macheath, der hat ein Messer
doch das Messer sieht man nicht.

(Brecht, Dreigroschenoper)
(cr/iw)

Di, 30.05.06: 'Ja' und 'Nein', Wörter die Freiheit brauchen
Manchen mag der Bericht über die Personalentwicklung am Standort München Hofmannstraße erschreckt haben. Uns ehrlich gesagt auch.

Siemens hat seit 2003 nicht mehr gekündigt. Der Grund: Ein wohl überlegtes und freies Nein, vielfach gesprochen. Es mündete in den erfolgreichen Widerstand, den NCI zusammen mit dem damaligen Betriebsrat Mch H unter Anwendung der Arbeitnehmerrechte geführt hat. Dieses ‚Nein' zu den Angeboten der Siemens AG hat gezeigt, dass es für Siemens nicht so einfach ist, die Mitarbeiter zu kündigen, die sie abbauen will, wenn eine Sozialauswahl zu tätigen ist, passende offene Stellen im Unternehmen vorhanden sind, und nicht erkennbar ist, warum durch eine unternehmerische Entscheidung genau dieser Arbeitsplatz weggefallen ist. Das Kündigungsschutzgesetz, das soziale Aspekte in den Mittelpunkt stellt, steht gegen die Einstufung des Menschen als problemlos funktionierendes Maschinenteil. Und das ist gut so.

Man muss berücksichtigen, dass ein Teil des massiven Abbaus in der Hofmannstraße darauf zurückzuführen ist, dass größere Verschiebungen von Mitarbeitern in andere Standorte (Mch P und Mch MGA) stattgefunden haben. Aber der Grund dieser Verschiebungen war, dass an diesen Standorten unerfahrenere bzw. AUB-geführte Betriebsräte waren. Der größte Teil der Versetzungen wurde zur AUB-geführten Betriebsratseinheit Mch P durchgeführt. Siemens rechnete damit, an diesen Standorten leichter abbauen, leichter ein ‚Ja' bekommen zu können. Der von Siemens in Mch H nicht zu realisierende Personalabbau wurde dort dann versucht und teilweise leider auch erreicht, denn die Betriebsvereinbarungen 2005 ließen die Kündigungsmodalitäten völlig offen, auch beim Abbau in der Hofmannstraße. Das erschwerte das "Nein".

Zum Personalabbau ohne Kündigungen in Mch H und den anderen Standorten konnte es nur kommen, da die Mitarbeiter zu den "Freiwilligkeitsaktionen" nicht ‚Nein' gesagt haben. "Ja" und "Nein" an sich sind wert neutral, dann wenn der Mensch, der eines dieser Worte spricht, es aus freiem Willen tut und nicht gebeugt wurde. Die Frage stellt sich nun, war es tatsächlich immer die freie Willensentscheidung des Mitarbeiters, Siemens zu verlassen oder spielte die Angst vor Kündigung, Mobbing durch Vorgesetzte, Druckgespräche in der Personalabteilung die treibende Rolle? Oder war es einfach Unwissenheit? Für viele sicherlich, vor allem dann, wenn sie isoliert und auf sich alleine gestellt sind. Deswegen haben wir NCI gegründet.

Ein ‚Ja' oder ‚Nein', die Unterschrift, die dies ausdrückt, sollte wirklich freiwillig erfolgen und der Schritt gut durchdacht sein. Damit ihr dies einschätzen könnt, klickt mal hier.

Lasst Euch nicht aus Angst zur Freiwilligkeit zwingen. Fördert nicht den Personalabbau und den Verlust Eurer Existenzgrundlage, indem Ihr Euch nicht traut zu freiwilligen Angeboten "Nein" zu sagen. Betrachtet eure rechtliche Position mit Hilfe von Anwälten und der Unterstützung durch NCI rational. Und geht dann den Weg, der die besten Chancen bietet, einen Arbeitsplatz zu erhalten, vorausgesetzt Ihr braucht einen Arbeitsplatz.

Wenn Ihr Euch die Zeit nehmt, Eure Rechte kennen zu lernen, Euch zu solidarisieren, damit niemand alleine ist, den Mut habt, "nein" zu sagen, wo ihr nein sagen wollt, "ja" zu sagen, wo es Eurem Willen entspricht, Eure Rechte anwendet, dann ist es wahrscheinlicher, dass Siemens Lösungen sucht, die auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigen.

Die kürzesten Wörter, nämlich ja und nein, erfordern das meiste Nachdenken. (Pythagoras)
(iw/cr)

TietoEnator: Ein paar Gedanken ...


"Ich war solange bei Siemens, habe mich so für die Firma eingesetzt und jetzt schieben sie mich ab", war ein Gedanke, der vielen kam, als sie erfahren hatten, dass sie zu TietoEnator übergehen sollen. In denjenigen, die bereits einmal 2003/2004 durch die Kündigungsschutzprozesse gegangen sind, kam Enttäuschung hoch, die sich in den Worten ausdrückte: "Jetzt habe ich solange gekämpft, und nun schaffen sie es doch, mich loszuwerden." Begleitet wurden und werden all diese Emotionen von Zukunftsängsten. Welche Entscheidung ist richtig? Wo überlebe ich länger? Wo gehe ich wenigstens nicht mit leeren Händen? Die Gedanken gehen hin und her, drehen sich im Kreise. Kaum glaubt man eine Entscheidung gefunden zu haben, erzählt jemand eine Neuigkeit und schon beginnen sich die Gedanken wieder im Kreise zu drehen.

Gefühle beherrschen die Entscheidung, Gefühle sollten aber nicht der alleinige Ratgeber sein. Deshalb bitten wir Euch die 3-jährige-Nichtkündigungsgarantie und die Standortzusage sowie die Bereitschaft von TietoEnator-Chef Jürgen Hatzipantelis diese den Mitarbeitern schriftlich und damit rechtsverbindlich zukommen zu lassen, in Eure Entscheidung mit einzubeziehen und nüchtern zu betrachten:

"Auch in den gestrigen Informationsrunden habe ich abermals unsere Absicht erklärt, dass wir definitiv in den nächsten drei Jahren auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten, und die Mitarbeiter dies noch vor Ablauf der Widerspruchsfrist persönlich und schriftlich mitgeteilt bekommen. Bedingt durch die Tatsache, dass wir Gebäude in der Nähe des heutigen Sitzes anmieten, haben wir faktisch auch eine Standortzusage gegeben." (E-Mail von Jürgen Hatzipantelis vom 25.05.06 an NCI als Antwort auf unsere Nachfrage zu Nicht-Kündigungs- und Standortgarantie).

Was kann alles bei Siemens nach dem Widerspruch kommen? Fakt ist, Ihr habt, wenn Ihr dem Betriebsübergang widersprecht keinen Arbeitsplatz mehr bei Siemens.

Die größte Hoffnung ist bei manchen, bei Siemens wieder reintegriert zu werden und bis zur Rente einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Doch wie sieht die Situation bei Com aus? Eine 3-jährige Nicht-Kündigungsgarantie erhalten die Com-Mitarbeiter zurzeit von Siemens nicht - im Gegenteil, der Abbau von 1200 Arbeitsplätzen steht auf der Tagesordnung. Die Situation bei Com sieht nicht rosig aus. Die Marge liegt bei 0,8 Prozent, erreicht werden sollen 8 bis 11 Prozent bis 2007. Bei objektiver Betrachtung ein Ding der Unmöglichkeit. Weitere Auslagerungspläne liegen mit Sicherheit schon in der Schublade der Siemens AG. Betrachtet für Euch selbst die Zukunftsaussichten für Com. Versucht Eure persönlichen Aussichten, bei Siemens nach einem Widerspruch reintegriert zu werden, unter diesen Aspekten realistisch einzuschätzen.

Andere Mitarbeiter haben Angst vor Mobbing. Die Erinnerung an 2003/2004 wird wach. Damals hat Siemens die Gekündigten und nicht gekündigten Auserwählten (Ältere, Jubilare, Schwerbehinderte) ausgegrenzt, sie ohne Arbeit gelassen oder mit minderwertiger Arbeit beschäftigt. Diese Situation hat viele sehr belastet, obwohl es den starken Zusammenhalt im NCI gab und noch gibt.

Kollegen berichten uns immer wieder über Mobbing im Zusammenhang mit Personalabbau. Es beginnt mit der Aufforderung sich eine neue Stelle zu suchen, gekoppelt mit dem immer wieder kehrenden Angebot eines Aufhebungsvertrags, zu dessen Unterschrift man in langen und immer wieder kehrenden Personalgesprächen ‚überzeugt' werden soll. Der Com-Stellenabbau 2006 läuft an. Einzelne Mitarbeiter werden schon von Vorgesetzten unter Druck gesetzt. Die wenigsten Kollegen hatten in der Vergangenheit die Kraft, gegen diese Diskriminierung rechtlich vorzugehen. Ihr solltet bevor Ihr widersprecht für Euch einschätzen, wie viel persönliche Kraft Ihr und Eure Familie habt, mit dieser Möglichkeit umgehen zu können. Diese Möglichkeit zählt leider aufgrund der Erfahrung der Vergangenheit nicht zu den unwahrscheinlichsten.

Eine andere Möglichkeit für Siemens auf den Widerspruch zu reagieren, ist zumindest die AT-ler nach Greifswald zu versetzen. Greifswald ist weit. Wenn Ihr nicht mit der Familie umziehen wollt, nehmt einen Routenplaner, ein Bahntool, und errechnet wie lange ihr mit Auto oder Bahn unterwegs sein werdet, um am Wochenende nach Hause zu fahren. Rechnet die Kosten aus für diese Fahrten und die Unterkunft in Greifswald. Stellt diese Kosten und den Zeitaufwand einer eventuellen Verringerung der variablen Gehaltsanteile bei TietoEnator gegenüber. Welches Netto-Gehalt ist unter diesen Umständen höher? Denkt auch darüber nach, wie anstrengend diese Reisen nach Greifswald, insbesondere im Winter, sind und was die Trennung von der Familie für Euch und diese bedeutet.

Trotzdem ist die Versetzung nach Greifswald noch besser, wenn man in Betracht zieht, dass Siemens kündigen könnte. Über die Rechtslage dieser betriebsbedingten Kündigung, die völlig anders ist als 2003, haben wir bereits berichtet. Hier unsere Bitte, baut Eure Entscheidung nicht allein auf der Hoffnung auf: Ich kämpfe, es wird schon gut gehen. Macht nicht die Augen zu, lasst Euch nicht nur emotional steuern, sondern betrachtet die Situation und Eure Chancen im Kündigungsschutzprozess nüchtern. Wenn die Kündigung für Siemens erfolgreich sein sollte, habt ihr eine Gehaltsreduzierung um 100 Prozent, im worst case ohne Abfindung.

Es ist z. Zt. noch völlig unklar, ob Ihr als TietoEnator-Kandidaten nach einem Widerspruch in den Interessenausgleich und Sozialplan für den Stellenabbau Com mit einbezogen werdet. Der Betriebsrat will das zwar verhandeln, aber Siemens teilt bei jeder Gelegenheit mit, dass sie dies nicht wollen. Und eines bitte nicht vergessen. Falls es dem Betriebsrat gelingen sollte, Euch in den Interessenausgleich und Sozialplan mit einzubeziehen, bleibt Euch nur Aufhebungsvertrag, beE oder Kündigung. Eine Re-Integration wird dort nicht vereinbart werden. Über die Nachteile der beE gegenüber TietoEnator haben wir schon gesprochen.

Wir wissen, das viele Angst haben vor den Projekteinsätzen bei TietoEnator. Doch was wird nach drei Jahren mit Com sein? Folgt Com dem Trend, Entwicklungsaktivitäten auszulagern? Vor welcher Entscheidung steht man in drei Jahren bei Siemens. Das weiß niemand, wahrscheinlich noch nicht einmal Siemens selbst.

Dem allen steht eine 3-jährige Nicht-Kündigungsgarantie von TietoEnator gegenüber, einschließlich der Zusage in München bleiben zu können. Psychischer Druck ist nicht zu erwarten, da TietoEnator seine Verbindlichkeiten den Kunden gegenüber erfüllen muss und Eure Arbeitskraft braucht, um dies zu erreichen. Natürlich sind es wirtschaftliche Interessen, die TietoEnator zu dieser Nicht-Kündigungsgarantie bewegt haben, aber zeigt sie nicht auch, dass Euer Wissen gebraucht wird? Warum sonst sollte ein Arbeitgeber in diesen Zeiten eine solche Garantie abgeben?

Diese Gedanken, einfach so herunter geschrieben für Euch, sollen Euch ein paar Anregungen geben, um den Kreislauf der Gedanken durchbrechen zu können. Die Entscheidung selbst will und kann Euch niemand abnehmen. Unser Wunsch ist es nur, dass ihr alle Fakten gegeneinander abwägt, die Risiken einschätzt, nicht tragbare Folgen wie z.B. Hartz IV, ausschließt, Eure Gesundheit und psychische Kraft richtig einschätzt, an die Belastung in Ehe und Familie denkt, bedenkt, dass auch Ehepartner und Kinder von einem Gerichtsprozess, Trennung, Mobbing belastet werden.

Man kann kämpfen gegen Siemens, man soll es auch tun, wenn es darum geht seine Rechte zu verteidigen. Man kann auch gewinnen, aber man kann auch verlieren. Eine Garantie gibt es hier nicht. Egal wie Ihr Euch entscheidet. NCI unterstützt Euch weiter, ob bei Siemens oder bei TietoEnator.
(iw)

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht (franz Kafka)

Liebe NCI-ler,

Stellenabbau, Betriebsschließung. Es ist zum Alltag geworden. Der Presse ist es kaum eine Meldung wert. Es passiert überall. Es ist nichts Besonderes mehr.

Und doch - wenn man mit dem einzelnen Menschen spricht, merkt man, dass es etwas Besonderes ist. Hinter der Fassade der Sachlichkeit, der nüchternen Information, treten plötzlich Gefühle hervor, Betroffenheit, Wut, Ohnmacht, Sprachlosigkeit, Angst vor Arbeitslosigkeit, Sorge darüber, die richtige Entscheidung zu treffen und bei manchem Kollegen Verzweiflung, Kraftlosigkeit, weil der Stress seit 2002 bei Com nicht mehr aufhört. "Das Schlimmste Gefühl ist die Hilflosigkeit", schrieb ein Kollege. Hilflosigkeit lähmt.

Doch hilflos müssen wir nicht sein. Damals als 2002/2003 die Kündigungen in München anstanden, haben wir uns gesagt: Wir lassen nicht über uns bestimmen. Wir lassen uns nicht wie die Schafe in einen von der Firma errichteten Pferch drängen. Wir fragen nach unseren Rechten und Möglichkeiten zu handeln. Wir entscheiden selbst, suchen trotz aller Schwierigkeiten und Befürchtungen, die im Raum stehen, unseren Weg und gehen diesen dann Schritt für Schritt - die meisten haben sich entschieden, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Der erste Schritt, der Hilflosigkeit zu begegnen, ist dieser Wandel im Denken. An die Stelle der Hilflosigkeit tritt dann Mut, Mut zum Handeln, Mut zur eigenen Verantwortung, Mut zur Entscheidung, Mut zu dieser Entscheidung zu stehen, auch wenn der Weg manchmal steinig oder kaum sichtbar ist.

Uns allen war klar und ist es bis heute: Unabhängig davon, ob wir letztlich unseren Arbeitsplatz erhalten können oder nicht (kämpfen sollten wir dafür), erhalten wir durch die Bereitschaft, aktiv zu handeln, auf jeden Fall unser Selbstbewusstsein, unsere Fähigkeit das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Dieses Bewusstsein alles zu tun, was man tun kann, nicht aufzugeben, sondern gemeinsam, für jeden die richtige Lösung zu finden, ist ein unbezahlbares Kapital für die Zukunft, ein Kapital, das einem niemand nehmen kann, egal wie diese Zukunft aussehen wird.

Was kann nun jeder Einzelne tun?
  1. Jeder weiß etwas, was wir nicht wissen
    Teilt uns mit, was in Euren Abteilungen passiert, was Eure Vorgesetzten sagen, welche Gerüchte plötzlich auftauchen, wie die Stimmung ist. Berichte aus Euren Abteilungen sind hilfreich. Verfasst sie einzeln oder zusammen. Das, was für Euch unwichtig erscheint, ist für uns vielleicht ein wichtiges Puzzleteil.
  2. Achtet aufeinander - dort wo Menschlichkeit in Sachlichkeit erstickt werden soll, ist es an den Menschen, dies nicht zuzulassen.
    Teilt uns mit, wenn Ihr oder Kollegen von Euch unter Druck gesetzt werden. Lasst niemanden mit diesem Druck allein. Wir verfügen inzwischen über viel Erfahrung, wie man sich gegen den Druck wehren kann.
  3. Solidarisierung - kein leeres Wort
    Informiert Euch. Diskutiert miteinander. Reflektiert. Sprecht die Handlungsoptionen durch. Bildet Interessengruppen. Wenn Ihr Fragen habt, schreibt uns.
Was Ihr nicht tun solltet:
  1. Hoffen, dass jemand anders das tut, was Ihr tun könnt. Dann wird es nicht getan.
  2. Glauben, dass wir die Information schon haben. Uns macht es nichts aus, Informationen mehrfach zu bekommen.
  3. Uns nicht belästigen zu wollen. Wir machen diese Arbeit gerne für Euch. Uns macht es nichts aus mit Information und Fragen, die unsere Homepage nicht beantwortet, "belästigt" zu werden.
  4. Passiv abzuwarten, bis ein Wunder geschieht, das Euch rettet. Die Wahrscheinlichkeit, dass es ohne Euer Zutun geschieht ist relativ gering.
  5. Blind vertrauen, egal wem. Reflektiert das, was Ihr erfahrt. Unterschreibt nichts, ohne es vorher genau durchdacht und mit Menschen Eures Vertrauens diskutiert zu haben.
  6. Die Verantwortung für Euch selbst, anderen zu überlassen.
Ihr, liebe NCI-ler, wisst, dass wir Euch nach bestem Wissen und Gewissen informieren, Eure Fragen beantworten, Euch betriebsratsmäßig betreuen. An den E-Mails und den ständig wachsenden Zugriffszahlen auf unsere Homepage, sehen wir, dass Ihr uns Vertrauen entgegen bringt. Wir brauchen Euer Wissen, Eure Aufmerksamkeit. Wir brauchen dies, um Euch weiter gut informieren zu können.

Wir wollen Euch motivieren, das aufgedrückte "Projekt Stellenabbau", aktiv anzugehen, um bewusste und damit für Euch persönlich richtige Entscheidungen treffen zu können.

Der Zeitraum ist lang. Es wird Hochs und Tiefs geben. Aber Solidarität ist, dass der, der gerade mit der Situation ganz gut zurecht kommt, dem der im Tief ist, die Hand reicht, ihm zuhört, ihn hochzieht. Und der, der im Tief ist, sollte den Mut haben, die Hand zu ergreifen, damit er mit der Situation zurecht kommen kann, um dann wieder anderen die Hand reichen zu können.

Das, liebe Kolleginnen und Kollegen ist NCI. Jeder kann diese Solidarität in seiner unmittelbaren Umgebung leben. Jeder kann seinen Kollegen ansprechen. Und wenn dies tatsächlich jeder, der diese E-Mail erhält tut, dann haben wir ganz plötzlich und von ganz allein eine flächendeckende Solidarisierung und eine Stärke, die allen hilft.

Probiert es. Es ist einfach.

Viele Grüße von Eurem NCI-Team

03.05.2006

August 05

Die Revolution frisst ihre Kinder

Großkonzerne wie Siemens sind seit Jahren bestrebt, den reinen Kapitalismus durchzusetzen, der den Menschen nur noch als Wirtschaftsfaktor betrachtet und Gewinnmaximierung zum absoluten Ziel erklärt. Die Großkonzerne verstehen sich schon lange nicht mehr als Teil eines sozialökonomischen Systems, dessen Existenz und Überleben von einer stabilen Gesellschaft abhängt, in der die Menschen ihr Auskommen haben, schließlich macht es die Globalisierung möglich, von einem Land zum anderen zu ziehen. Menschen oder gar menschliche Werte, die nicht in bare Münze oder Aktienkurse umgesetzt werden können, sind Ausschuss und werden abgestoßen, dem Staat überlassen, der sich um diese kümmern kann oder auch nicht. Man überlässt es den ehrenamtliche Helfer, sozialen Einrichtungen und Kirchen sich der Menschen anzunehmen, die durch diese Wirtschaftpolitik auf der Strecke bleiben.

Doch jetzt wächst den Revolutionären der Globalisierung die eigene Revolution über den Kopf. Hedge Fond Investmentgesellschaften treten weltweit mehr und mehr in Erscheinung und verwirklichen das, wovon die Väter der Globalisierung nur träumen: rasche Gewinnsteigerung, Kaufen und Verkaufen von Aktienpaketen, ohne Rücksicht auf die Gesundung eines Unternehmens. Ist es ausgeblutet, zieht man weiter; es interessiert nicht mehr, wenn ein Unternehmen zerschlagen zurückbleibt. Leidtragende sind zunächst die Arbeitnehmer, deren Existenz von Unternehmen abhängt. Leidtragend ist die Gesellschaft, die den ökonomischen Flurschaden, der durch diese Geschäftspraktiken angerichtet wird, auffangen darf und immer weniger in der Lage ist, diesen gesellschaftlichen Kahlschlag auszugleichen.

Doch auch die Menschen, die ihren Arbeitsplatz noch nicht verloren haben, leiden unter dem zunehmenden Druck, unter dem die Konzernführungen stehen. Arbeitsüberlastung, unsichere Zukunft, fehlende Zeit qualitativ hochwertige Produkte überhaupt entwickeln zu können, sprunghafte Innovationen, die immer seltener zu Ende geführt werden, weil auf den Aktienkurs zu reagieren ist, bestimmen den Arbeitsalltag. Die Menschen spüren immer mehr, dass sie zu Arbeitsklaven degradiert werden.

Das Ganze erinnert an die Piraterie im 16. Jahrhundert. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts kamen Freibeuter wie Sir Francis Drake und Sir John Hawkins zum Vorschein, um die spanische Vorherrschaft über die Neue Welt und ihre Reichtümer zu brechen. Der Erfolg ihrer Kaperfahrten ermutigten andere, die unbedingt reich werden wollten, nicht als Piraten, sondern als "staatlich anerkannte Freibeuter" spanische Schiffe anzugreifen und zu erobern. Der Hauptunterschied zwischen einem Piraten und einem Freibeuter bestand darin, dass Freibeuter von einer Kommission, einer Regierung oder durch Kaperbriefe authorisiert waren, Handelsschiffe feindlicher Nationen anzugreifen und auszuplündern. Die klassische Ära der Piraterie setzte sich im 18. Jahrhundert fort, als viele der berüchtigtsten Piraten die Weltmeere unsicher machten. Viele Piraten und Freibeuter verschafften sich einen guten Ruf in der amerikanischen Revolution (1775 - 83), da hunderte der kleinen amerikanischen Marine halfen, indem sie die Schiffe der englischen Herrscher angriffen und versenkten. Am Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Marinestreitkräfte der Staaten nicht mehr auf die Hilfe von Freibeutern angewiesen. Die Einführung von Dampfschiffen, die nicht mehr vom Wind abhängig waren verschafften den Piratenjägern einen entscheidenden Vorteil. 1850 gab es nur noch sehr wenige kleine Piratenmannschaften. 1856 wurde in Paris von den meisten großen Seemächten ein Vertrag geschlossen, der das Ausstellen von Kaperbriefen untersagte. An den Hauptschifffahrtsrouten ist die Piraterie heute so gut wie ausgestorben, aber in Teilen Südostasiens und Teilen der Karibik floriert immer noch das Geschäft.

Heute wie damals vermischt sich staatlich anerkannte und illegale Ausbeutung. Wirtschaftliches Gewinnstreben, die Erhaltung der Macht oder das Zurückdrängen von einflussreichen Kräften vermischten sich damals genauso wie heute. Damals nannte man sie Piraten oder Freibeuter, heute nennt man sie Aktionäre oder Hedge Fond Investmentgesellschaften. Das Prinzip ist das Gleiche: Geld, Macht, Einfluss. Die Geschichte wiederholt sich, nur die Inzenierungen wandeln sich.

Es wird wohl einer erneuten Renaissance bedürfen, um den Kapitalismus wieder in den Humanismus überzuführen. Erst im 19. Jahrhundert wurde das mittelalterliche Welt- und Menschenbild überwunden. An die Stelle des Autoritätsglaubens tritt der Geist kritischer Forschung; der Mensch wird zum Maß aller Dinge. Der Kampf um Humanität, um menschenwürdiges Leben, wird wohl nie zu Ende gehen. Humanismus hängt von der Anzahl der Menschen ab, die ihn leben, er hängt auch von dem Mut der Menschen ab, die bereit sind, laut diese Werte zu verteidigen. Fast 60 Jahre war das für die meisten humanistisches Gedankengut selbstverständlich und es ist schwer zu begreifen, dass es das heute nicht mehr ist - im Zeitalter der Hedge Fond Gesellschaften.

Juni 05

Diskussion - Information - Solidarität

Wir freuen uns zusammen mit unseren Kollegen von Netzwerk IT, dass immer mehr Menschen bereit sind, ihr Schicksal nicht einfach hinzunehmen, sondern etwas tun wollen, damit ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen lebenswert bleiben.

Früher war für die heute arbeitende Generation alles selbstverständlich. Die Gewerkschaften handelten die Gehaltserhöhungen in den Tarifverhandlungen aus. Man war Zuschauer am Fernsehabpparat und Nutznießer. Ab und zu gab es einen Tag Urlaub mehr - erfreulich. Die Arbeit wurde immer mehr von Kontrollzwängen befreit, selbständiger, sie machte richtig Spaß.

Plötzlich aber hatte sich die Welt verändert. Für manche - damals 2002 - sehr plötzlich. Andere wurden ausgegliedert, verkauft, abgewickelt. Andere blieben verschont und blendeten die Welt, die sie nicht sehen wollten aus - teilweise bis heute. Früher konnte man es sich leisten, den Kopf in den Sand zu stecken. Man versäumte höchstens eine Beförderung oder einen kleinen geldwerten Vorteil. Heute kann man es sich nicht mehr leisten, von den Gesetzmäßigkeiten, die die eigene Arbeitswelt bestimmen, nichts zu wissen. Wissen in diesem Bereich ist plötzlich wertvoll geworden. Wissen ist eine wichtige Basis, aber es alleine genügt nicht. Man muss darüber reden, diskutieren, es anwenden. Und dabei erfährt man, dass manches Wissen nur umsetzbar ist, wenn man sich mit anderen zusammenschließt.

Sich zusammen zu schließen ist nichts Neues. Es ist nur ein wenig verloren gegangen. Seit die Menschheit besteht, haben Menschen sich zusammengeschlossen, um ihr eigenes Überleben zu sichern. Dabei kann man auch erfahren, dass es Spass machen kann, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die meisten NCI-ler sagen: Ich möchte diese Zeit nicht missen, so schlimm sie auch war. Was sie meinen ist die Erfahrung in der Gemeinschaft, das Erleben zu helfen und Hilfe zu bekommen, aber auch die Erfahrung, dass man vieles bewegen kann, wenn man das, was man tun kann, auch tatsächlich tut.

Darum freut es uns sehr, dass die Sinitec und SBS Kolleginnen und Kollegen trotz viel Arbeit und wenig Zeit, die Initiative ergriffen haben, um das was die Menschheit überleben lies, in ihrem Umfeld zu realisieren: Zusammenarbeit und Solidarität. Wir sind sicher, dies hilft auch heute, um zu überleben.








Um klar zu sehen,
genügt of schon ein Wechsel der Blickrichtung.





Juni 05

Jakob und Esau - was hat ihr Linsengericht mit uns zu tun?

Ein paar Worte einer SBS Kollegin aus Nürnberg

Die NCI-Briefe enthalten oft einfache Parabeln. Sie haben mir immer so gut gefallen. Denn, wie Inken sagt, das Emotionale ist ungeheuer wichtig. die Geschichte hier habe ich mir nicht ausgedacht. Sie steht eigentlich in der Bibel. Diese Tage ist sie mir wieder eingefallen, weil jemand sagte, die KollegInnen verkaufen ihren Arbeitsplatz "um ein Linsengericht". Was heisst das eigentlich?

*** Esau war ein Jäger und kam müde und furchtbar hungrig nach Hause. Da saß sein Bruder Jakob und aß genüßlich einen Teller voller Linsen, den er sich selbst gekocht hatte. Esau wollte auch davon haben, hungrig wie er war, doch Jakob gab nichts ab, sondern sagte: "Verkaufe mir zuvor dein Erstgeburtsrecht!" Und Esau erwiderte: "Was nützt mir das Erstgebutsrecht, wenn ich verhungere?" So bekam Esau das Linsengericht und Jakob das Erstgeburtsrecht.

Wäre Esau verhungert, wenn er sich nicht auf diesen unverschämten Handel eingelassen hätte? Keineswegs, so schnell verhungert kein Mensch. Er hätte sich nur selbst Linsen kochen müssen, das hätte 2-3 Stunden gedauert (damals ohne Dampfkochtopf). Solange wollte er nicht Kohldampf schieben. Er konnte den unerträglichen Zustand in seiner Magengrube nicht länger aushalten.

Wäre Jakob sonst an das wichtige Erstgeburtsrecht gekommen? Kaum, denn die rechtliche Position seines erstgeborenen Bruders in war unangreifbar. Esau musste schon selbst auf das Recht und die damit verbundenen (Erb-)Privilegien verzichten. Er tat es - um ein Linsengericht! Weil er das schlimme Gefühl im Bauch nicht mal für wenighe Stunden aushalten konnte. Das bittere Erwachen kam dann für ihn, als der Erbfall eintrat...

*** Heute sind die Menschen natürlich viel schlauer und vor allem psychologisch geschult und niemand verzichtet freiwillig auf unangreifbare Rechtspositionen, bloss weil es vorübergehend flau wird im Magen, oder?


Juni 05

01.06.05 bei Com FN
Betriebsbedingte Kündigungen konnten vermieden werden -
hoffentlich für alle auch Arbeitslosigkeit

Bei der Nachricht "Betriebsbedingte Kündigungen konnten vermieden werden" darf und soll man sich freuen. "Eine Welle der Erleichterung" ging durch die Abteilungen, schrieb eine Kollegin an NCI. Aus allen Ecken sei diese Meldung gekommen. Erleichterung bei denen, die den vielleicht bangen Mut gefunden hatten "Nein" zu sagen.

Die Betriebsleitung bedankte sich bei denen, die in die beE gegangen sind mit den Worten: "Dies wäre ohne diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht möglich gewesen, die ihre in vielen Fällen sicherlich nicht leichte Entscheidung für eine Trennung oder berufliche Veränderung getroffen haben. Ihnen gilt unser Respekt und Dank." Ungewöhnliche Worte, wenn man sich an die immer noch währenden gerichtlichen Auseinandersetzungen erinnert und den harten Kampf, der zwei Jahre lang geführt werden musste, um den Arbeitsplatz von Gekündigten, ausgesonderten Schwerbehinderten und Jubilaren zu erhalten.

Respekt und Dank kann Siemens den Mitarbeitern, die in die beE gegangen sind, nun entgegenbringen, in dem sie ihr Versprechen einlöst und ernsthafte Anstrengungen unternimmt, die Mitarbeiter in der beE tatsächlich auf einen neuen Arbeitsplatz zu vermitteln. Wir erwarten - und die Kolleginnen und Kollegen in der beE erst recht -, dass Siemens ihre Beziehungen, die sie zu den Personalabteilungen anderer Siemens Betriebe und anderer Firmen hat, aktiv für die Mitarbeiter nutzt. Von diesem Dank würden die Mitarbeiter profitieren. Wir wünschen ihnen, dass Siemens das tut.

Trotz aller Freude darf man nicht vergessen, dass dieses beE-Angebot und der Beschluss keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, nicht von alleine gekommen ist. Ohne die kontinuierliche Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen der ersten beiden Abbauwellen, ohne ihre Solidarität, ihren Einsatz und Mut zu kämpfen, hätten wir heute Massenentlassungen, die soziale Kriterien genauso wie damals nicht berücksichtigen würden. Der Misserfolg der Siemens AG vor Gericht, die Urteile, dass die damals gekündigten Mitarbeiter wieder zu reintegrieren sind, hat die Siemens AG vorsichtiger werden lassen, zwingt sie das Kündigungsschutzgesetz zu beachten und lässt sie Abstand nehmen vor ungerechtfertigten Kündigungen. Selbstverständlich ist das nicht.

Es ist der Erfolg von Solidarität, Kollegialität und Zusammenhalt. Es ist auch der Erfolg einer gemeinsamen Arbeit zwischen Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft. Zu dieser Zusammenarbeit sollten wir - bei aller unterschiedlicher Vorgehensweise - wieder zurückfinden können. NCI ist dazu bereit, wenn dies in Achtung und Respekt voreinander geschieht. Auf die Dauer können wir es uns nämlich nicht leisten, zu diskutieren wer der bessere ist. NCI fühlt sich nicht als die bessere Gewerkschaft. NCI fühlt sich als das, was es ist - ein Mitarbeiternetz, das die Schlagkraft eines Betriebsrates und einer Gewerkschaft ergänzt. Nie haben wir etwas anderes gesagt und uns nie als etwas anderes gefühlt.

Einen einzelnen Stock kann jeder zerbrechen, wenn er ihn über das Knie schlägt.
Aber mit einem Bündel von Stöcken gelingt dies nicht mehr.





Mai 05
NCI:Vom Mut zur eigenen Verantwortung

Wolfgang Müller definiert gerne das Ende von Dingen. Damals im Februar 2004 definierte er das Ende des Kampfes um die Arbeitsplätze, obwohl die Kündigungsschutzklagen noch liefen, obwohl weder die Gekündigten, die einen LAG-Prozess gewonnen hatten noch die Schwerbehinderten, Jubilare und Älteren wieder einen festen Arbeitsplatz hatten. Heute definiert er das Ende von NCI und bezeichnet es als trauriges Ende.

Heute wie damals machen die NCI-ler das Ende nicht mit. Traurig ist höchstens das Ende der Zusammenarbeit mit der IG Metall München. Traurig deshalb, weil sie zwei Jahre unter dem BR-Vorsitz von Heribert Fieber bestens und erfolgreich funktioniert hat.

Aber Traurigkeit hilft uns nicht weiter. Es ist wie in einer Ehe, manchmal ist es besser zu gehen, um irgendwann einmal wieder freundschaftlich miteinander umgehen zu können. Wir sind gegangen - eigentlich nur vom IGM Server - einmal, weil wir fürchteten, von diesem vertrieben zu werden, aber auch um den Konflikt mit der IG Metall zu lösen, indem wir uns gelöst haben.

Wolfgang Müller schreibt ausführlich und in lobenden Worten, was die Kolleginnen und Kollegen im NCI alles geleistet haben. Es ist anerkennenswert, dass er das tut. Das lässt mich auch hoffen, dass es irgendwann einmal wieder möglich sein wird, wieder enger zusammenzuarbeiten. NCI hat kein Interesse an diesem Konflikt. Es hat keinen Vorteil davon, außer vielleicht den, dass es nun mehr noch als bisher eigene Verantwortung übernehmen muss. Mut zur eigenen Verantwortung, das hat NCI und wenn ich das sagen darf, es macht mich ein bisschen stolz, weil ich NCI mit geprägt habe. Ich bin stolz darauf, dass die Kolleginnen und Kollegen im NCI, nicht den Mut verlieren, wenn die große IG Metall sich zurückzieht, sondern bereit sind, aus ihrem Schatten zu treten, um eigenverantwortlich, das Erbe der offenen Information und des solidarischen Handelns weiterzuleben.

NCI hat schon viele Stürme überstanden, und es wird auch diesen überstehen. Wahre Solidarität hängt nicht an einem Server, auch nicht an einem Tag. Solidarität lebt durch tägliches Tun. Das haben wir nie beendet. Dieses Tun wirbt für sich selbst. Jeder kann kommen, es sich ansehen, kann bleiben oder gehen, kann mitarbeiten oder nicht, je nachdem welchen Wert dieses Tun für ihn persönlich hat.

Sicherlich kann man eine Zeitlang mit propagandistischen Worten, wie "einfach gestrickte Gemüter" u.ä. kurzfristig einen Schatten auf NCI werfen, aber wer sich einfach mal ansieht, was NCI, genaugenommen die Menschen dort, für die anderen Kollegen tun, wird erkennen, dass der Schatten, der geworfen wird, dem Schatten einer Wolke gleicht, die vorüberzieht.

Trotzdem möchte ich, weil ich das in meiner Verantwortung sehe, ein paar Richtigstellungen vornehmen, die im Bericht von Wolfgang Müller falsch geraten sind. Eine presserechtliche Gegendarstellung zu verlangen, scheint mir unter ehemaligen Freunden doch etwas übertrieben - obwohl das möglich wäre.

Zunächst geht es um die Frage, ob wir den Konflikt in der Hofmannstraße als DAS Modell für erfolgreiche Arbeitnehmervertretung sehen. Den Konflikt sicherlich nicht. Doch wesentlich Elemente, die zur Lösung dieses Konfliktes (aus 2002/2003) geführt haben, sehen wir als erfolgreich an. Dazu gehört die offene Informationspolitik, die Aufklärung über Rechte, die menschliche Zuwendung, die der Mensch unter Belastungen braucht. Wir sehen es als eine wichtige Komponente des Erfolges an, über Gefühle zu sprechen, Ängste ernst zu nehmen und nicht hinter einer falsche Souveränität zu verstecken. Vielleicht ist das eine Eigenschaft von "einfach gestrickten Gemütern", aber einfaches muss nicht schlecht sein. Unsere These ist, die durch die eigene Erfahrung verifiziert wurde, dass der Mensch zunächst in seinen Gefühlen aufgefangen werden muss, dass er dann so viel Information wie möglich braucht und dass er all das besser bewältigen kann, wenn er dies gemeinsam tut. So gesehen, gebe ich Wolfgang Müller recht, wenn er sagt, das wir diese Erfahrung aus der Auseinandersetzung 2002/2003 als erfolgreiches Modell ansehen.

Der nächste Punkt geht um "Konflikt als Selbstzweck". Hier gilt es zunächst zu fragen, wer provoziert den Konflikt? NCI? Will NCI Arbeitplätze abbauen? Bei aller unterschiedlichen Meinung, aber dies kann man NCI nicht ernsthaft vorwerfen. Siemens will Arbeitsplätze abbauen, und das sollten wir nicht aus den Augen verlieren. NCI provoziert keinen Konflikt. Wir wollen niemanden entlassen. Aber wir reagieren auf den Konflikt, den Siemens erzeugt. So gesehen stimme ich mit Wolfgang Müller überein: "Konflikt als Selbstzweck hilft den Beschäftigten nicht", aber diese Botschaft sollte er besser an Siemens als an uns richten. Wir hindern den BR mit Sicherheit nicht am konstruktiven Dialog mit Siemens, aber wir erlauben uns schon ab und zu mal hinschauen und uns mit konstruktiver Kritik einzumischen. Einmischen gehört zur Verantwortung. Und Verantwortung für uns selbst wollen wir übernehmen.

Im nächsten Punkt setzt sich Wolfgang Müller mit den basisdemokratischen Strukturen des NCI auseinander. Er behauptet, wir hätten keine. Weiter führt er aus, dass niemand Verantwortung für sein Tun übernimmt. Ich habe stets Verantwortung für mein Tun übernommen, andere auch. Die IG Metall hatte in mir immer einen Ansprechpartner, an den sie sich wenden konnte. Warum aber veröffentlichen wir nicht auf unserer Homepage Ansprechpartner? Ganz einfach, weil diese dann u.U. mit einer fristlosen Kündigung rechnen müssen. Ich weiß wovon ich spreche. Begreiflicherweise gefällt es Siemens nicht, wenn aufgeklärt wird, denn Mitarbeiter, die ihre Rechte nicht kennen, sind leichter zu Entscheidungen zu bringen, die im Interesse von Siemens liegen. Unser Anspruch dagegen ist, das Mitarbeiter mit Hilfe von Information und Unterstützung, die für sie persönlich beste Entscheidung finden. Die IG Metall München sollte das eigentlich verstehen, haben sie mich früher doch davor gewarnt, zu sehr namentlich an die Öffentlichkeit zu gehen. Siemens ist heute nicht anders als damals.
Nun, ich bin erstaunt, woher Wolfgang Müller sein internes Wissen über NCI nimmt. Er war - außer ganz am Anfang - auf keiner NCI Veranstaltung, er hat ganz wenig mit uns geredet, sich nie sonderlich für NCI interessiert. Er weiß überhaupt nichts über unsere Strukturen, weil wir diese - wie er ja selbst sagt - verbergen. Unsere Strukturen sind kein Geheimnis. Jeder kann mitmachen. Er muss es einfach tun. Natürlich wollen wir ihn persönlich näher kennen, wenn er bei unseren Entscheidungsprozessen mitwirken will. Aber ich denke, das ist natürlich und nicht undemokratisch. Wir haben ein Koordinationsteam. Wir stimmen Aktionen, wie z.B. Flugblätter, in einem großen Kreis ab, ganz demokratisch, "wer ist dafür", "wer ist dagegen", "wer enthält sich."

NCI, so Wolfgang Müller, mutiert zum selbsternannten Verfechter von Arbeitnehmerrechten in vielen Konflikten (Bayer, MAN, etc). Das schadet häufig, so fährt Wolfgang fort, weil es die Arbeitnehmerseite spaltet. Außerdem geht der Siemens Fokus verloren. Wenn man das Wort "selbsternannt" einmal streicht, weil es nichts anderes ist als Polemik, stelle ich mir die Frage, was daran verwerflich ist, wenn man Arbeitnehmerrechte verteidigt. Das - so zumindest mein Verständnis - ist der gewerkschaftliche Grundgedanke und der Wunsch jeder Gewerkschaft. Warum der Zusammenschluss mit Kollegen aus anderen Betrieben, die Arbeitnehmerschaft spalten soll, ist mir ein Rätsel. Und bezüglich des Siemens Fokus genügt ein Blick auf unsere Homepage.

Nun kehrt Wolfgang Müller zurück zum Aufruf zum konsequenten Kampf. Er beschwert sich über Gewerkschaftsschelte. Vielleicht wird unser Arbeitsrechts ABC auf unserer Homepage als Aufruf zum konsequenten Kampf verstanden. Ja, wir sind dafür, seine Rechte zu kennen und sie zu verteidigen, wenn sie durch den Arbeitgeber verletzt werden. Diese Verteidigung kann bei einem konstruktiven Dialog beginnen, den Siemens durchaus mit uns führen könnte bis hin zu arbeitsgerichtlichen Verfahren. Aber das hat nichts mit Kampf um des Kampfes willen zu tun, wie hier suggeriert wird. Gewerkschaftsschelte findet sich auf unserer Homepage nicht. Kritik werden wir aber äußern, aber mit dem Anspruch der begründeten Kritik. Auf Kritik reagiert jeder unterschiedlich. Die einen nehmen sie an, denken darüber nach, reflektieren, ändern ihr Verhalten oder auch nicht, je nach Ergebnis der Reflektion. Je nach Auffassung ist es dann konstruktive Kritik oder Gewerkschaftsschelte. Und nebenbei bemerkt, wir machen die IG Metall doch auch nicht verantwortlich für Forumsbeiträge in ihrem Dialog. Das ist zu einfach.

NCI versucht, so Wolfgang Müller, den BR von außen zu dominieren. Weiter führt er aus, dass wir nur einen Sitz in der BR Wahl 2004 errungen haben. Letzteres ist nun überhaupt kein Argument. Wir waren eine Newcomer Liste; die Belegschaft honorierte damals zu Recht, die Leistung des BR Mch H unter der Leitung von Heribert Fieber. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Zum BR: Einen BR kann man nicht von außen dominieren. Ein BR kann machen was er will. Wir haben ihn auch nicht mit unserem 1 Sitz von innen dominiert. Wir haben nur einen Antrag eingereicht, der nicht behandelt wurde. Wenn ein BR die Meinung von KollegenInnen als Dominanz empfindet, sollte er kurz nachdenken, wozu ein BR dient, nämlich dazu, die Belegschaft dem Arbeitgeber gegenüber zu vertreten und dazu ist es hilfreich, wenn er die Meinung der Belegschaft kennt. Es äußern sich mit Sicherheit auch Kollegen, die nicht im NCI sind, und außerdem sind NCI-ler nichts anders als ganz normale Mitarbeiter.

Bisher habe ich das ganze Statement von Wolfgang Müller noch mit einer gewissen Portion Humor gesehen, aber, wenn er behauptet, dass wir eine Fundamentalopposition mit undurchsichtigen Strukturen sind, da fällt mir nur noch §187 StGB ein: "Verleumdung" "Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, ..."

Doch mit einem solchem § sollte man nicht enden. Ich fände es schön, wenn Wolfgang Müller wenigsten diesen Punkt zurücknehmen würde, denn er weiß genau, dass er nicht stimmt. Ansonsten könnte es sein, dass ich ihm das "Sie" anbiete. Ein Gewerkschafter weiß, was ich damit ausdrücken will.

Und trotzdem - und für dieses trotzdem bin ich bekannt - gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass wir eines fernen Tages wieder zueinander finden werden, denn schließlich stehen wir alle vor Herausforderungen, die unsere Lebensbedingungen in Deutschland und Europa prägen. Es hängt auch von uns ab, wie diese eines Tages aussehen werden. Es liegt auch in unserer Hand, ob unsere Kinder zu Wanderarbeitern in Deutschland oder gar zu Gastarbeitern in China werden, die dann dort die Löhne drücken. Nur, wenn wir erkennen, dass gerade in unserer Verschiedenheit unsere Stärke liegt, dann haben wir eine Chance, menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu erhalten und mitzuhelfen, dass sie in anderen Ländern entstehen können. Und der Weg zu diesem Ziel beginnt in Mch H, beginnt dort, wo wir sind. Wir sollten es gemeinsam tun, in gegenseitiger Achtung voreinander, in der Akzeptanz der Verschiedenheit. Einmal haben wir das schon geschafft: 2002/2003. Und der Erfolg gibt recht. Warum sollte es nicht wieder gelingen - eines Tages.

Es gehört nur ein bisschen Mut zur eigenen Verantwortung dazu.


Inken Wanzek, NCI und IG Metall Mitglied


April 05
Fragen eines engagierten Dichters

Wie lange werdet ihr brauchen
um über das
was ich sage
nicht empört zu sein?

Und werde ich dann noch da sein
um es zu sagen?
Und wird es dann noch helfen
wenn man es sagt?

Wird es dann nicht zu unverständlich sein
oder zu selbstverständlich?
Und werde ich dann nicht krächzen:
"Ich hab es schon immer gesagt"?






von Erich Fried zum Thema "Reden"
  Guter Vorsatz

Ich habe es satt
ich habe zuviel geschrieben
Ich will nur noch schreiben
was man nicht schreiben darf

Aber es ist nicht genug
wenn mir die Herrschenden sagen
man darf das nicht schreiben
denn die sagen zu oft man darf nicht

Nein ich muss auch
meine Genossen fragen
diese und jene
die miteinander gar nicht mehr sprechen

Erst wenn auch die mir sagen
man darf das nicht schreiben
kann ich beginnen zu wissen
dass ich es schreiben muss


Februar 05
Zu wissen, wie man etwas macht, ist nicht schwer.
Schwer ist nur, es zu machen.

Aus China

27. Januar 05

Gedenken an die Befeiung der Menschen in Auschwitz

Vor 60 Jahren wurde am 27. Januar das KZ Auschwitz befreit. Befreit wurden die Menschen, die überlebt haben. Viele haben nicht überlebt. Eindrucksvoll wurde in Deutschland diesem Jahrestag gedacht. Manche Menschen, die befreit wurden, sind an diesem Tage nach Auschwitz an die Stätte ihres persönlichen Grauens zurück gekehrt. Danach gefragt, warum sie sich das antun, sagten sie: "Um zu sehen, was ich nicht sehen will, zu hören, was ich nicht hören will, um zu fühlen, was ich nicht fühlen will."

Und wenn die Menschen, die damals in Auschwitz und anderen Lagern inhaftiert waren, nicht selbst den Wunsch äußern würden, dieses Geschehen auf unsere Zeit zu beziehen, würde man es nicht wagen angesichts des Schreckens, der dort herrschte. Ungeschehen kann diese schreckliche Vergangenheit niemand mehr machen. "Es ist wichtig, eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegen wirken," sagte Roman Herzog.

Diese Form des Erinnerns erschöpft sich nicht in Gedenkfeiern, sondern fordert von uns Verantwortung für unser Tun zu übernehmen. Auschwitz begann mit Orientierungslosigkeit, Massenarbeitslosigkeit, begann mit der Hoffnung vieler herausgeführt zu werden aus ihrer Armut. Auschwitz wurde möglich, weil die Menschen irgend wann begonnen haben, wegzusehen. Sie wollten nichts sehen, obwohl in ihrer unmittelbaren Umgebung, der Nachbar, der Lehrer plötzlich verschwunden war. Sie wollten nicht hören, wie Menschen um Hilfe riefen. Sie wollten nichts fühlen, weil sie es nicht ertragen hätten.

Auschwitz wurde möglich, weil die Menschen zu lange geschwiegen haben, zu lange gedacht haben, das wird schon recht sein. Es wird schon gut gehen. Es geht mich nichts an, da kann ich sowieso nichts machen, es betrifft mich nicht, darum sollen sich die anderen kümmern. Im Dritten Reich haben sich zu wenige gekümmert; diese waren in Auschwitz und anderen Lagern oder sie verloren ihr Leben. Am Ende hat es alle getroffen durch einen schrecklichen Krieg.

Solche Ereignisse kann man nicht mehr hindern, wenn sie deutlich sichtbar sind. Schreckliche Ereignisse kann man nur verhindern, wenn man ihren Anfängen wehrt. Sieht, was man nicht sehen will, hört, was man nicht hören will, fühlt, was man nicht fühlen will.

Unsere Geschichte zeigt in dem schrecklichen Geschehen in Auschwitz und anderen Lagern, wohin es führen kann, wenn zu viele zu lange schweigen und sich raushalten, zu lange gedacht wird: Das geht mich nichts an, das betrifft mich nicht, da kann ich eh nichts machen.

Das Gedenken an die Befreiung der Menschen von Auschwitz sollte uns auch daran erinnern, uns selbst von unserem Schweigen zu befreien und eine ganz persönliche Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen.

Januar 05

Kaum hat das Jahr 2005 begonnen, kommen die ersten Meldungen über einen erneuten Stellenabbau bei Siemens in München. Betroffen sollen sein, die Handy-Sparte und die Kommunikationssparte COM. Siemens dementiert, die Analysten sprechen davon, dass Stellenabbau unvermeidbar ist.

Die Mitarbeiter kommen nicht zur Ruhe. Wie sollten sie auch? Immer, wenn sie unbezahlte Überstunden gemacht haben, schneller geworden sind, damit die Zielvorgaben erreicht und ihr Arbeitsplatz wieder sicherer wird, ist die Meldung schon da und sagt: Ihr ward zu langsam. Schneller und besser müsst Ihr werden, damit Ihr konkurrenzfähig bleibt. Und so strengt sich die Belegschaft erneut an, getrieben von der Angst, ihren Arbeitsplatz zu gefährden. Das Ende? Erreichen der Rendite oder doch Arbeitsplatzverlust? Es erinnert an das Märchen: Der Hase und der Igel

Aufmerksam wird jede Umorganisation betrachtet, bei jedem Chefwechsel wird hinterfragt: weiß er mehr? Bringt er sich in Sicherheit? Viele quälen sich mit der Frage: Was soll ich tun? Wechseln oder bleiben? Wohin? Es ist vieles unklar. Klare und glaubwürdige Aussagen fehlen. Come Together Veranstaltungen mit der Botschaft: "Wir sind die besten, wir schaffen es. Wir werden immer schneller und besser." motivieren nicht mehr, heimlich wird sich gefragt, was kommt, wohin führt das alles. Laut wird selten gesprochen: zu groß die Angst, zu groß der Wille, die Situation zu verdrängen. Augen zu und durch. Es ist bestimmt nur ein Tal, durch das wir hindurch müssen. Und ist es denn gesagt, dass es mich trifft? Ist es gesagt, dass es mich nicht trifft?

Wie verhält man sich, wenn man das Gefühl hat, einem droht Gefahr? Würde man angesichts einer Gefahr, vor der man sich nicht verstecken und nicht weglaufen kann, die Augen zu machen, in der Hoffnung, sie geht wieder vorüber? Die meisten von uns würden aufmerksamer werden, ihre Sinne anspannen, mit dem Nachbarn reden, ob er etwas gehört oder gesehen hat.

Warum tun wir das ausgerechnet nicht, wenn es um unseren Arbeitsplatz, um unsere Existenz geht? Warum ziehen wir uns zurück, reden nicht über das, was uns bedrängt? Reden nicht, über das was wir hören und sehen? Warum schließen wir uns nicht zusammen und tauschen uns aus, um Informationen zu bekommen?

Der Igel in unserem Märchen war schlauer. Er hat sich mit seiner Igelfrau verbündet. Durch gemeinsames Handeln gewann er einen chancenlosen Kampf. NCI auch.

Vielleicht, liebe Kolleginnen und Kollegen, sollten wir wieder mehr Märchen lesen?

Januar 05

Ein paar Worte zum Jahr 2005

Der Jahreswechsel ist geprägt durch die Flutkatastrophe, ausgelöst durch die gewaltige Kraft eines Seebebens. Diese Katastrophe zeigt den Menschen in aller Welt wie schnell sich das Leben total verändern kann. Menschen vieler Nationen sind betroffen. Niemand kann angesichts dieser Katastrophe wegschauen. Das Fernsehen zwingt uns hinzusehen, das Radio hinzuhören. Das Leid wird begreifbar an gezeigten Schicksalen einzelner Menschen. Wir reden darüber mit Freunden und Bekannten und mancher wartet vielleicht bangend auf Nachricht. Die Katastrophe bringt aber auch Solidarität und bedingungslose Hilfsbereitschaft vieler Menschen hervor. Menschlichkeit ist in den Mittelpunkt des Handelns gerückt. Vieles wird getan, von dem wir nie etwas erfahren werden, weil das Fernsehen nicht dabei ist.

Darüber sollten wir aber auch nicht die Menschen vergessen, deren Leid still ist, Leid, das nicht von Fernsehbildern aufgegriffen wird. Manches Leid ist nicht kleiner, manches ist Leid, an das wir uns gewöhnt haben.

Gewohnheit ist etwas, das den Menschen schützt, ihn fähig macht, mit geänderten und schwierigen Situationen zurecht zu kommen. Gewohnheit bedeutet aber auch gleichgültiger zu werden gegen das, was immer wiederkehrt. So haben wir uns an Nachrichten über Stellenabbau, Betriebsschließungen und -verlagerungen gewöhnt. Wir können gar nicht so schnell darüber berichten, wie sie geschehen. Die Bilder der Kollegen von Opel haben sich vielen eingeprägt. Es sind Bilder von Menschen, die in der Kälte nächtelang standen, bereit für ihren Arbeitsplatz zu kämpfen, ihre Gefühle und Ängste nicht verbergend. Sie haben sich zusammengeschlossen, nicht aufgegeben. Sie stehen stellvertretend für viele, die 2004 um ihren Arbeitsplatz gekämpft haben.

Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte in seiner Neujahrsansprache, die Staaten, Städte, Gemeinden, Schulen sollten Patenschaften für Staaten, Städte, Gemeinden, Schulen im Katastrophengebiet übernehmen. Auch, wenn man vielleicht in vielem mit seiner Politik nicht einverstanden ist, ist dieser Gedanke es wert, ihn umzusetzen. Auch innerhalb Deutschlands, in einem Betrieb, in der Nachbarschaft sollten Menschen, die helfen können, Patenschaften übernehmen, indem sie hinsehen, zuhören, aufklären, auf die Gefühle des Nachbarn, des Kollegen achten.

Wir hatten das Glück, dass es Menschen für uns gab, die bereit waren und sind, eine solche Patenschaft zu übernehmen, die hinsahen, die zuhörten, aufklärten und unsere Gefühle wahrnahmen und sie nicht als störend abtaten. Wir werden wohl nie die Worte von Heribert Fieber vergessen, der immer wieder sagte: „Lasst Euch nicht isolieren!“, seine Bilder und Gleichnisse, die eine komplizierte Situation für uns verständlich machten, die offenen und klaren Worte, die menschliche Nähe, die wir untereinander verspürt haben und die wichtig war, um bis heute durchzuhalten. Eingeprägt hat sich der Staubsaugervertreter, der uns lehrte „nein“ zu sagen. Und in diesem „Nein“ liegt heute noch der Mut verborgen, für seine Rechte einzustehen, Dinge zu versuchen, die unmöglich erscheinen, nicht aufzugeben und die Worte „da kann man nichts machen“, in den Wind zu schlagen.

Wir haben erfahren, dass man viel machen und erreichen kann, wenn viele den Willen haben, dieses gemeinsam zu tun.

Wir wünschen Euch allen, dass das neue Jahr Gutes bringt, dass genügend Glück dabei ist, Gesundheit, Zufriedenheit, dass es der Familie und Freunden gut geht. Wir wünschen aber auch, dass wir alle gemeinsam das Wesen von NCI erhalten können, bereit sind, Patenschaften zu übernehmen, unsere Erfahrung weiterzugeben, in offenen und klaren Worten, mit menschlicher Nähe, die auffängt und zuhören kann, die rät, aber nicht aufdrängt und den anderen achtet in der Freiheit seiner Entscheidung. Wir wünschen für alle, dass es ein Jahr der Solidarität, des gemeinsamen Tuns und der Menschlichkeit werden kann. Es liegt an uns.

In diesem Sinne wünscht NCI allen ein frohes neues Jahr 2005!

Oktober 04

Wie arbeiten wir in der Zukunft?

Am 20.10.04 findet eine interessante Veranstaltung im Forum der Solidarität statt. Prof. Dr. Baumgartner spricht zum Thema: Wie arbeiten wir in Zunkunft. und beleuchtet dabei die gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Zusammenhänge.

Dieses Thema betrifft wohl alle Menschen, außer vielleicht die, die ein genügend großes Vermögen haben. Doch genaugenommen betrifft es auch diese, denn die gesellschaftlichen Änderungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich sind tiefgreifend. Sie verändern das gesellschaftliche Bild auf breiter Front.

Bisher galt (im Großen und Ganzen), freies Unternehmertum ja, aber begrenzt durch eine soziale Verantwortung, die dem größten Teil der Menschen in unserer Gesellschaft ein Auskommen und Stabiltiät zu Teil werden ließen, welches auch unsere innere Sicherheit bewirkte und letztlich den Frieden in Europa sicherte. Heute geht die Tendenz immer schneller in Richtung "der Mensch zählt nur, wenn er leistungsfähig ist und der Wirtschaft dient (und als Zusatzfaktor ein bestimmtes Alter nicht überschritten hat)." Die Wirtschaft begründet dies mit dem Globalisierungsdruck, den sie selbst hervorbringt und fühlt sich immer weniger verantwortlich oder ohnmächtig etwas für die Entwicklung und Stabilität unseres Landes (und anderer Länder) beizutragen.

Die Gefahr, dass die, die nichts mehr zu verlieren haben, sich Gehör verschaffen werden, steigt mit zunehmendem Ausschluss vom Wachstum, wie Heinrich von Pierer in seiner Rede am 15. April 2004 vor dem UN Sicherheitsrat sagte: "one of the central source of conflict is hopelessness, or the feeling or being excluded from growing prosperity and from the benefits of globalization, and of being overwhelmed by a process that one cannot influence. Those fears, those desperate outlooks, lead to desolation and anarchy. People who have nothing to lose become unpredictable and capable of any deed. We have to counteract those trends by giving people hope and a way out of their situation – not only for a brief moment, but on a sustainable basis.”

Vor diesem Hintergrund dürfte der Vortrag sehrinteressant sein.

September 04

Bayerischer Staat plant die Abschaffung des Landesarbeitsgerichts München


Ein Kommentar


Auch bei Gericht soll gespart werden und das in einer Zeit, in der die Hire und Fire Kultur vieler Unternehmen Hochsaison hat und in vielen Fällen auch nicht vor dem Gesetz halt macht. Die Siemens Prozesse zeigen wie systematisch am Gesetz vorbei gekündigt wurde.

Gerade in solchen Zeiten, in denen die wirtschaftlich Mächtigeren versuchen durch das Schaffen von Tatsachen, Recht zu verändern, ist eine schnelle und fundierte Rechtssprechung dringend erforderlich, um in der Bevölkerung das Gefühl der Rechtssicherheit zu erhalten. Es geht dabei nicht nur um die richtige Entscheidung im Einzelfall, es geht vor allem darum, dass die Rechtssprechung das Recht, und damit unseren Rechtsstaat, erfahrbar macht - für den der gegen Recht verstoßen hat und für den, der dadurch Unrecht erfahren hat.

Insbesondere in arbeitsgerichtlichen Prozessen geht es in vielen Fällen um die Existenz und die elementaren Rechte der Arbeitnehmer. Recht muss zeitnah gesprochen werden, ansonsten verliert es seine korrigierende Wirkung. Ein Arbeitnehmer, der z.B. seinen Prozess in der 1. Instanz verloren hat, lebt vom Arbeitslosengeld. Bekommt er im LAG erst in 1-2 Jahren einen Termin, weil dort Kammern eingespart worden sind, dann fällt der Arbeitnehmer inzwischen unter die Gesetze von Hartz IV, muss sein Vermögen aufbrauchen, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Möglicherweise kann er Kredite nicht zurückzahlen und gerät in eine negative Schuldenspirale. Nach 1-2 Jahren bekommt er am LAG dann Recht, doch dieses Recht ist nicht mehr wirklich in der Lage den rechtmäßigen Zustand herzustellen. Der, dem Unrecht widerfahren ist, ist u.U. ruiniert - einzig und allein deshalb, weil der Prozess zu lange gedauert hat. Firmen, die ungerechtfertigt kündigen, kommt diese lange Prozessdauer entgegen, denn eine jahrelange Ungewissheit in existentiellen Fragen zermürbt und kann zur vorzeitigen Aufgabe (des Rechts) führen. Damit wird Recht aufgegeben, weil es sich nicht mehr entfalten kann. Was bleibt ist das Gefühl, das man zwar Recht bekommen kann, aber vorher verhungert ist.

Insbesondere die Siemens Prozesse in München haben uns, die wir geklagt haben, erfahren lassen, dass Recht unmittelbar erfahrbar ist, dass das Recht des Arbeitgebers zu kündigen vom Gericht anerkannt wird, aber dass auch das Recht des Arbeitnehmers diesem gleichwertig gegenübersteht, und zwar nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis, sprich in der richterlichen Rechtssprechung. Der Ausspruch, "ihr werdet alle vor Gericht verlieren", bewahrheitete sich nicht, bewahrheitet hat sich die Überzeugung der klagenden Arbeitnehmer, dass Gerichte Recht sprechen, auch dann, wenn ein Arbeitnehmer gegen einen Großkonzern klagt. Diese Überzeugung war es, die letztlich den Mut gegeben hat, den Klageweg zu beschreiten.

Der Bayerische Staat spart mit der Abschaffung des LAG München am Recht, er spart am Mut, Recht zu erstreiten. Das sollte er nicht, denn die meisten, die ihr Recht einem Arbeitgeber gegenüber nicht wahrnehmen, müssen, um überleben zu können, staatliche Unterstützung annehmen. Und diese kostet viel viel mehr als unser Landesarbeitsgericht in München.
(jp)


September 04

Ich bin froh, dass es dich gibt

"Ich bin froh, dass es dich und NCI gibt," ist ein Satz, den manche NCI-ler des öfteren hören. Es sind die stillen Helden des Alltags, die sich täglich um ihre Kolleginnen und Kollegen kümmern.

Zur Zeit wird viel nach außen beruhigt, versucht die normale Welt wieder herbeizureden. Kein Stellenabau in den Com Entwicklungsstellen, der Standort Mch H gesichert und vieles mehr. Dabei werden aber die übersehen, die um ihren Arbeitsplatz bangen. Nein, nicht die NCI-ler von 2002/2003 sind damit gemeint, sondern die, die neu hinzukommen. Vereinzelt sind sie meist und sind froh, dass es NCI gibt, froh im NCI Menschen gefunden zu haben, die ihnen zuhören:

"... stundenweise oder tageweise gehts einigermaßen, dann kommt aber mittendrin aus blitzheiterem Himmel oft ein "Totalzusammenbruch", aus dem ich dann stundenlang nicht mehr rauskomme. Die besondere Panik bekomme ich, wenn ich an das Thema Stellensuche gehe."

So geht es jedem, der in die Situation kommt, den Arbeitsplatz zu verlieren, der nicht weiß, was morgen sein wird.
Manche haben sich sicherlich schon gefragt, warum NCI sich nicht zurückzieht. Der Grund ist einfach: Im NCI begegnet man immer wieder der Betroffenheit der Menschen, Worten der Erschütterung, des Nicht-Begreifen Könnens.

Und da sind die vielen stillen Helfer im NCI wichtig, damit die Kollegin, der Kollege in seinem "Totalzusammenbruch" aufgefangen wird, damit der Zusammenbruch nicht wirklich zu einem totalen wird.

An diese stillen Helfer sei mit diesen paar Worten erinnert und NCI dankt ihnen.


August 04

Liebe beE-ler der 1. Welle

Heute ist für Euch der letzte Arbeitstag bei Siemens, wobei "Arbeitstag" es nicht ganz trifft. Gearbeitet habt Ihr schon lange nicht mehr. Eure Tätigkeit war es, Euch eine neue Stelle zu suchen. Bei manchen hat es geklappt, bei manchen nicht. Und vor allem an die letzteren geht diese Solidaritätserklärung von NCI.

Ihr habt das Arbeitsverhältnis nicht freiwillig beendet, auch, wenn Ihr den beE*-Vertrag mit all seinen Chancen und Risiken unterschrieben habt. Freiwillig im ureigensten Sinn des Wortes war Eure Unterschrift nicht gewesen. Die Wahl war zwischen Kündigung und Beschäftigungsgesellschaft und, wenn wir uns zurück erinnern: Es war eine schwere Wahl, eine Wahl von der niemand wusste, ob sie richtig oder falsch war. Es war eine Wahl unter Existenzdruck, unter Existenzängsten, eine Wahl, die bei manchem Tränen gekostet hat und die letztlich NCI hervorgebracht hat - einfach, damit man mit dieser Wahl und den damit verbundenen Ängsten, Sorgen und Problemen nicht allein steht.

Für manche von Euch führt diese Wahl nun in die Arbeitslosigkeit - leider. Sie führt Euch in die Arbeitslosigkeit, weil Siemens Stellen abbauen wollte, damit sie heute jüngere Mitarbeiter einstellen oder manche von Euch zu schlechteren Bedingungen als Consultants wieder beschäftigen. Es war ein Stellenabbau nicht aus Notwendigkeit, weil die Firma Siemens sonst nicht hätte überleben können; es war ein Stellenabbau, um Druck auf den Umbau des Arbeitsmarkts aufzubauen - übrigens nicht nur in Mch H. Wir wissen es. Verantwortung für den Menschen und seiner Familie ist ein Fremdwort geworden bei Siemens, wie nahezu überall in der Wirtschaft. Diese Verantwortungslosigkeit erscheint vielen schon normal. Sie nennen es Marktzwang.

Doch lassen wir das. Es geht um Euch, um Eure ganz persönliche Situation, um Eure Gefühle dabei zu wissen, dass die Zeit bei Siemens nun endgültig zu Ende ist, nicht zu wissen, was die Zukunft bringt. Trösten, die permanente - mal mehr, mal weniger stark empfundene Existenzangst, die man verdrängt, die wieder hervor kommt - mit Worten weg zureden, wie "es wird schon werden", wird nicht gelingen. Diese Worte sind kein Trost, keine Hilfe. Sie sind hohl und leer. Niemand weiß, was wird und ob es wird.

Doch eines hat der Mensch immer - sich selbst und Freunde. Sich selbst zu haben bedeutet auch, sein eigenes Leben gestalten zu können - anders vielleicht, bescheidener im finanziellen Rahmen, aber nicht glückloser, nicht weniger fröhlich. Es ist die innere Einstellung zum Leben, die Fähigkeit in ihm das Schöne zu sehen, die Schönheiten der Natur, das Lächeln des Kindes. In allen Dingen liegt Reichtum und Armut zugleich verborgen. Geld macht die Menschen äußerlich reich, aber oft arm in der Seele, im Denken und Handeln. Geld lässt oft das "Mensch-Sein" verlieren, die Werte, die das Leben lebenswert machen, vergessen. Abhetzen in der Arbeit, Karriere, Nachjagen von Zielen, die mit einem Schlag vernichtet sein können durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Geld kann aber auch reich machen, nämlich dann, wenn man es dazu verwendet, das Leben auf diesen Planeten lebenswert zu erhalten. Arbeitslosigkeit kann innerlich arm machen, sie öffnet das Tor zur Perspektivlosigkeit, zu Hoffnungslosigkeit, zur Wut zur Depression. Arbeitslosigkeit kann aber auch innerlich reich machen, nämlich dann wenn es einem gelingt, jeden einzelnen Tag zu gestalten, Menschen zu begegnen, mit ihnen zu reden, mit den Kindern zu spielen, Liebe und Verständnis weiterzugeben, zuzuhören, die Hand zu reichen.

Ihr liebe beE-ler seid nun gezwungen Euer Leben erneut umzugestalten. Die alten Kanäle, die viele Jahre des Lebens reich mit Wasser gefüllt waren und die Felder des Lebens bewässert haben, sind ausgetrocknet, weil jemand das Wasser zum eigenen Profit abgegraben hat. Ihr seid nun gezwungen neue Kanäle zu bauen - neue Denkstrukturen zu entwickeln - Brunnen zu graben, um Eure ganz eigenen Fähigkeiten, hervorzubringen. In diesem Zwang liegt aber auch die Chance, das eigene Leben lebenswerter zu gestalten. Das hat man immer in der Hand - nur es ist Arbeit, Arbeit an sich selbst. Der Lohn: Niemand kann einen dann vernichten, weil wir niemanden die Macht über unsere Gedanken und Gefühle gegeben haben.

Wir, die Menschen im NCI, wünschen Euch alles Gute für die Zukunft und wenn Ihr nicht aufgebt, dann wird es werden. Und diesmal sind die Worte nicht dahin gesagt. Und wenn Ihr gemeinsam mit anderen, Euch einsetzt für andere, dann werdet Ihr nicht allein sein, egal, wo ihr seid. "Das Lächeln, das du aussendest, kehrt ins eigene Herz zurück." sagt ein chinesisches Sprichwort. Dies und die Melodie des Pianisten wollen wir Euch mitgeben. Es ist unser Abschiedsgeschenk für Euch, das Euch einen guten Neuanfang bereiten soll.

Und natürlich kann jeder, der es möchte bei NCI bleiben, das sei nur nebenbei erwähnt, da es selbstverständlich für uns ist.

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* beE = Beschäftigungsgesellschaft


August 04

Der Arbeitsplatz

Genau zwei Jahre ist's her - 14.8.2002
Stellenabbau in Mch H
Heute, 14:00 Uhr, ist es auf den Tag genau 2 Jahre her,
dass die Personaler Rinke und Dr. Bellmann, kurz vor dem verlängerten Wochenende
den Betriebsrat über 2600 Arbeitsplatzstreichungen informiert haben.

Stellenabbau:
August 2002: ICN/ICM Mch H
August 2003: ICM in Mch H, P, MGA
August 2004: COM (Ankündigung)


Und als man ihnen sagte.
es wird niemand mehr eingestellt,
schwiegen alle,
denn sie hatten ja ihren Arbeitsplatz.

Und als man ihnen sagte,
die Befristeten werden nicht verlängert
dachten sie,
die finden schon wieder etwas.

Und als man ihnen sagte,
die Auszubildenden werden nicht übernommen
dachten sie ,
wenigstens haben sie eine Ausbildung.

Und als man ihnen sagte,
die Hälfte der Belegschaft wird entlassen
atmeten sie tief durch,
denn es war ja nicht ihr Arbeitsplatz.

Und als man ihnen sagte,
„Ihr seid entlassen!“
war keiner mehr da,
der sich mit ihnen gegen das Unrecht wehren konnte.

( von Arbeitslosen nach einem Text von Martin Niemöller )









Es kommt vor allem darauf an,
die eigene Stärke zu erkennen
und sich nicht von irgendwelchen
Drohgebärden, einschüchtern zu lassen.

Der Beginn: 14.08.2004
ICN-ICM-count-down

Die Presse
"Siemens feuert immer mehr, immer schneller ... So schnell, so grob und so umfangreich wurde bei Siemens noch nie gefeuert." (Bild, 21.08.02)

Der Betriebsrat
"Der Betriebsrat hat, anstatt stellvertretend und leise die Interessen der Belegschaft zu vertreten, mehr auf Emanzipation der Belegschaft gesetzt, also Informationspolitik, Öffentlichkeitsarbeit, Medienpflege... Heimliches Verhandeln unter Ausschaltung der Öffentlichkeit und damit der Belegschaft hätte uns geschwächt."
(Heribert Fieber, Dez 2002, damals BR Vorsitzender Mch H)

NCI und Betriebsrat
Wir empfinden es mutig und solidarisch mit der Belegschaft, dass der BR sich nicht vor den Karren der Geschäftsleitung spannen lässt und durch einen Schmusekurs deren unlautere Ziele unterstützt. Er hat nicht aus Bequemlichkeit oder Unfähigkeit, Konflikte auszuhalten, Meinungsverschiedenheiten mit der GL auszutragen, die MitarbeiterInnen um des lieben Friedens willen verkauft. Aus Berichten von Mitarbeitern aus anderen Betrieben wissen wir, dass dies keineswegs selbstverständlich ist.
Resolution für BR Mch H (06.08.2003)

Emotionen der Betroffenen von damals - heute noch aktuell
Zunächst dachte ich, daß dies zwar schade jedoch kein übergroßes Problem sein sollte. Also frisch ans Bewerbungswerk und auf Jobwechselsuche. Dann Absagen, Absagen, Absagen ...

Siemens meint, sich über alle Rechte hinwegsetzen zu können. Siemens bietet mir mit einer Kündigungsandrohung an, in eine beE zu gehen. Ich finde es schon haarsträubend, wie sich immer mehr große Firmen auf Kosten der Allgemeinheit vom nicht gewünschten Personal entledigen. Warum zahlt das Arbeitsamt für eine solche Beschäftigungsgesellschaft überhaupt? Ein Konzern wie Siemens mit dem zweitbesten Ergebnis seiner Geschichte wäre doch in der Lage, dieses intern abzuwickeln! Praktisch bedeutet das doch für mich, dass ich mein Gehalt von meinen/unseren Steuern mitfinanzieren müsste!

Ich werde kämpfen, wenn es sein muß, bis zur Berufung!
Ich sorge mich allerdings auch um die Entwicklung in unserem Staat. Siemens steht ja nicht allein, sondern sorgt vereint mit anderen Firmen für die Aushöhlung unseres Gesellschaftssystems. "Soziale Marktwirtschaft" war einmal ein Modell, in dem alle Teile der Bevölkerung ihren Platz gefunden haben. Das soll anscheinend nicht so bleiben. Alle, die nicht zu den Gewinnen der grossen Konzerne beitragen, werden zunehmend rausgedrängt. Der "Staat" kann ja für sie sorgen. (Steuern für diesen Staat wollen diese Firmen aber möglichst nicht zahlen.)
So kann es nicht weitergehen! Liebe Politiker, Bosse, Gewerkschaften usw.: Bitte arbeitet im Interesse unseres Staates an einem ausgewogenen neuen sozialen und wirtschaftlichen Konsens! Sonst werden in unserem Staat Verhältnisse eintreten, wie jetzt bei Siemens: Alle "Überflüssigen" werden "entsorgt"! Alte, Behinderte, Kranke: Raus!

Die Kündigungsschutzklage, die ich beim Arbeitsgericht erhoben habe, wird voraussichtlich im Sommer/Herbst zur Verhandlung kommen. Ich glaube fest daran, dann zu meinem Recht zu kommen.
Dennoch quälen mich nun schon seit Monaten Ungewissheit und Existenzangst. Kaum kann ich eine Nacht durchschlafen. Beruhigungsmittel helfen nur wenig. Und immer wieder die bohrende Frage nach dem Sinn: Warum tut mir meine Firma, der ich immer nach Kräften gedient habe, das an? Sie weiß doch, dass sie gegen geltendes Recht verstößt. Es muss doch auch aus Sicht der Firma unvernünftig sein, sich auf einen Kündigungsschutzprozess einzulassen, den sie verlieren muss.
Sicher werde ich recht bekommen. Doch werde ich dann noch derselbe Mensch sein, gedemütigt, von Selbstzweifeln zerfressen und mit blankliegenden Nerven? Wer entschädigt mich dafür?
Und wie wird mich die Firma empfangen, nach "verlorenem" Prozess? Der Richter wird sein Urteil im Namen des Volkes verkünden. Ich werde es schwarz auf weiß in Händen halten. Was wird mich danach erwarten?
Neues Unrecht?

Zitate aus Einzelschicksale

Allianz: Betriebsrat - NCI - IG Metall - Kirchen
Der Kampf von Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaften bei der Siemens AG am Standort München Hofmannstraße ist zu einem besonderen vielbeachteten Phänomen geworden. Die Geschäftleitung der Siemens AG bis hinauf zum Vorstand können die Hofmannstraße nicht mehr übersehen. Ihnen ist das Mitarbeiternetz NCI, in dem heute über 450 Kolleginnen und Kollegen organisiert sind, ein Dorn im Auge und die Allianz zwischen Betriebsrat, NCI, IG Metall und Kirchen betrachten sie inzwischen als ernst zu nehmenden Gegner, den man bisher nicht einschüchtern konnte. Diese Allianz, in der NCI das Novum ist, ist nicht nur für die Geschäftsleitung der Siemens AG ein neues Phänomen, sondern auch für den Gesamtbetriebsrat und für die Gewerkschaft.
(Auszug aus einer Rede im Gewerkschaftshaus am 01.04.2003)


Juli 04


Der Arbeitsplatz

Und als man ihnen sagte.
es wird niemand mehr eingestellt,
schwiegen alle,
denn sie hatten ja ihren Arbeitsplatz.

Und als man ihnen sagte,
die Befristeten werden nicht verlängert
dachten sie,
die finden schon wieder etwas.

Und als man ihnen sagte,
die Auszubildenden werden nicht übernommen
dachten sie ,
wenigstens haben sie eine Ausbildung.

Und als man ihnen sagte,
die Hälfte der Belegschaft wird entlassen
atmeten sie tief durch,
denn es war ja nicht ihr Arbeitsplatz.

Und als man ihnen sagte,
„Ihr seid entlassen!“
war keiner mehr da,
der sich mit ihnen gegen das Unrecht wehren konnte.

( von Arbeitslosen nach einem Text von Martin Niemöller )

Juli 04


Blick in die Zukunft: Osram USA

Die Verhältnisse in USA gestatten uns einen Blick in die Zukunft. Diese Verhältnisse auch in Deutschland zu erreichen, ist Ziel des Arbeitgeberlagers. Die Zerstörung gewerkschaftlicher Strukturen durch Gesetzesänderungen, Unterlaufung des Flächentarifvertrags, Abschluss von Haustarifverträgen, betriebliche Individualisieren, gefährdet mittel- bis langfristig gesehen unsere Arbeitnehmerrechte. Die kurzfristige Sicherung von Arbeitsplätzen muss abgewogen werden gegen den Schaden, den ein Unterlaufen gewerkschaftlicher Rechte mit sich bringt. Daher sind, gerade wegen der Zustände in den USA, zwei Dinge notwendig.

Erstens, die Belegschaften, Angestellte wie Arbeiter, müssen sich mobilisieren, solidarisieren und kontinuierlich um die Erhaltung ihrer Rechte kämpfen. Die Mentalität, insbesonders vieler Angestellter, die Gewerkschaftsmitglieder sollen Rechte durchsetzen, Arbeitsplätze sichern und Lohnerhöhungen erkämpfen, und wir nehmen dann auch für uns den Erfolg mit, wird in Zukunft nicht mehr funktionieren. Die Haltung "ich will doch nur in Ruhe arbeiten", wird dazu führen, dass niemand mehr in Ruhe arbeiten kann. Lohndumping, beliebige Versetzung (Flexibilität), willkürliche Behandlung von Mitarbeitern, wird die Ruhe endgültig zerstören, wenn wir nicht jetzt, wo sich - trotz allem - alles noch in den Anfängen befinden, etwas dagegen tun. Auch hier gilt: Wehret den Anfängen. Die Zeit der Sozialpartnerschaft ist vorbei. Die Arbeitgeber wollen mit aller Macht (und sie haben nicht wenig davon), die Arbeitnehmerrechte in unserem Lande auf ein möglichst niedriges Niveau drücken. Es ist wesentlich schwieriger Recht neu zu erkämpfen als alte Rechte zu verteidigen.

Zweitens, müssen die Gewerkschaften (als Institution) selbst, klar Position beziehen und erkennen, dass die Sozialpartnerschaft vom Arbeitgeberlager in Tateinheit mit der Politik aufgekündigt worden ist. Auch hier birgt, das Nicht-Wahr-Haben-Wollens eines sozialen Konfliktes in unserem Lande die Gefahr, dass Arbeitnehmerrechte auf das Niveau USA heruntergeschraubt werden. Das Ziel alles betrieblich regeln zu können, Haustarife abzuschließen, bedeutet, sich den Verhältnissen in USA anzunähern.

Doch das damit noch nicht Schluss ist, zeigt uns gerade das Beispiel bei Osram, Kentucky, stellvertretend für viele Betriebsgewerkschaften. Die Arbeitgeber, insbesondere auch Siemens, bekämpft dort auf das Heftigste, die Bildung betrieblicher gewerkschaftlicher Organisation, den Abschluss von Haustarifverträgen. Es ist also nicht das Ziel des Arbeitgeberlagers durch Haustarifverträge mehr Flexibilität und die Sicherung der Arbeitsplätze zu erreichen; das Ziel ist, den Arbeitnehmer soweit wie möglich zu entrechten. Ansonsten könnte OSRAM einen Haustarifvertrag mit der Belegschaft abschließen. Dass sie es nicht tun, sondern die Bestrebungen bekämpfen zeigt, die Haltung der Großkonzerne.

Daher hängt der Kampf bei OSRAM in USA, Kentucky, der Kampf in Mch H, bei Siemens in Bocholt/Kamp Lintfort, bei MAN in Salzgitter und München, bei Daimler Chrysler in Sindelfingen, eng zusammen. Unser Kampf, der noch weiter intensiviert werden muss, unterstützt die KollegenInnen auch in USA. Gibt es hier in Deutschland einen Dammbruch gewerkschaftlicher Rechte, dann erschwert dies den Kampf der amerikanischen KollgenInnen. Geben die KollegenInnen in USA ihren Kampf auf, erschwert dies unseren Arbeitskampf. Gelingt es den KollegenInnen in USA jedoch ihre Arbeitnehmerrechte zu stärken, unterstützt uns dies in unserem Kampf. Der Arbeitgeber verliert an Druckmittel und wir - die Arbeitnehmer gewinnen an Einfluss, wenn wir uns international solidarisieren.

Das Gespräch zwischen NCI und Jeffrey Raffo, Campainer, US amerikanischer Gewerkschaften, ist ein erster Schritt. Lassen wir weitere folgen. In diesem Sinne erklären wir uns solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegin von Osram, Kentucky.

Juli 04


Vielleicht sollte sich die IG Metall ihrer eigenen Geschichte erinnern

Kommentar zur Rahmenvereinbarung zwischen IG Metall, Gesamtbetriebsrat und Siemens AG zur Sicherung und Entwicklung von Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation bei der Siemens AG.

"Bis Dezember 1889 hatten 18 Gewerkschaften ihre Absicht erklärt für Arbeitszeitverkürzung zu streiken. Die Unternehmensverbände drohten für den Fall von Streiks mit Aussperrungen, Entlassungen und Schwarzen Listen. Wer darauf geriet, brauchte sich in seiner Gegend um Arbeit nicht mehr bemühen.Trotz drohender Sanktionen beteiligten sich am 1. Mai 1890 in Deutschland etwa 100.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an Streiks, Demonstrationen und sogenannten "Maispaziergängen"

Und heute? Heute unterschreibt die IG Metall ein Papier, dass den überall in Deutschland aufkeimenden Widerstand gegen die Allmachtsbestrebungen der Arbeitgeber, im Keim zu ersticken droht.

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Juni 04


Fristlose Kündigung von Inken Wanzek abgewehrt

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet in der Ausgabe vom 19.06.04 die Kündigung von Inken Wanzek als ein Politikum und berichtete im Vorfeld bereits ausführlich über den Fall.
Durch diese Kündigung wurde eine Person angegriffen, die nichts anderes getan hat als sich sozial und gewerkschaftlich zu engagieren, ein soziales Engagement, das angesichts des gravierenden Arbeitsplatzabbaus und der damit verbundenen Methoden, zwangsläufig ins Politische münden muss.

Es ist ein Politikum in mehrfacher Hinsicht. Moralisch bedenklich für jeden Normalbürger war bereits der Kündigungsgrund Gekündigt wurde wegen eines Aufrufs zur menschlichen Solidarität, der verhindern sollte, dass Menschen am drohenden Arbeitsplatz- und damit Existenzverlust verzweifeln. Siemens schreibt diese EMail einfach Inken Wanzek zu. Siemens sieht sich als Arbeitgeber in dieser EMail geschmäht, obwohl der Firmenname darin überhaupt nicht vorkommt. Die EMail ist nicht von Inken unterzeichnet. Siemens kündigte sozusagen auf den bloßen Verdacht hin, dass sie die Schreiberin der Email sei, ohne dies belegen zu können. Die Richterin meinte bereits im Gütetermin, dass es unerheblich sei, ob Inken Wanzek die Autorin ist, da sie im Inhalt der EMail keinen Grund für eine fristlose oder ordentliche Kündigung sehe. Die EMail war eine private EMail, die von einer privaten EMail Adresse zu anderen privaten EMail Adressen innerhalb des Netzwerks NCI geschickt wurde. Darüberhinaus äußerte sich Siemens nie zu der Frage, wie sie an diese private EMail gekommen ist.

Angegriffen durch diese ungerechtfertigte Kündigung wurden auch unsere demokratischen Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Privatsphäre und gewerkschaftliche Tätigkeit. Damit geht das Urteil in seiner Bedeutung über den arbeitsrechtlichen Teil hinaus. Es bestätigt, wie andere Urteile auch, dass die Interessen des Arbeitgebers nicht über den demokratischen Grundwerten stehen, dass es keine Pflichtverletzung ist, wenn ein Arbeitnehmer sich kritisch gegen seinen Arbeitgeber äußert, dass gewerkschaftliche Tätigkeit durch das Gesetz geschützt ist.

Doch Inken Wanzek ist leider kein Einzelfall, das Verhalten von Siemens keine Ausnahme. Fristlose Kündigungen, die offensichtlich ungerechtfertigt sind, werden immer häufiger von Großkonzernen wie Siemens eingesetzt, um Widerstand, der sich gegen Interessen der Großkonzerne richtet, zu unterdrücken. Dabei spielt es für die Firmen eine untergeordnete Rolle, ob sie den Prozess, den fristlos gekündigte Mitarbeiter in der Regel anstreben, gewinnen. Gerade Inkens Fall zeigt deutlich mit welchen Gründen oder sollte man besser sagen Nicht-Gründen fristlos gekündigt wird. Es geht darum, dem Menschen dem existentiellen Druck einer fristlosen Kündigung auszusetzen. Fristlos gekündigt bedeutet: kein Geld von heute auf morgen. Es bedeutet, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verlieren. Es bedeutet sofortige Isolation von den Kollegen. Es bedeutet einem enormen psychischen Druck, den eine ungewisse Zukunft mit sich bringt, ausgeliefert zu sein. Es bedeutet das Gefühl zu erfahren, hier geschieht ein willkürliches Unrecht und man muss es geschehen lassen. Auch deshalb ist das Urteil bedeutungsvoll. "Mein Rechtsbewusstsein hat jetzt auch wieder Auftrieb," schrieb ein Kollege aus Berlin, "Es war zu haarsträubend mit der Mail-begründeten Kündigung." Genau das war das Gefühl tiefster Ungerechtigkeit: Mit einem Grund zu kündigen, den jeder Normalbürger als haarsträubend ansieht, sich Schlussfolgerungen gegenüber zu sehen, die die nicht nachvollziehbar sind. War es das Ziel einen Menschen in seinem Gerechtigkeitssinn, in seinem sozialen Engagement so zu treffen, dass er aufgibt, weil er innerlich diese Ungerechtigkeit nicht verkraftet? Wir wissen es nicht, Tatsache aber bleibt, dass dies eine schwierige emotionale Situation ist, die gekoppelt ist, mit dem plötzlichen finanziellen Aus. Jeder kann nachvollziehen, dass eine solche Situation durchaus geeignet ist, einen Menschen in die Knie zu zwingen, ihn zur Aufgabe zu bewegen.

Unsere Gesellschaft braucht mutige Menschen mehr denn je.
Deshalb gilt unsere Solidarität allen Menschen, die den Mut zum Handeln finden.

Juni 04


Mit Solidarität gegen Jobvernichtung

Bundesweiter Siemens Aktionstag

Stellenabbau, Arbeitszeitverlängerung und Leiharbeit
Siemens plant in großem Umfang Arbeitsplätze von Deutschland in Niedriglohnländer zu verlagern. Eine konsequente Umsetzung des "Anpassungsziels" der Geschäftsleitung würde für Deutschland einen Abbau der Belegschaft um 74.000 Mitarbeiter bedeuten, hat der Gesamtbetriebsrat ausgerechnet. Zugleich wurde die 40-Stundenwoche ohne Lohnausgleich von Heinrich von Pierer gefordert, und die drastische Reduzierung der Ausbildungsplätze angekündigt. Begleitet wird dieses Spiel von der Einführung der Leiharbeit.

Soziale Folgen
Bei Siemens herrscht keine wirtschaftliche Not. Arbeitsplätze und damit die Existenzen von Menschen werden aus Profitgier, Gewinnmaximierung, wie es in der Sprache der Arbeitgeber heißt, vernichtet. Die gesellschaftlichen Folge massenhafter Arbeitsplatzvernichtung sind gravierend. Es wird eine drei Klassengesellschaft entstehen: eine die Macht, Geld und Einfluss über die Wirtschaft, auf Politik und Gesellschaft hat, eine, die Arbeitsplätze hat (bis sie eine bestimmte Altersgrenze erreichen), eine die keinen Arbeitsplatz hat, sich mit Minijobs, Leih- und Wanderarbeit durch das Leben schlagen muss. Die einen können sich alles leisten, die anderen gar nichts. Eine neue Form der Armut ist dabei zu entstehen und sich auszubreiten und sich wie ein Kluft durch unsere Gesellschaft zu ziehen. Die Folge soziale Konflikte, steigende Kriminalität, Altersarmut.

Heinrich von Pierer sagte in der BRIGITTE 11/2004, dass er als vierjähriger nur eine Hose und Jacke hatte, die er "tagaus, tagein," trug, "und erst wenn ich rausgewachsen war, gab es was Neues."

Heute steuert die Firmenpolitik, die er als Vorstandsvorsitzender der Siemens AG vertritt, genau auf solche Verhältnisse zu. Aus einer rührenden Erinnerung wird harte Realität für uns und unsere Kinder.

Wir erklären uns solidarisch mit allen Kolleginnen und Kollegen bei Siemens, Infineon und anderen Betrieben, die von der Vernichtung ihres Arbeitsplatzes betroffen sind, insbesondere mit denen, die wegen gewerkschaftlicher Tätigkeit fristlos gekündigt wurden.

Wir fordern die soziale Verantwortung der Großkonzerne für unsere Gesellschaft und wir werden nicht aufhören unsere Stimme zu erheben gegen die Vernichtung der existentiellen Grundlage von Menschen um des Profites willen. Auch nicht, wenn die Antwort darauffristlose Kündigungen sind.


Solidaritätserklärung der IG Metall Vertrauensleute Dresden zum bundesweiten Siemens-Aktionstag
Infineon-Dresden

Juni 04


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Eine traurige Nachricht hat uns erreicht:
Edith Dufey, geboren am 13.7.1960, hat sich das Leben genommen.

Wir sind tief betroffen über diese Nachricht. Unser aufrichtiges Beileid gilt ihrem Lebensgefährten John und ihrer Familie.
Ihre Beerdigung findet heute, Mo, 14.6.04 um 11:30 in Nürnberg statt.

Edith war engagierte Betriebsrätin bei Siemens Erlangen I&S und eine Freundin von NCI. Darüber hinaus war sie ehrenamtliche Richterin am Arbeitsgericht Nürnberg, engagierte SPD-lerin und tätig im Tierschutzverein Erlangen-Höchstadt. Über sich selbst sagte sie: "Für mich ist es wichtig, dass im Betriebsrat die Interessen der Arbeitnehmer/-innen vertreten werden." Und wer sie kannte, wusste, dass sie nach diesen Worten lebte. Sie betreute unsere Erlanger Kolleginnen und Kollegen teils in sehr schwierigen Situation mit aller Kraft und viel Menschlichkeit. Sie sah nie den "Fall", sondern betreute und begleitete die Menschen und ihre Familien. Edith nahm in diesem Zusammenhang auch Kontakt mit NCI auf. Sie betrachtete den Stellenabbau in Erlangen und in der Hofmannstraße stets als eins und unterstützte uns hier in Mch H auf jeder Siemens Hauptversammlung im Olympiazentrum.

Edith gab selbst die Anzeige in den Fürther- und Nürnberger Nachrichten zu ihrem Tod auf. Sie nimmt Abschied mit Worten der Hoffnung, des Dankes und des Trostes für die Hinterbleibenen.



John, Ediths Lebensgefährte, gab ihr zur Antwort:


John ist mit der Veröffentlichung ihres Todes auf unserer NCI Seite einverstanden. Wir haben mit ihm gesprochen. Ihm und uns ist es wichtig, dass Edith würdevoll verabschiedet wird, von all denen, die sie kannten, mit der Achtung, die einem Menschen gebührt, der andere Menschen nicht übersehen hat, der ihnen geholfen hat, für sie gekämpft hat, damit sie sich zurecht finden können in einer schwierigen Lebenssituation. Dafür möchten wir uns hier, insbesondere im Namen der Erlanger I&S Kollegeninnen und Kollegen, bei Edith bedanken und John Kraft und Trost mit auf seinen Weg geben.


Auch die Kollegen von Netzwerk IT haben ihre Betroffenheit über den Tod von Edith zum Ausdruck gebracht und ihn zum Anlass genommen über die eigene Arbeit und emotionale Beteiligung und Unterstützung nachzudenken.
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Juni 04


Stadtspaziergang oder 50 Cent sind ein Vermögen

10:30 Uhr. München Hauptbahnhof. Untergeschoss. Die Menschen eilen von der S-Bahn zur U-Bahn, viele die Hände vollgepackt mit Einkaufstüten. Man sieht es ihren Gesichtern an. Sie haben keine Zeit. Zeit, Zeit ist etwas, was ich im Überfluss habe. Ich, ein Siemensianer, vor dessen Tür die Arbeitslosigkeit steht. Seitdem das so ist sehe ich das Treiben am Hauptbahnhof mit anderen Augen an. Plötzlich sehe ich sie, die BISS Verkäufer, wie sie jeden Tag hier stehen, und schweigend ihr Heft anbieten. Ich sehe sie jetzt mit anderen Augen.Ich stelte mir vor, wie es sein wird, wenn ich arbeitslos bin. Wenn das Jahr verstrichen ist und das Arbeitslosengeld zu Ende geht. Würde ich dann auch die Kraft finden, hier zu stehen, und BISS zu verkaufen. Nein, das würde ich nicht. Ich kann mich nicht so outen.

Ich beobachtete wie die Menschen an den BISS Verkäufern vorbei gehen, manche übersahen sie, so als ob sie nicht da wären. Andere senkten den Blick und schlichen vorbei. Ich hatte das bisher auch immer so gemacht. Ich dachte immer, was sind das für welche, die hier stehen. Heute weiß ich es.

Ich ging auf einen BISS Verkäufer zu und sagte ihm, dass ich eine Zeitung kaufen möchte. Ich musste ihn inzwischen nicht mehr fragen, was sie kostet. 1,50 Euro kostet sie. Ich kaufe sie inzwischen regelmäßig. Ich gab ihm zwei Euro und sagte "es stimmt so." Er nahm es und sagte "Gell, wir sind immer da." Ich antwortete: "das ist auch gut so." So kamen wir ins Gespräch. Ich hatte Zeit und er auch. Vielleicht spürten wir beide, dass uns keine Welten mehr trennten wie früher. Er erzählte mir, dass er 77 Jahre sei und täglich hier stehe. Zwei Plätze hatte er nun, die er bediente. Die Frau, die den anderen Platz inne hatte, war letzte Woche gestorben, nein, nicht hier am Hauptbahnhof, irgendwo anders in München, die Straße, die er nannte, habe ich vergessen. Er sagte es und seine Augen wurden ein klein wenig feucht. Sie fehle ihm, sagte er, er kenne sie alle. Er zeigte mir ein Bild, ein Gruppenfoto, auf dem sie drauf war. "Das hier ist sie," sagte er. Es war eine junge hübsche Frau. Das Bild war sicherlich ein paar Jahre alt. Dann erzählte er mir, von seiner Familie. Er lebe jetzt allein, aber seine Neffen, die würden sich um ihn kümmern, Druck machen beim Sozialamt, wie er sagte. Ich fragte ihn, wieviel Rente er denn bekomme. Die Frage war hier ganz natürlich, gar nicht peinlich. Wir waren uns fremd genug für diese Offenheit. 91,50 Euro, sagte er. 183 DM im Monat rechnete ich schnell um, um die Zahl zu begreifen. Kein Mensch kann davon leben, dachte ich mir, sagte es aber nicht. Ich begriff, dass die 50 Cent, die ich auf die 1,50 Euro für das BISS Heft draufgelegt hatte, viel für ihn waren. 50 Cent haben oder nicht haben, hatte für ihn eine Bedeutung. Für mich jetzt auch. "Ein Telefon," hätte er aber zu Hause, damit man ihn anrufen könne, fügte er hinzu. Er richtete sich ein wenig bei diesen Worten auf. Er war stolz auf sein Telefon. Es war ein langes Gespräch mit vielen Details, von denen er immer mehr voraussetzte, dass ich sie kannte, die Orte, die Menschen, wie Uwe zum Beispiel, der an einer anderen Ecke BISS verkaufte. Von weitem grüßte er einen vorübereilenden Mann in einer mir unbekannten Sprache. Kroatisch, sagte er, "ich kenne ihn. Ich hab's ein bisschen gelernt". Der Mann winkte zurück. Ein kurzes Leuchten in seinen Augen war zu sehen. Er fühlte sich anerkannt. "Der hat's nicht leicht," sagte er, "seine Geschäfte gehen immer schlechter." Kein Wort zu seiner eigenen Situation, kein Klagen, kein Jammern, nur die Feststellung, dass es wohl immer schlechter werde, 100 Zeitungen hätte er erst diesen Monat verkauft, wenig, sehr wenig meinte er, die Leute haben kein Geld. Dann streiften wir die Weltpolitik. Ronald Reagan. Er wurde ein wenig lebhafter. Er lebte auf bei dem Gedanken an die große weite Welt, die so wenig Platz für ihn hatte.
Dann kam eine Frau zu uns, und fragte, wie sie nach Gauting fahren müsse; der Hauptbahnhof ist auch ein wenig verwirrend für Fremde. Der BISS Verkäufer, dessen Namen ich nicht kenne, beschrieb ihr den Weg. Er kannte sich aus hier, unter dem Hauptbahnhof. Wir einigten uns, dass ich die Frau zur S-Bahn begleite. Uns so trennten wir uns - der BISS-Verkäufer und ich.

Diese Geschichte ist wahr und nicht erfunden.
Vielleicht entschließt sich der ein oder andere BISS einmal zu kaufen und 50 Cent draufzulegen. Es lohnt sich in die andere Welt zu schauen, die gar nicht fern ist von uns. Man kann auch mit 2 Euro helfen - jeder von uns.
BISS Magazin und Hintergründe oder
Straßenkreuzer in Erlangen
Links zu Straßenzeitungen


Juni 04


Kündigungsschutzprozess von Inken Wanzek: Solidarität und Meinungsfreiheit

Wer die Email liest, um die es in diesem Kündigungsschutzprozess geht, spürt die Betroffenheit, die Sorge um die Kolleginnen und Kollegen, die Angst jemanden zu vergessen und zu übersehen. Die Nachricht traf NCI: Eine ehemalige Kollegin, die nicht im NCI war, aber manchen trotzdem bekannt, hatte sich das Leben genommen.

Es geht um Menschlichkeit, um nichts anderes. Es geht um keine Politik, um keinen Arbeitskampf, es geht einfach darum zu sagen: Niemand ist allein. Wir sind füreinander da.

Daraus wurde Politik gemacht. Siemens, mit keinem Wort in dieser Email erwähnt, fühlt sich durch sie "in besonders geschmackloser Weise" (Zitat der Betriebsleitung aus der Betriebsratsanhörung) geschmäht und sah in diesem Solidaritätaufruf einen Grund zur fristlosen Kündigung von Inken Wanzek.

Nun geht es um mehr.
Es geht in diesem Prozess, um viele Fragen: "Darf ein Mitarbeiter der Siemens AG, eine solche Mail schreiben?", "Darf er oder sie als Angestellter der Siemens AG, eine solche Mail von einer privaten Email Adresse an andere private Email Adressen verschicken?" Denn die Email ging von privat zu privat. Es geht um Meinungsfreiheit und Privatsphäre. Es geht auch, um die Frage: "Wie kommt die Siemens AG an diese private Mail?" Bisher war sie nicht bereit, diese Frage zu beantworten. Es geht auch um die Frage, ist das private Versenden einer solchen Email gewerkschaftliche Tätigkeit, denn Inken ist gewerkschaftlich tätig in der IG Metall? Sie ist dort in der Vertrauenskörperleitung, also ein aktives Mitglied der IG Metall. Gewerkschaftliche Tätigkeit steht unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes.

Es geht um die Abwägung der Frage: Wie weit wirken Grundrechte in das Verhältnis Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Wann wird die Treuepflicht des Arbeitnehmers gegenüber seinem Arbeitgeber durch diese Grundrechte beschränkt.

Es geht um unsere Grundrechte in diesem Prozess. Es geht um unsere demokratischen Werte: Meinungsfreiheit, Privatssphäre, Freiheit der gewerkschaftlichen Tätigkeit.


Mai 04


Siemens Belegschaft votiert eindeutig für betriebliche Gewerkschaftsarbeit

Betriebsratswahl am Siemens Standort München Hofmannstraße, Mai 2004:

Die Ergebnisse der Betriebsratswahl am Standort München Hofmannstraße, die gestern am 14.05.04 zu Ende ging, waren mit Spannung erwartet worden. Diese Wahl war mehr als der übliche Kampf zwischen verschiedenen Betriebsratsfraktionen. Sie war die Abstimmung der Belegschaft über ein neues Konzept betrieblicher Gewerkschaftsarbeit.

Stellvertreterpolitik oder offener Dialog und Arbeitskampf ?
Würde die Belegschaft, die vom Stellenabbau 2002/2003 verschont geblieben war, es honorieren, dass der IG Metall geführte Betriebsrats München Hofmannstraße die klassische Stellvertreterpolitik zugunsten eines offenen Dialogs mit der Belegschaft aufgab? Würde sie honorieren, dass der Betriebsrat, den Stellenabbau in der Hofmannstraße nicht schnell, still und leise durchgeführt hat, sondern die harte, sachliche und öffentliche Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber gewählt hat? Würde sie es gutheißen, dass er die vom Stellenabbau betroffenen Kolleginnen und Kollegen bis heute unterstützt und in eine Allianz mit dem Mitarbeiternetz NCI eingewilligt hat? Würde sie es erkennen, dass die vom Stellenabbau betroffenen Kolleginnen und Kollegen, letztlich auch für den Erhalt der noch vorhandenen Arbeitsplätze und den Erhalt der Arbeitsbedingungen kämpfen? Würde sie sehen, dass der Arbeitskampf in der Hofmannstraße dazu dient, der rigorosen Personalpolitik der Siemens AG entgegen zu treten? Oder würde sie ein Votum abgeben, das besagt: Wir wollen unsere Ruhe haben. Wir sind nicht betroffen?

Das Besondere an dieser Betriebsratsarbeit und diesem von den betroffenen Kolleginnen und Kollegen geführten Arbeitskampf, der nicht nur den Erhalt der Arbeitsplätze, sondern auch den Erhalt der Arbeitsbedingungen einschließt, war und ist, dass er nicht von einer Ideologie getragen wird, sondern schlicht und einfach von dem Ziel, Rahmenbedingungen zu schaffen, die willkürlichem Handeln des Arbeitgebers entgegenstehen und die es jedem MitarbeiterIn ermöglicht, die für ihn beste Handlungsoption zu wählen. Damit wird der MitarbeiterIn nicht entmündigt, sondern behält die Eigenverantwortung für sein berufliches Tun. Auf diesem offenen Dialog konnte eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und dem Mitarbeiternetz NCI entstehen, die sich als schlagkräftige Allianz für den Kampf zum Erhalt der Arbeitsplätze erwies. Die Betriebsratsarbeit wird ergänzt durch das Mitarbeiternetz NCI, das emotionale Begleitung, Beratung, Gruppentreffen usw. anbietet, so dass in der gemeinsamen Diskussion, an denen auch der Betriebsrat teilnimmt, im Bilden gemeinsamer Strategien, im Aufdecken und Veröffentlichen von Mobbingmaßnahmen, es möglich ist, die Betriebsvereinbarungen bestmöglichst zum Wohle der MitarbeiterInnen umzusetzen.

Es war eine Abstimmung über die Frage: Ist es möglich, Angestellte, von denen viele übertariflich sind, davon zu überzeugen, dass Arbeitnehmerinteressen die eigenen Interessen sind, dass nur gemeinsames Eintreten, das Anwenden von rechtlichen Mitteln, kombiniert mit Öffentlichkeitsarbeit dafür sorgt, dass MitarbeiterInnen nicht zum Spielball der Arbeitgeberinteressen werden?

Der Siemens AG war die Bedeutung dieser Wahl klar. Sie lies deshalb nichts unversucht, die MitarbeiterInnen am Standort Mch H in ihrer Entscheidung zu beeinflussen, lies nichts unversucht, den Betriebsrat in seiner Arbeit zu blockieren. Sie rief im Wahlkampf mit eigenen Plakaten auf, an der Betriebsratswahl teilzunehmen, und forderte auf, einen Betriebsrat zu wählen, der (aus ihrer Sicht endlich) die gesamte Belegschaft vertritt.

Wahlergebnis
Nun, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Standorts Mch H wählten sich einen Betriebsrat, von dem sie überzeugt sind, dass er die gesamte Belegschaft vertritt. 77% gewerkschaftliche oder gewerkschaftlich orientierte Mehrheit (IG Metall (15 Sitze), AIN/ver.di (6 Sitze), NCI (1 Sitz), AUB (5 Sitze), FFF/Frauen (1 Sitz), ILH/UNS (3 Sitze)) im Betriebsrat München Hofmannstraße. Die AUB verlor über die Hälfte ihrer Sitze.

Die Belegschaft honorierte mit diesem Wahlergebnis und hoher Wahlbeteiligung (69.6%) die offene Betriebsratsarbeit des IG Metall geführten Betriebsrats in der Münchner Hofmannstraße.

München Hofmannstraße - Modell für die Zukunft gewerkschaftlicher Arbeit
Damit ist am Standort Siemens München Hofmannstraße ein Modell des friedlichen Widerstands gegen Massenentlassung geschaffen worden, das sich als durchführbar und wirkungsvoll erwiesen hat und nun von der gesamten Belegschaft legitimiert wurde.

Es war und ist die Allianz Betriebsrat, NCI, unterstützt von Gewerkschaften, die Zusammenarbeit, die Diskussion, die gemeinsame Suche nach Lösungen, das gemeinsame Handeln, die es ermöglich hat, am Standort München Hofmannstraße, ein Bewusstsein zu schaffen, dass betriebliche gewerkschaftliche Arbeit, eine gemeinsame Arbeit sein muss, in der jede/r seine Fähigkeiten, Kraft und Ideen einbringen kann, damit das Arbeitsverhältnis wieder die Existenzgrundlage sichert, und darüber hinaus zur Entfaltung der Persönlichkeit beiträgt, der Mensch nicht zu einem Produktionsfaktor reduziert wird und nicht als ein Rädchen in einer ferngesteuerten Apparatur behandelt wird.

Das Wahlergebnis zeigt, dass es der Betriebsleitung nicht gelungen ist, einen Keil in die Belegschaft zu treiben, in Betroffene und Nicht-Betroffene. Es gelang nicht, den Arbeitskampf aus dem Bewusstsein der Beschäftigten zu verdrängen, es gelang nicht, den Betriebsrat von der Belegschaft zu isolieren und in die Ecke des ideologischen Kämpfer zu drängen. Die Belegschaft des Standorts München Hofmannstraße registriert sehr genau, dass es diesem Betriebsrat um die Menschen geht, dass er sich für die MitarbeiterInnen einsetzt, auch für die, die von der Betriebsleitung als abgeschrieben galten.

Die Stellenabbaupolitik 2002/2003 der Siemens AG ist an der Bündelung dieser Kräfte gescheitert, auch wenn der Kampf um die Arbeitsplätze noch nicht zu Ende ist.

Mai 04

Gefahr für den Frieden:
Arbeitsplatzverlust - Hoffungslosigkeit - Gewalt

Siemens redet anders als sie handelt


Kommentar zur Rede von Heinrich von Pierer vor dem UN Sicherheitsrat
(Dieser Kommetar wurde an Politiker, attac, labournet, befreundete internationale Gewerkschafter geschickt.)

Siemens Chef, Heinrich von Pierer sprach am Donnerstag, den 15. April vor dem Weltsicherheitsrat, dass "(Anmerkung: folgendes ist eine Übersetzung, die Originalrede ist in englischer Sprache)eine der zentralen Quellen für Konflikte Hoffnungslosigkeit ist oder das Gefühl ausgeschlossen zu sein vom wachsenden Wohlstand und vom Nutzen der Globalisierung sowie das Gefühl von einem Prozess, auf den man keinen Einfluss hat, überrollt zu werden. Diese Ängste, diese verzweifelten Aussichten führen zur Trostlosigkeit und Anarchie. Menschen, die nichts zu verlieren haben, werden unberechenbar und zu jeder Tat fähig. Wir müssen diesen Entwicklungen entgegenwirken, in dem wir den Menschen Hoffnung geben und ihnen einen Weg aus ihrer Situation zeigen - nicht für einen kurzen Augenblick, sondern auf einer zukunftsfähigen Basis"

Wir stimmen voll mit diesen Worten überein. Aber, was passiert in Deutschland?

Siemens forciert Stellenabbau ohne Beachtung von Gesetz und menschlichen Aspekten Das deutsche Arbeitsrecht fordert soziale Aspekte wie Alter, Unterhaltsverpflichtungen usw. zu beachten. Wider besseren Wissens hat Siemens Arbeitnehmer gekündigt, ohne diese Aspekte zu berücksichtigen. Diese Missachtung des deutschen Gesetzes wurde durch das Gericht bestätigt. In München haben alle KollegenInnen ihre Kündigungsschutzprozesse gewonnen, bis jetzt über 100. Darüberhinaus, werden Schwerbehinderte und langjährige MitarbeiterInnen unterdrückt, separiert von ihren KollegenInnen, diskriminiert, gemobbt, müssen zur Arbeit kommen, ohne etwas zu tun zu haben, oder sie haben eine Arbeit, die weit unter ihren Fähigkeiten liegt. All diese Aktionen dienen dazu, die Menschen zu demoralisieren, um sie zu zwingen, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben, der sie direkt in die Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe führen wird. Die Folgen sind Hoffnungslosigkeit, Depressionen, Aggressionen, und die Gefahr von Gewalt. Insbesondere letzteres ist eine erkennbare Gefahr bei Kindern und Jugendlichen, die wegen Geldmangels vom sozialen Leben und von speziellen Ausbildungen ausgeschlossen werden.

Wehret den Anfängen - Stoppt Stellenabbau und Sozialabbau

Siemens ist eine der reichsten Firmen in Deutschland. Es gibt keine wirtschaftliche Notwendigkeit, Leute arbeitslos zu machen. Siemens forciert Stellenabbau nur zur Profitmaximierung, ungeachtet der Bedürfnisse der Menschen.

Sie bauen Kündigungsschutz und soziale Standards in Zusammenarbeit mit der Politik ab, und rechtfertigen solche Aktionen mit der Notwendigkeit einen flexiblen Arbeitsmarkt zu haben. Flexibel bedeutet: Weniger Leute arbeiten mehr Stunden für weniger Geld und werden Wanderarbeiter. Sie können eingestellt und ausgestellt werden, wie die Firmen es wollen, ohne irgendeinen Schutz zu haben. Die Welt ist geteilt in Leute, die einen Arbeitsplatz haben und solche, die keinen Arbeitsplatz haben. Jeder, der einen Job hat ist gezwungen alles zu tun, was die Firma will, um den Job behalten zu können. Sie arbeiten, obwohl sie krank sind. Sie arbeiten unentgeltlich außerhalb der Arbeitszeit, nur um die Arbeit zu schaffen auf Angst ansonsten als Minderleister zu gelten. Dies zu sein bedeutet Arbeitsplatzverlust. Und obwohl sie alles menschenmögliche für die Firma tun, um den Job zu behalten, läuft ein Arbeitnehmer ab 40 Gefahr gekündigt zu werden und höchstwahrscheinlich auch in einer anderen Firma keine Anstellung mehr zu erhalten, damit er seinen Lebensunterhalt verdienen kann - er ist zu alt. Das bedroht auch die Meinungsfreiheit: Die Menschen werden aufhören zu sagen, was sie denken, denn irgend etwas gegen die Firma zu sagen bedeutet: Kündigung - Arbeitslosigkeit.
Auf der anderen Seite gibt es die wachsende Anzahl Arbeitsloser. Arbeitsplatzverlust bedeutet soziale Ausgrenzung, bedeutet, dass die Menschen nicht länger am normalen Leben teilnehmen können, nicht konsumieren können. Soziale Ausgrenzung führt zur Verwahrlosung, Resignation, Gleichgültigkeit, Aggression gegen Menschen, die einen wirtschaftlichen Status haben, Ablehnung von Demokratie und Staat. Dies führt zu Gewalt, Terrorismus, Gefahr von Diktaturen.

Der Frieden in Deutschland, in Europa, in den USA existiert seit ungefähr 60 Jahren, weil wir sozialen Wohlstand hatten. Für die meisten Menschen war eine sicherer Existenz Realität. Meinungsfreiheit, eine demokratische Basis, öffentliche und unabhängige Rechtssprechung, sicherten Freiheit und Frieden.

Aber nun, wandelt sich die Gesellschaft: Soziale Sicherheit wird abglöst von wirtschaflichen Profit, gerechtfertigt durch die Bedingungen des Weltmarktes. Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit, Armut, keine Zukunftsaussichten. Und Menschen, die keine Zukunft haben, die nichts zu verlieren haben, die nicht gehört werden, werden sich Gehör verschaffen: Unsere Press ist voll von Nachrichten über Gewalt. Letztendlich führt der Abbau von sozialer Sicherheit, in dem man Massenarbeitslosigkeit für wachsenden Profit produziert, wie Siemens das in Deutschland macht, zur Gefahr für unsere Demokratie, die nicht unterschätzt werden sollte. Das ist nicht unser politisches Ziel. Wir unterstützen nicht die Abwärtsspirale: Arbeitslosigkeit - Hoffnungslosigkeit - Gewalt, nur für den Profit einiger weniger Großkonzerne.

Wir müssen diesen Entwicklungen entgegenwirken, in dem wir den Menschen Hoffnung geben und ihnen einen Weg aus ihrer Situation zeigen - nicht für einen kurzen Augenblick, sondern auf einer zukunftsfähigen Basis". Dies sind nur leere Worte, da sich von der Praxis, die Siemens in Deutschland praktiziert, unterscheiden.

Siemens Beschäftigte kämpfen für ihre Rechte, um das ungesetzliche und unmenschliche Handeln von Siemens zu stoppen

Um Familien vor Arbeitsplatzverlust und sozialem Abstieg zu schützen, haben sich Siemens Mitarbeiter in NCI zusammengeschlossen, einem privat organisierten Netzwerk für Mitarbeiter, die vom Arbeitsplatzverlust bedroht sind. NCI unterstützt die Menschen in ihrer schwierigen emotinalen Situation, klärt über das Arbeitsrecht auf, deckt Diskriminierung, die in der Firma geschehen, auf. NCI versucht die Menschen daran zu hindern aufzugeben, bietet eine Plattform um Aggressionen abzubauene, in dem sie in legale Aktionen, wie Demonstrationen, Öffentlichkeitsarbeit und Gerichtsprozesse, transferiert werden.

Bekannte aktive NCI Mitglieder sind permanent von fristloser Kündigung bedroht, um die Aufklärung über die Arbeitnehmerrechte zu unterdrücken, um sie daran zu hindern über die Geschehnisse, die bei Siemens in Deutschland passieren, zu berichten.

Wir wollen nie wieder soziale Umstände haben, die zum Zweiten Weltkrieg geführt haben.

Das ist der Grund, warum wir nicht aufhören über eine Politik zu rden, die Menschen arbeitslos und arm macht, die nichts mehr zu verlieren haben, nur für die Profitmaximierung einiger weniger Firmen, erreicht ohne irgendeine soziale Verantwortung.

Heinrich von Pierers Rede gibt Aussicht auf einen positivenEinfluss auf die Entwicklung anderer Länder, aber durch die aktuellen Taten im Heimatland, gefährden Firmen, wie Simenens, mittelfristig Wohlstand, inneren Frieden und Demokratie.

Wehret den Anfängen!

Englisch version of comment


April 04

Es klingt wie ein Handballspiel. Und doch ist es ernst, ernst in zweierlei Hinsicht. Es ist kein Spiel. Die 100 gewonnenen Prozesse stehen für 100 Menschen und deren Familien, deren Existenz wieder sicherer geworden ist. Sicherer, aber nicht gesichert, denn durch die Demontage der Arbeitnehmerrechte, durch die Aufgabe der sozialen Marktwirtschaft ist unsere Gesellschaft auch dabei, den Menschen aufzugeben. Alles dreht sich um Profit, Gewinnmaximierung, Marktanforderungen. Das muss so sein heißt es. Muss es das wirklich? Geht es nicht darum, auch mal zu fragen, wozu das Ganze? Geld - Macht - Armut - Gewalt. Ist das erstrebenswert? Der Friede in Deutschland, in Europa besteht seit ca. 60 Jahren, weil wir ein gesellschaftliches Klima hatten, in dem für die meisten Menschen, leider nie für alle, ein Leben in gesicherter Existenz möglich war. Meinungsfreiheit, demokratische Grundwerte, unabhängige und öffentliche Rechtssprechung sicherten ihn, den inneren Frieden unseres Landes. Die Leute bauten Häuser, kauften Autos, fuhren in den Urlaub. Sie konnten das, weil das Leben berechenbar war, einigermaßen wenigstens. Seit einiger Zeit nun schon ist ein Wandel eingetreten, der gerechtfertigt wird mit dem Wort "Globalisierung", den Zwängen des Marktes: Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit, Armut, Perspektivlosigkeit. Und wer keine Perspektiven mehr hat, wer nichts mehr zu verlieren hat, wer nicht gehört wird, wird sich eines Tages Gehör verschaffen. Wir erleben es täglich, die Medien sind voll von Meldungen über Gewalt. Ist es unser gesellschaftliches Ziel, diese Abwärtsspirale zu fördern?

Wir, die vom Stellenabbau bei Siemens Betroffenen, können nicht die Welt verändern, das wissen wir, aber wir können das tun, was in unseren Kräften steht. Wir können unser Recht einfordern, um es ringen, damit es etwas von Wert bleibt. Wir können anderen damit zeigen: Wehrt Euch friedlich mit den Mitteln des Rechts. Noch haben wir sie. Wir müssen dafür kämpfen, dass sie uns, dem Volk, erhalten bleiben.

Und so ist das 100:0 ein Schritt, vielleicht ein kleiner, der uns und anderen zeigt, dass es geht, dass es Wege gibt, auch einem Großkonzern wie Siemens zu zeigen, hier sind Menschen, die nicht bereit sind, sich aufzugeben, die nicht bereit sind, zu sagen: "Da kann man nichts machen", die gemeinsam etwas tun, um die Spirale Geld - Macht - Armut - Gewalt aufzuhalten. Wenn das viele tun, dann schaffen wir das.

100:0 bedeutet also mehr, viel mehr, als 100 gewonnene Kündigungsschutzprozesse für die Kolleginnen und Kollegen. Es bedeutet, den Mut gehabt zu haben und zu haben, die Grundrechte, wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, das Recht auf ein menschenwürdiges Leben und damit den Frieden in unserem Lande zu verteidigen und es nicht hinzunehmen, wenn ein Großkonzern wie Siemens glaubt, Recht und Gesetz nicht achten zu müssen, glaubt mit ungerechtfertigten Kündigungen, unterdrücken zu können, was die Menschen am meisten brauchen: ein menschenwürdiges Leben in Frieden und Freiheit.

Allen mutigen Kolleginnen und Kollegen, auch von anderen Firmen, sei an dieser Stelle gedankt, insbesondere denen, die für ihr Tun, und ihren Mut zu reden, fristlos gekündigt worden sind in: München, Witten, Berlin, Stuttgart, Frankfurt, Nürnberg, Erlangen, Bremen, Flensburg denen, die wir kennen, aber auch denen, die wir nicht kennen.

März 04
Angesichts der Diskussionen, die in politischen Unionskreisen und sonst wo geführt werden, mit dem Ziel den Arbeitnehmer zu einem modernen Sklaven zu machen, ist es meiner Ansicht nach wert darüber nachzudenken, wie es möglichst schnell möglich ist, die Arbeitnehmerseite und deren verschiedensten Vertretungen, sei es gewerkschaftlich, politisch, auf der Ebene des Betriebes oder einfach ein lockerer Zusammenschluss wie NCI, zu einem gemeinsamen, kontinuierlichen und zielgerichteten Handeln zu bewegen.

Wenn uns das nämlich nicht gelingt, gibt es einen lachenden Dritten, nämlich den Arbeitgeber, insbesondere die Großkonzerne.

Die Zeiten, in denen eine Gruppierung alles kontrollieren und steuern kann, sind angesichts der globalen Bewegungen der Arbeitgeber endgültig vorbei. Ich bezweifle auch, ob es diese Zeiten je gegeben hat. Was wir brauchen sind mündige Arbeitnehmer, die ihre Rechte kennen, Konzepte und Strategien entwickeln, Arbeitnehmer, die bereit sind aus eigener Motivation heraus dafür zu kämpfen, die wissen was sie tun und wofür sie es tun, die Anweisungen und Aufrufen erst folgen, wenn sie sie hinterfragt haben, um blindes Nachlaufen zu vermeiden.

Das Zeitalter der "Sozialpartnerschaft", die von Arbeitgeberseite aufgekündigt wurde, ist abzulösen durch ein Zeitalter der "Aufklärung". Aufklärung entmachtet die Mächtigen, gibt die Macht dem Volke zurück. Das hat die Geschichte gezeigt. In diesem Sinne ist Wissen Macht, und diese Macht sollten wir nutzen.


Feb 04
"Mein Glaube an die Gewaltlosigkeit verpflichtet mich zu äußerster Entschlossenheit.
Da bleibt kein Raum für Feigheit oder Schwäche" (Gandhi)


Eine Station von vielen

"Die Betriebsvereinbarung schließt die Restrukturierungsmaßnahmen vom Sommer 2002 ab."

Doch was heißt das? Ende? Friede?

Friede insofern, dass auf Basis des Interessensausgleichs und Sozialplan von 2002 keine betriebsbedingten Kündigungen mehr erfolgen dürfen. Wie durch ein Wunder sind die Abbauzahlen erreicht, obwohl etwa die Hälfte der MitarbeiterInnen, von denen man sich trennen will, noch irgendwie da sind, ein Gehalt bekommen. Aber Wunder soll man nicht hinterfragen. Wunder muss man geschehen lassen.

Die Betriebsvereinbarung selbst hat durchaus das gleiche Niveau wie die von 2002. Angebote, Handlungsoptionen, rechtlich einklagbare Bedingungen für Project Assignment, festgeschriebene Eckpunkte, wie z.B. der Einsatzort im Großraum München für Schwerbehinderte und Tarifler. Für ÜT-ler war das aufgrund des Arbeitsvertrages nicht durchzusetzen. Auch, dass bei Schließung von PRA, den Mitarbeitern nicht einfach gekündigt werden kann, sondern, dass sie dann in die Siemens AG integriert werden müssen, ist ein beachtlicher Verhandlungserfolg, sicherlich der Siemens AG mühsam abgerungen. Die Betriebsvereinbarung kann sich also sehen lassen, vor allem angesichts der schwierigen Umstände hat der Betriebsrat viel rausgehandelt.

Doch ist der Konflikt dadurch befriedet, wirklich zu Ende? Für die Betroffenen sicher nicht, für sie geht erst einmal gar nichts zu Ende, für die meisten jedenfalls nicht. Für sie ist diese Betriebsvereinbarung eine Station von vielen. Sie sind noch nicht re-integriert, und wissen nicht genau, was auf sie zukommt, wissen nicht, wie Siemens die Betriebsvereinbarung umsetzt.

Siemens hätte ein echtes Zeichen setzen können: Rücknahme der Kündigungen. Doch dass wurde versäumt, trotz BR Forderungung und des beeindruckenden Ergebnisses von 91:0 (Stand: 18.2.04) für die Gekündigten.

Die Frage stellt sich: "Will Siemens wirklich Frieden oder nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm?" Ist es eine Frontbegradigung, in der Hoffnung, dass die Aufmerksamkeit und der Widerstand von NCI erschlafft, es vielleicht gar zerfällt?" Nun, wir können eins versprechen: Unsere Aufmerksamkeit bleibt, unsere Solidarität bleibt, unsere Widerstandskraft bleibt, NCI bleibt. Frieden kann man nicht befehlen, Frieden muss entstehen - so wie Wunder auch. Vielleicht geschieht es ja das Wunder.

Feb 04

Von dauerhaften Wert

Ein wohlbekannter Sprecher startete sein Seminar, indem er einen Scheck von 40 Euro hoch hielt. In dem Raum saßen insgesamt 200 Leute. Er fragte: 'Wer möchte diesen Scheck haben? Alle Hände gingen hoch. Er sagte: Ich werde diesen 40 Euro Scheck einem von Euch geben, aber zuerstlasst mich eins tun. Er zerknitterte den Scheck. Dann fragte er, 'Möchte ihn immer noch einer haben? Die Hände waren immer noch alle oben. Also, erwiderte er: 'Was ist wenn ich das tue?' Er warf ihn auf den Boden und rieb den Scheck mit seinen Schuhen am dreckigen Untergrund. Er hob ihn auf, den Scheck; er war zerknittert und völlig dreckig. Nun, wer möchte ihn jetzt noch haben?' Es waren immer noch alle Arme in der Luft.
Dann sagte er:
Liebe Freunde, wir haben soeben eine sehr wertvolle Lektion gelernt. Was auch immer mit dem Geld geschah, ihr wolltet es haben, weil es nie an seinem Wert verloren hat. Es war immer noch und stets 40 Euro wert.'
Es passiert oft in unserem Leben, daß wir abgestoßen, zu Boden geworfen, zerknittert, und in den Dreck geschmissen werden. Das sind Tatsachen aus dem alltäglichen Leben.' Dann fühlen wir uns, als ob wir wertlos wären. Aber egal was passiert ist, oder was passieren wird, du wirst niemals an Wert verlieren. Schmutzig oder sauber, zerknittert oder fein gebügelt, DU bist immer noch unbezahlbar für all jene, die dich über alles lieben. Der Wert unseres Lebens wird nicht durch das bewertet, was wir tun oder wen wir kennen, sondern dadurch wer du bist. 'Du bist was besonderes - vergiss das niemals.

Feb 04

Gandhi: Kampf ohne Gewalt

Gandhi. Mit ihm verbindet sich eine faszinierende Geschichte. Mit ihm ist, wie mit keinem anderen, der Begriff "Kampf ohne Gewalt" verbunden. Uns im NCI ist Gewaltlosigkeit, die Achtung der Menschenrechte und der Menschenwürde auch sehr wichtig, wohl das Wichtigste. Daher passt Gandhi zu uns, und es ist es wert, ein wenig über ihn und seine Lebensphilosophie nachzudenken.

Gandhi lebte nach dem Prinzip "Ahimsa". Ahimsa bedeutet "nicht verletzen", "keinen Schaden zufügen". Das Wort taucht erstmals in den Upanischaden auf, philosophischen Schriften Indiens aus der Zeit zwischen 600 und 200 v.Chr. Gandhi schrieb: "Ahimsa darf man nicht oberflächlich, nur dem Wortsinn nach verstehen. Dass man kein Lebewesen verletzten darf, ist wohl ein Teil davon, aber damit ist noch das Wenigste darüber gesagt. Das Prinzip der Ahimsa wird durch jeden bösen Gedanken ebenso gebrochen wie durch ungebührliche Hast, durch Lüge, Hass, und dadurch, dass man jemanden Übles wünscht." Gandhi war überzeugt: Gewalt bringt nur neue Gewalt hervor und Hass nur neuen Hass. "Auge um Auge führt nur dazu, dass die ganze Welt erblindet". Zu Gewalt zählt neben körperlicher Gewalt auch die psychische Gewalt.

Gandhi hinterlies die Botschaft: "Die künftige Weltgemeinschaft wird und muss sich auf die Gewaltverneinung gründen. Möglich, dass dies ein fernes Ziel und eine kaum zu verwirklichende Utopie ist. Dennoch ist es durchaus nicht unerreichbar, da man all sein Handeln tätig und entschlossen darauf einstellen vermag."

Gandhi stand mit seinen Idealen im Widerspruch zu den meisten seiner zeitgenossen, die im Krieg ein legitimes Mittel der Politik sahen. Es gehört zu den Glücksfällen der Geschichte, dass der Kongress sich für Gandhis Weg des friedlichen Widerstands entschied und so der erstaunten Weltgemeinschaft vor Augen führte, dass man auch ohne Blutvergießen die Pfeiler eines Weltreichs ins Wanken bringen kann ...

(Quelle: Geschichte.02/04, Mahatma Gandhi)


Feb 04

Zwischenergebnis unserer Unterschriftensammlung

Bisher haben wir Unterschriften von Menschen aus folgenden Städten und Ländern bekommen, die unsere Forderungen an Siemens unterstützen:
Deutschland
Adelsdorf
Altdorf
Amberg
Augsburg
Breitenberg
Bruckmühl (bei Rosenheim)
Buch
Eching
Emmering
Erding
Ergoldsbach Erharting Eresing
Essenbach
Freising
Geißach
Geisenhausen
Germering
Gilching
Gräfelfing
Großkarolinenfeld
Haar
Heimhausen
Herrsching
Hörgerlshausen
Ilmmünster
Jesenwang
Kempten
Kissing
Kirchheim (bei München)
Koblenz
Kröning
Landshut
Langenbach (bei Freising)
Lauf (bei Nürnberg)
Leichlingen (Raum Köln/Düsseldorf)
Lichtenhagen (Ostsee)
Lörrach (schweizer Grenze)
Mainburg
Mammendorf
Marching
Marzling (bei Freising)
München
Neufarn (bei München)
Niederndorf
Nienhagen (Ostseebad)
Nürnberg
Oberschleißheim
Olching (bei München)
Passau
Peiting
Penzberg
Planegg
Postau
Reichersdorf Rosenheim
Puchheim
Pullach (bei München)
Raubling (bei Rosenheim)
Reichling
Rostock
Saalfeld Schwerin
Schwindegg (Mühldorf/Inn)
Solingen
Stein (bei Nürnberg)
Stuttgart
Tiefenbach
Taufkirchen
Unterschleißheim
USH
Weilheim
Wismar
Wörth
Argentinien
Buenos Aires
Cordoba
La Plata
Sta Fe
u.w.

Griechenland
Herakleon, Kreta

Österreich Hopfgarten (im Brixental, Tirol)
Kufstein (Tirol)
Westendorf (Tirol)
Wörgl (Tirol)

Schweiz
Jona bei Zürich

Spanien
Martinez
Olivos

USA
Florida


Jan 04

Business Conduct Guidelines

ÜT-Mitarbeiter müssen sich alle 2 Jahre durch ihre elektronische Unterschrift zu Gesetzestreue und Beachtung der Business Conduct Guidelines bekennen. Auszug aus diesen Guidelines:

A 1. Gesetzestreues Verhalten

Die Beachtung von Gesetz und Recht ist für unser Unternehmen oberstes Gebot. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter hat die gesetzlichen Vorschriften derjenigen Rechtsordnung zu beachten, in deren Rahmen er/sie handelt. Gesetzesverstöße müssen unter allen Umständen vermieden werden, insbesondere Verstöße, die mit Freiheitsstrafe, Geldstrafe oder Geldbuße geahndet werden.
Jeder Mitarbeiter muss im Falle eines Verstoßes - unabhängig von den im Gesetz vorgesehenen Sanktionen - wegen der Verletzung seiner/ihrer arbeitsvertraglichen Pflichten mit disziplinarischen Konsequenzen rechnen.

A 2. Verantwortung für das Ansehen von Siemens

Das Ansehen von Siemens wird wesentlich geprägt durch das Auftreten, Handeln und Verhalten jedes Einzelnen von uns. Unangemessenes Verhalten auch nur eines Mitarbeiters kann dem Unternehmen bereits erheblichen Schaden zufügen.
Jeder Mitarbeiter ist gehalten, auf das Ansehen von Siemens in der Gesellschaft zu achten. Die Erfüllung seiner/ihrer Aufgabe muss sich in allen Belangen hieran orientieren.

A 3. Gegenseitiger Respekt, Ehrlichkeit und Integrität

..... und so weiter .....

Hinweis zu A1:
Es steht dort nicht, dass das Kündigungsschutzgesetz davon ausgenommen sei, und auch nicht, dass wir uns erst an Recht und Gesetz halten sollen, nachdem wir dazu in allen Gerichtsinstanzen verurteilt wurden. Dass wir diesen BCG-Auszug zitieren, hat aber natürlich üüüberhaupt nichts mit den Kündigungsschutzprozessen der Hofmannstraße zu tun. (Oder vielleicht doch?)

Hinweis zu A2:
Hauptversammlung: H.v.P erklärte, er würde die Prozesse liebend gerne beenden, aber das liege nicht in seiner Hand. Doch, er könnte, denn wir gehen in keinster Weise davon aus, dass er im Siemens Konzern nichts mehr zu sagen hat. Er könnte die erstinstanzlichen Urteile akzeptieren und auf die Berufung verzichten. Bei den Schwerbehinderten, anscheinend tatsächlich ein peinliches Thema, erwähnte er nur die 10 einvenehmlich zum Flughafen versetzten Kollegen und verschwieg einfach die 200 anderen. Jetzt entsteht doch eine leichte Verwirrung: "Jeder Mitarbeiter ist gehalten, auf das Ansehen von Siemens in der Gesellschaft zu achten.", auch um den Preis der Wahrheit? Stehen wir dann nicht in Konflikt mit A1? Wie sagte doch Richter Dunkl vom LAG am 3.9.03 zu den Siemensvertretern: "im Prozess existiert eine Wahrheitspflicht. Wir werden es nicht endlos hinnehmen, wenn Dinge, die geklärt sind, als ungeklärt dargestellt werden". Ach ja, jetzt ist es klar, "im Prozess", da sind wir jetzt nicht.

Hinweis zu A3:
Wir erinnern an Arbeitsentzug, an Separierungen, an fristlose Kündigungen ...


Jan 03
Ein Leserbrief zum Nachdenken:
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass am Anfang mancherlei Betroffenheit ausgelöst wurde. Heute ist aber die Stimmung allerorten einer abgebrühten und fatalistischen Gleichgültigkeit (ein festgesetztes und unausweichliches Schicksal, dass vom individuellen Willen weder kontrolliert noch beeinflusst werden kann) gewichen. Man hat sich daran gewöhnt und ist gegen Mitgefühl mit den Betroffenen abgehärtet. Tja, schaffe aus dem Blickfeld, was betroffen machen könnte. Die Initiative sich zu wehren bleibt offensichtlich denen überlassen, die nichts zu verlieren haben. Wer da keine zentrierende Mitte in sich verspürt, kein festes Selbstwertgefühl besitzt, definiert sich in erster Linie durch die Reaktionen, die seine Umwelt ihm zukommen lässt. Die Angst davor lähmt.
Traurig aber wahr.

Es gäbe genug Geld, genug Arbeit, genug zu essen, wenn wir die Reichtümer der Welt richtig verteilen würden,
statt uns zu Sklaven starrer Wirtschaftsdoktrinen oder -traditionen zu machen.
Albert Einstein

Dez 03

Unterschriftensammlung und Umfrage

In unserem letzten NCI Koordinationstreffen, haben wir beschlossen, Unterschriften zu sammeln, damit für alle vom Stellenabbau betroffenen Kolleginnen und Kollegen eine tragfähigen Lösung gefunden wird. Wir möchten , dass die Re-Integration der ungekündigten älteren KollegenInnen, Jubilaren und Schwerbehinderten, die nach wie vor einen rechtsgültigen Arbeitsvertrag mit der Siemens AG haben, wie auch der Gekündigten, die ihren Kündigungsschutzprozess gewonnen haben, erfolgt. Aber auch für die Kolleginnen und Kollegen in der beE möchten wir erreichen, dass sie auf offenen Stellen im Siemenskonzern versetzt werden.

Es muss doch möglich sein, dass nach über einem Jahr, endlich einen Lösung gefunden wird. Leider waren bisher alle Versuche, die Problematik ohne Einschaltung der Öffentlichkeit zu lösen, vergeblich. Es wurde mehrfach versucht. NCI hat einen persönlichen Brief an Heinrich von Pierer gerichtet und eine Standardantwort bekommen: die Mitarbeiter hätten ja nur die Angebote der GL (beE, Abfindung) annehmen müssen. Der BR hat immer wieder versucht, Lösungen herbeizuführen, die IG Metall hatte sich eingeschaltet.

NCI ist jedenfalls gesprächsbereit. Wir kämpfen nicht um unsere Arbeitplätze, weil es so viel Spaß macht, sondern weil es um unsere Existenz geht, um die Existenz und Zukunft unserer Kinder und Familien. Es ist leider eine Tatsache, dass die Jobsuche ab einem gewissen Alter und mit einer Behinderung nahezu aussichtslos ist, selbst in Zeitarbeit ist es z.Z. in unserer Branche schwierig, die Selbstständigkeit ist auch geprägt von Konkursen, und jeder weiß nach einen Jahr Arbeitslosigkeit, steht die Sozialhilfe vor der Tür. Ein Vergnügen Sozialhilfeempfänger zu sein, war es noch nie, unter den geänderten gesetzlichen Bedingungen ist es das erst recht nicht.

Daher liebe Freunde und KollegenInnen, bitten wir Euch, im Bekannten-, Verwandten- und Freundeskreis soviele Unterschriften zu sammeln wie möglich. Ein Infobrief und eine Unterschriftenliste findet ihr hier zum download. Bitte gebt die Unterschriftenliste in den NCI Gruppen ab oder schickt sie an die auf dem Unterschriftenblatt angegebene Adresse (ersteres wäre uns am liebsten). Viele treffen an Weihnachten Ihre Verwandten, teilweise außerhalb Münchens. Erzählt Ihnen unsere Situation und bittet sie, mit ihrer Unterschrift zu helfen, den sozialen Abstieg vieler zu vermeiden.

Unterschriftenliste mit Info
Offener Brief an den Siemens Aufsichtsrat
Brief an den Bundespräsidenten
Offener Brief an Heinrich von Pierer
Anmerkung: Der im Text erwähnte persönliche Brief, den NCI an Heinrich von Pierer geschrieben hat, wird nicht veröffentlich, da wir das versprochen haben und zu unserem Wort stehen

25.11.03: Solidaritätserklärung von NCI für Heribert Fieber

Die aktuelle Plakatwerbung der AUB-Gruppe im Münchner Süden, rund um das Siemens-Areal (also auf öffentlichem Gelände) zeigt, wie sehr die AUB sich vom einander achtenden menschlichen Umgang entfernt hat, den der weitaus größte Teil der Belegschaft als normal empfindet.

Diffamierung und Angriffe auf einzelne Personen statt Sachargumente und konstruktive Vorschläge sind seit einigen Monaten der Weg, für den die AUB sich entschieden hat in der Hoffnung mit der Standortfrage Angst und Unmut in der Belegschaft zu streuen, um auf diese Weise das Engagement und den Einsatz des IG Metall geführten Betriebsrats Mch H für die Belegschaft zu brechen. Stellvertretend werden abwechselnd der Betriebsratsvorsitzende Heribert Fieber und sein Stellvertreter Leo Mayer in aller Öffentlichkeit mit diffamierenden Behauptungen von der AUB angegriffen.

Wird eine Betriebsratsfraktion, die nichts anderes tut, als auf die Einhaltung der Gesetze zu achten, die Mitarbeiter über ihre Rechte aufzuklären, sie in der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen, in Betriebsvereinbarungen hart verhandelt, um Nachteile für die Belegschaft bei Maßnahmen des Arbeitgebers zu vermeiden oder zu mindern, auf diese Weise angegriffen, dann ist zu hinterfragen, welche Absicht verfolgt der Angreifer. Das Wohl der Belegschaft kann es nicht sein, dazu wären konstruktive Vorschläge in den Betriebsrat einzubringen und mit der Belegschaft zu diskutieren. Den Rücktritt des Betriebsrats erzwingen zu wollen, liegt schon näher, in der Hoffnung die Führung im Betriebsrat übernehmen zu können. Doch mit welchem Programm? Der geübte Verstand eines IT-Workers ist durchaus in der Lage zwischen diffamierenden Parolen und Sachprogramm unterscheiden zu können. Auch diese Absicht erscheint nur bedingt sinnvoll.

Tatsache ist, dass sich die Begeisterung des Arbeitgebers für diesen engagierten Betriebsrat in Grenzen hält. Schließlich ist der vom Arbeitgeber gewünschte Stellenabbau immer noch nicht vollzogen, da das Arbeitsgericht München, den Beschäftigen Recht gibt. Schließlich achtet der Betriebsrat darauf, dass bei den Umzügen in die Martinsstraße und nach Perlach der Belegschaft keine gravierenden Nachteile entstehen; der Zwang, dass die, die umziehen sollten, schriftlich dokumentieren sollen, dass sie es freiwillig tun, ist eine neue Aera in der Siemens Geschichte.

Da fällt, dem der beginnt ein wenig über die Zusammenhänge nachzudenken, auf, dass die Interessen des Arbeitgebers, den Betriebsrat Mch H zum schweigen zu bringen, sich deckt mit der Forderung der AUB den Betriebsratsvorsitzenden und seinen Stellvertreter zum Rücktritt zu zwingen. Und es tut sich die Frage auf: Kann es sein, dass die Interessen des Arbeitgebers deckungsgleich sind, mit denen der AUB? Und das führt zu der Frage: warum?

Ach ja, und noch was, wer zahlt eigentlich die teueren Plakate in kleiner Auflage im Großformat? Die Mitglieder der AUB über ihre Mitgliedsbeiträge? Oder sponsert vielleicht jemand, der sich dadurch Vorteile erhofft?

Fragen über Fragen, aber die Belegschaft wird sie sich zu beantworten wissen.

NCI ist entsetzt über dieses Vorgehen!

zu den Plakaten
Solidaritätserklärung BR Rohdde & Schwarz


31.10.03

Solidaritätserklärung für fristlos gekündigte Siemens/NCI-Kollegin

Wir sind sehr betroffen darüber, dass unserer Kollegin Inken Wanzek von der Siemens AG verhaltensbedingt fristlos gekündigt wurde.

Anlass war eine private E-Mail innerhalb unseres Selbsthilfenetzwerks NCI, in der über den Selbstmord unserer ehemaligen Kollegin Liane P. berichtet wurde. Die Kündigung wird mit einer angeblichen Diffamierung des Arbeitgebers im Zusammenhang mit diesem tragischen Selbstmord begründet. Die Vorwürfe sind nicht haltbar.

Obwohl die Mail, die Siemens zum Anlass nimmt, Inken zu kündigen, nicht namentlich unterzeichnet wurde, hat man ihr fristlos gekündigt. Inken ist als bekanntermaßen sehr engagiertes NCI-Mitglied der Siemens AG anscheinend ein Dorn im Auge. Ist sie - so die offensichtliche Meinung einiger Manager - erst einmal weg von Siemens, wird der Widerstand gegen unsoziale Kündigungen, Versetzungen zum Airport und diverses Mobbing von oben aufhören. Damit liegen sie aber falsch!

Unseres Erachtens soll mit der Kündigung von Inken ihr und unser Grundrecht auf freie Meinungsäußerung in unverhältnismäßiger Weise durch den Arbeitgeber beschnitten werden. Kritische, unbequeme, engagierte Mitarbeiter dürfen nicht durch Einschüchterung mundtot gemacht werden !

Inken hat sich, wie viele andere NCI Mitglieder auch, intensiv dafür eingesetzt, dass niemand mit dem Problem des drohenden Arbeitsplatzverlustes allein gelassen wird. Sie klärt in Zusammenarbeit mit Betriebsrat, Anwälten und IG Metall die KollegenInnen über ihre Rechte auf, da ihr Spezialgebiet im NCI Arbeitsrecht ist und verbindet dies mit menschlicher Unterstützung.

Es ist gesellschaftlich anerkannt, dass der Verlust von Bindungen und Anerkennung im Arbeitsleben sehr wohl ein Grund für Isolation und damit ein Auslöser für persönliche Verzweiflung ist. Isloation und Schweigen versuchen wir bei NCI aufzubrechen, vor allem unter Berücksichtigung der emotionalen Aspekte.

Das ist unser Verständnis von Solidarität.
In diesem Sinne solidarisiert sich NCI auch ausdrücklich mit unserer Kollegin Inken Wanzek !

NCI,
das Netz der betroffenen Siemens-Mitarbeiter

27.10.03
"Ich wüßte gar nicht, wie ich umfallen sollte, es steht immer eine/r da, um mich aufzufangen."
Die Solidarität im NCI ist hervorragend, und findet so schnell nicht ihresgleichen. Sie bildet ein stabiles Netz, das nicht zu zerreissen ist, nicht durch Abmahnung, nicht durch betriebsbedingte Kündigung, nicht durch fristlose Kündigung, nicht durch beE oder Aufhebungsverträge. Wir können mächtig stolz auf unser NCI sein, das sich nicht durch Stürme vom Kurs abbringen lässt. Die Flotte, wenn man unser NCI damit mal vergleichen darf, fährt unbeirrt weiter.

"Nur wer verzagend das Steuer losläßt, ist im Sturm verloren."
Emanuel Geibel, (1815 - 1884), deutscher Lyriker und Dramatiker

"Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage: Wovor."
Frank Thiess (1890 - 1977), deutscher Essayist, Romancier, Bühnenautor und Novellist

16.10.03

"Behindertenghettos keine Chance"
Isolierung von Jubilaren und Schwerbehinderten

Es ist skandalös und moralisch mehr als bedenklich. Die langjährigen Mitarbeiter (Jubilare) und Schwerbehinderte, die nun seit fast einem Jahr ohne Arbeit ihren Tag bei Siemens verbringen müssen, befinden sich seit Monaten in Ungewissheit über ihre Zukunft. Sie werden isoliert, verschoben in Abteilungen ohne Inhalt, Hoffnungen werden geweckt, Hoffnungen zerschlagen. Manche Jubilare sind unter Verstoß gegen die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats versetzt worden nach Greifswald, Braunschweig und andere Städte. Die Zwangsversetzten haben vor Gericht gegen diese Versetzung geklagt. Siemens interessiert das nur am Rande. Siemens hält an der Versetzung fest, lässt nicht mit sich reden. Gehen Mitarbeiter nicht an den zugewiesenen Ort im guten Glauben, dass sie das nicht müssen, weil die Versetzung rechtswidrig ist, der Arbeitgeber sie also gar nicht aufrechterhalten darf, dann müssen sie mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Hofft Siemens darauf, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgeben, bevor das Verfahren entschieden ist? Siemens scheint es völlig egal zu sein, ob sich insbesondere bei Schwerbehinderten Krankheiten verschlechtern, andere Krankheiten bekommen. Etliche Hörstürze stellten sich unter dem Stress bereits ein. Hofft Siemens, dass sie aufgeben müssen, weil sie krankheitsbedingt nicht mehr können, weil sie vor der Wahl stehen, sich gesundheitlich zu ruinieren oder arbeitslos zu werden?
Trotzdem haben die meisten - Dank der fachlichen und solidarischen Unterstützung des Betriebsrats und NCI, dank der Solidarisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander, dem Druck und der seelischen Belastung standgehalten.

Nun bleibt die Ausgrenzung vom betrieblichen Geschehen nicht mehr auf den Standort Mch H und Nebenstandorte beschränkt. Die Behinderten und Jubilare sollen weg, müssen weg. "Siemens will, dass dieses Mahnmal von der Hofmannstraße verschwindet", sagen Kollegen. "Wir sollen das letzte Gefühl irgendwo dazu zugehören verlieren. Die Firma will uns von dem Betriebsrat unseres Vertrauens trennen. Sie will uns isolieren, ausgrenzen und abgrenzen. Der weite Fahrweg, das Gefühl, wann werden sie den Airport Betrieb schließen, soll uns zermürben, klein machen, kaputt machen. Sie will uns demonstrieren, Ihr werdet nicht mehr integriert. Den schönen Worten, Schlagworten wie Project Assignement, Direct Placement und wie es alles heißt, glauben wir schon lange nicht mehr. In neue Jobs vermitteln können sie uns auch hier in der Hofmannstraße. Dazu müssen wir nicht zum Airport. Wir wollen nicht fliegen, also was sollen wir da."

"Behindertenghettos keine Chance" verbreitete Siemens in einem Artikel der Siemens-Welt, Ausgabe 3-4/2003. Wir - NCI - fordern nun diese Worte ein. Siemens kann nun beweisen, ob diese Worte Wahrheit oder Lüge sind.

11.10.03

Wir wissen was wir an unserem Betriebsrat haben

Ein Kollege schreibt stellvertretend:

Wir als Betroffene wissen, sehr genau, was wir an unserem Betriebsrat haben.
Wir haben volles Vertrauen zu unserem Betriebsrat, besonders auch zu Leo Mayer und Heribert Fieber.

Politische Tätigkeit ist nichts ehrenrühriges. Uns stört es überhaupt nicht und wir fühlen uns super vertreten.
Wir im NCI durchschauen die "Propaganda" natürlich. Ich lasse keine Gelegenheit ungenützt Kollegen, Familiensippe und Bekannte über die Fakten aufzuklären. Und ich gehe davon aus, das machen alle im NCI so. Siemens hat zwar die größere Pressemacht, aber wir sind viele!!! Gestern haben wir 2 Siemens Lehrlinge kennengelernt, denen vor 2 Jahren versprochen wurde: "Ihr werdet nach eurer Lehre mit fast 100%iger Sicherheit übernommen" Wir wissen wie die Geschichte weiterging....
(jp)

10.09.03

NCI on Air, mit Sibylle Ritter und dem Titel "Modern Business World"
Da der Titel nicht im Handel ist, Kontakt bitte über Sibylle.Ritter@arcor.de

Zur Laufbahn von Sibylle Ritter:
Ich habe 34 Jahre bei Siemens Hofmannstrasse gearbeitet. Erst als Entwicklerin im Labor für Satellitenbodenstationen, und auch für Bordgeräte, habe ich HF-Verstärker entwickelt, und einmal auch als Projektmanager ein Projekt für die Telekom geleitet. Als die Satellitenabteilung geschlossen wurde, war ich 3 Jahre im Vertrieb für Übertragungstechnik. Danach arbeitete ich bis zum Schluß im technischen Vertrieb für Richtfunk. Dort machte ich Richtfunkplanung und technische Angebote und war Schnittstelle zu Siemens Mailand, die unsere Geräte entwickelten. Außerdem war ich zuständig für unser Marketing und für Messen, z.B. CeBit. Dort war ich 4 mal als Standdienst, technischer Berater und 1x als Tourguide. Ich spreche fließend englisch, französisch und italienisch. Ende September 2002 wurde unsere Abteilung endgültig geschlossen. Seit Juni 2002 waren wir alle, 12 Leute, im New Placement. Besonders die über 45-jährigen von uns wollten sie loshaben. Ich habe mich intensiv bemüht, auch über alte persönliche Beziehungen, einen anderen Job bei Siemens zu finden, aber es gab nichts. Die Personalabteilung meinte nur, ich solle es doch mal in Erlangen oder Regensburg versuchen. Da ich eine drohende Versetzung nach Greifswald fürchtete, die einem Kollegen dann tatsächlich angeboten wurde, nahm ich lieber die angebotene Abfindung und ging. Heute bin ich genau 1 Jahr weg von Siemens.
Die Musik war für mich immer ein Ausgleich zu meinem technischen Beruf. Seit 1983 mache ich immer wieder mal eigene Lieder. Ich singe und spiele in einer Gitarrengruppe der Münchner Volkshochschule mit und war 1 Jahr Sängerin in einer Country-Band, die sich leider aufgelöst hat. Ab und zu habe ich kleine Auftritte bei Geburtstagen, Vernissagen oder im Café Wildwuchs. Ich habe auch mal versucht, das ganze professioneller anzugehen, aber den Musikproduzenten war ich damals mit 36 Jahren schon zu alt. Seitdem mache ich Musik eben nur hobby-mäßig. Das macht auch Spaß. Natürlich hätte ich auch nichts dagegen, meine Lieder zu vermarkten.

24.09.03

Danke schön!


Liebe Freunde, ich möchte mich bei Euch allen ganz ganz herzlich für die Geburtstagswünsche, das gemeinsame Abendessen, das schöne Gedicht, die vielen vielen großen und kleinen Geschenke, die Berge von Gummibärchen, den Wein, um den Abend zu geniesen, insbesondere aber auch für den großen Blumenstrauß mit den vielen großen Überraschungen darin bedanken. NCI ist nun wieder bestens gerüstet. Die Finanzierung gesichert, das Überleben garantiert.

Die 5 Glückcents, die dabei waren mögen symbolisch stehen für

- unsere Solidarität, die uns hilft und mit der wir anderen helfen
- unsere Menschlichkeit, die letzlich immer siegen wird
- Gerechtigkeit, für die wir kämpfen, nicht nur vor dem Arbeitsgericht
- den Mut, Gefühle zu haben und zu zeigen
- für unsere Existenz, die unserer Familien, insbesondere auch der Kinder

Gemeinsam schaffen wir es, egal, wer sich was, warum ausdenkt. Wir dürfen nicht nachlassen und wir lassen nicht nach. Wir werden nicht aufhören, die Wahrheit zu sagen. Wir werden es schaffen, dass jeder Einzelne von uns seine Existenz sichern kann, denn wir haben das Wichtigste was man dafür braucht,

- den Willen, nicht zu verlieren,
- den Mut, zu reden,
- die Kraft, zu handeln, (auch wenn die Zeit lang wird)
- die Fantasie, Wege zu finden
- das Herz, zu denken
- den Verstand das Gleichgewicht zu halten
- die Hand, zu helfen
- das Gefühl, zu empfinden.

Wer das hat ist reich, möge er noch so wenig besitzen,
wer es nicht hat, ist arm, möge er noch so viel besitzen.

Und wer den kleine Prinzen liebt, und anders handelt als er denkt, der möge darüber nachdenken, nachdenken, ob er sein Handeln auch verantworten kann - vor den Menschen. Denn darüber denkt der kleine Prinz nach, fast immer, wenn er nicht gerade seine Blume gießt oder den Vulkan kehrt.

08.09.03

Auch (oder wenigstens?) NCI lebt das Siemens-Leitbild


Wir machen unsere Kunden stark:
Durch die Stärke unserer Gemeinschaft, und durch Information.
Das ist auch dringend nötig: Als Einzelner allein steht keiner einen Kampf gegen den Goliath Siemens durch.
Und der Erfolg kann sich sehen lassen: Bisher haben alle unsere "Kunden" ihre Kündigungsschutzprozesse gewonnen!

Wir treiben Innovationen voran:
Das Mitarbeiternetz NCI, in dem sich Mitarbeiter, die ihre Firma loswerden will, als starke Interessengemeinschaft elektronisch vernetzt haben, ist selbst die beste Innovation! So ein frei gewachsenes, unabhängiges Netz gab es bis vor kurzem noch nicht, ein echtes Novum.

Wir steigern den Unternehmenswert (es gibt nicht nur pekuniäre Werte):
Wenn es uns gelingt, das über 150 Jahre lang gepflegte Siemens-Grundprinzip der gegenseitigen Loyalität durch unseren Einsatz zu retten, dann ist diese Firma Siemens es wieder wert, daß man für sie arbeitet und sich voll für sie einsetzt. Diesem Prinzip verdankt diese Firma alles, was sie heute ausmacht: Ihr Größe und Stärke, die hohe Identifikation ihrer Mitarbeiter, ihren kommerziellen Erfolg.

Wir fördern unsere Mitarbeiter und motivieren zu Spitzenleistungen:
In unserem Netz entwickeln Mitarbeiter beachtliche Management-Qualitäten, die sie in der Firma Siemens selbst nie entfalten konnten, und umgekehrt entwickeln Führungskräfte ungeahnte soziale Kompetenzen. Jeder kann sich nach seinen Fähigkeiten frei entfalten und einbringen, und lernt dabei eine Menge dazu.

Wir tragen gesellschaftliche Verantwortung und engagieren uns für eine bessere Welt:
Wir kämpfen gegen Massenentlassungen, gegen die systematische Mißachtung geltenden Arbeitsrechts, wie Kündigung ohne Sozialauswahl, gegen die Abschiebung älterer Kollegen in die Langzeitarbeitslosigkeit, gegen Isolierung und Auslagerung von Kollegen an andere Standorte, gegen die zunehmende Verlagerung von Arbeit in Billiglohnländer auf Kosten unserer Volkswirtschaft, und engagieren uns auch politisch für eine vernünftige und menschliche Reform des Arbeitsrechts.
(bt)



30.08.03

Selbst denken ist der höchste Mut.
Wer wagt selbst zu denken, der wird auch selbst handeln
(Bettina von Armin).

Der Stellenabbau bei Siemens München Hofmannstraße hat sich im August gejährt. Zur Feier dieses Jubiläums hat Siemens bei ICM erneuten Stellenabbau angekündigt, diesmal drei Standorte betreffend.

Für NCI, dem Kommunikationsnetz der Siemens MitarbeiterInnen, gibt es keinen Grund zu feiern, obwohl wir viel zu feiern hätten: Alle Kündigungsschutzklagen, die bisher verhandelt wurden, wurden vor dem Münchner Arbeitsgericht gewonnen: fehlende Sozialauswahl, ungenügende Anhörung des Betriebsrat urteilten die Richter. NCI hätte auch sein 600. Mitglied feiern können, aber auch das ist kein Grund, denn es bedeutet, das 600 Menschen ihre Existenz unmittelbar oder mittelbar bedroht sehen. Der fristlos gekündigte Jubilar, der als Ingenieur nicht als Kabelmonteur arbeiten wollte und dessen Versetzung beide Betriebsräte nicht zugestimmt hatten, hat viele aufgeschreckt, auch manche mit Job, aus Bereichen, die sicher zu sein scheinen.

Die Geschichte der Jubilare ist es, die besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Sie werden buchstäblich vertrieben, vertrieben aus ihrer Heimat München nach Nürnberg, Braunschweig und Greifswald. Die Geschäftsleitung von ICN fegt die Einsprüche von Betriebsrat und Gesamtbetriebsrat hinweg, ein Federstrich und eine Familie ist zerrissen. Die Firma demonstriert: Wir werden uns von Euch trennen.

Doch NCI wird die Jubilare auch in den anderen Städten unterstützen. Sie nehmen den Gedanken der Solidarität dorthin mit. Ein Kollege sagte vor etlichen Wochen: "Sollen sie uns doch überall hin zerstreuen, damit helfen sie uns, die Gedanken der Solidarität, der gegenseitigen Hilfe, der Veröffentlichung von Missständen zu verbreiten. NCI steht für Menschenrechte und Meinungsfreiheit in Betrieb und Gesellschaft. Wir werden nicht nachlassen, dies zu verbreiten."

Auch Kollegen von ICM N sind zu NCI gestoßen. Diesmal hat es die Jüngeren getroffen. Die ICM Geschäftsleitung hat aus den Kündigungsschutzprozessen gelernt. Manche sehen tatsächlich eine Chance für einen Neubeginn, andere beschleicht die gleiche Angst wie die Älteren. Alle wissen, der Arbeitsmarkt ist leer. Getroffen hat es aber auch wieder alleinerziehende Mütter, die aus dem Erziehungsurlaub gekommen sind.

Und trotz all dem Geschehen in unmittelbarer Umgebung gibt es immer noch viele, die es nicht wagen, die Augen aufzumachen, die vielleicht nicht mehr glauben, dass es sie nicht treffen kann, aber, so eine Kollegin, die glauben "wahnsinnig zu werden", wenn sie sich mit dem Thema Entlassung beschäftigen. Und dann gibt es tatsächlich die, die überzeugt sind, sie trifft es nicht, die glauben, sie sind unentbehrlich. NCI hat viele Mitglieder, die das auch mal glaubten - vor ein paar Wochen noch.

Es hilft nicht weiter, die belastenden Gefühle zu verleugnen und zu verdrängen. Sie sind weiterhin da und beeinflussen uns unbewusst, d.h. ohne unser Wissen.

Ist es also nicht besser, die Verdrängung aufzugeben und miteinander zu reden?
Gut wäre es schon ...
(jp)



25.08.03

Gut wäre es schon ...

Gedanken eines Mitarbeiters mit Job
Ich bin einer der gücklichen, die noch einen Job haben. Der Abteilung, bei der ich beschäftigt bin spielt keine Rolle, mein Name auch nicht. Ich habe an NCI geschrieben, weil mir aufgefallen ist, das über uns nichts berichtet wird, und habe zur Antwort bekommen, dass sich die Wenigsten trauen, etwas über ihre Situation zu erzählen, und wenn sie es tun um Stillschweigen und Nicht-Veröffentlichung bitten. Ich glaube die Antwort sofort und finde es auch toll, dass NCI sich daran hält. Ich gebe zu, mich hat es auch Überwindung gekostet zu schreiben, aber ich habe es doch mal getan, und zwar als es mir nicht besonders gut ging. Weiß ich, wann ich dran bin? Erst hieß es, von der Geschäftsleitung es hört auf, dann geht es bei ICM N weiter, dann lese ich von Dornach; da wußte ich überhaupt nicht, dass dieser Standort existiert, und entsetzt hat mich die firstlose Kündigung des Jubilars.

Die ständige Existenzbedrohung im Hintergrund macht mir ziemlich zu schaffen. Früher hatte ich echt Spaß an der Arbeit, finde sich auch heute noch interessant, aber die Motivation ist dahin, total. Immer wieder frage ich mich, macht das eigentlich noch Sinn, dass du dich so einsetzt, landet das alles vielleicht morgen im Papierkorb und ich dazu? Kommt dann einer und löscht den Papierkorb auch noch? Das erinnert mich an die beE; ist ein bisschen so wie im Papierkorb sein, aussortiert, ausgesondert, aber eben noch nicht endgültig gelöscht. Und wenn ich schon dabei bin, die Prozesse sind wohl der Versuch die gelöschten Dateien mittels Recovery Tools zu reaktivieren. Gut, dass es gute Tools gibt. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich, dass die Prozesse so gut laufen (kenne ja schließlich den ein oder anderen Kollegen), aber auf der anderen Seite habe ich schon Angst, dass das dann unendlich weitergeht. Muss ich mich dafür schämen? NCI hat mir geschrieben, nein. Das hat mir gut getan. Deshalb habe ich NCI nochmal geschrieben, das hier, zum veröffentlichen. Nun, und dann haben sie gefragt, ob wir, gemeint bin natürlich ich, uns auch mal treffen wollen, um um unsere Probleme zu reden. Ich habe nicht darauf geantwortet, weil mir der Mut dazu fehlt, obwohl es sicher gut wäre; na wenigstens schreibe ich jetzt schon; sie haben gesagt, ich könne jederzeit wieder schreiben. Hab' ich jetzt getan. Ich weiß nicht so genau, ob ich früher weniger Arbeit hatte als heute, aber heute spüre ich mehr wieviel es ist, denn ich habe Angst sie nicht zu schaffen, und wenn ich sie nicht schaffe, dann bin ich dran, denke ich. NCI hat gesagt nein, das spielt kaum eine Rolle. Sie könnten recht haben, mein Kollege mit was weiß ich wievielen Gleitzeitstunden, jedenfalls eine irre Menge, haben sie entlassen; er war echt gut und er fehlt uns hier unheimlich, aber das interessiert ja niemanden. Einen Job hat er bisher nicht. Habe mit oft gefragt, wie eine Firma so blöd sein kann, solche Know How Träger rauszuschmeißen. Das Schlimme ist, es gibt keine Kriterien mehr, an denen man sich orientieren kann, Leistung zählt nicht, ein gutes EFA Gespräch auch nicht, was da drin steht ist Makulatur, wenn das "Angebot" kommt. Langsam traue ich mich dieses Wort schon nicht mehr zu benutzen, es hat inzwischen so einen faden Beigeschmack. Alter, das galt bisher, jetzt gehen sie die Jüngeren an, haben wohl keine Alten mehr, oder fürchten sich vor dem Gericht. Die Vorstellung gefällt mir, dass sie sich auch mal fürchten. Vielleicht sollten wir den Spieß umdrehen und uns doch solidarisieren, dann müssen wir uns weniger vor ihnen fürchten, sie sich aber mehr vor uns. Aber, ob ich den Mut dafür finde? Gut wär's schon.
(gr)



17.08.03

Solidaritätserklärung für den fristlos gekündigten Jubilar


NCI erklärt sich solidarisch
mit dem fristlos gekündigten Jubilar


Die fristlose Kündigung des Jubilars ist für uns kaum nachvollziehbar. Ob sich Siemens da mal nicht auf sehr dünnem juristischen Eis bewegt?

Weiterhin könnte das Vorgehen der Firma ein Example für den weiteren Umgang mit unerwünschten älteren Mitarbeitern statuieren. Wehret den Anfängen!

Wir hoffen, dass er die Kraft findet
gegen seine Kündigung vorgehen und seine Wiedereinstellung zu verlangen.

Wir unterstützen ihn. Er muss es nicht allein durchstehen.


Bei einer DEMO vor dem Arbeitsgericht zur Übergabe seiner Klage an die Justiz sind wir auf jeden Fall dabei - wenn er es wünscht.

... denn wer sich an Unrecht gewöhnt aktzeptiert und toleriert es, etwas, dass nicht aktzeptiert und toleriert werden darf. Denn hier mutiert das Direktionsrecht (dessen Rechtmäßigkeit in diesem Fall noch gerichtlich zu klären wäre) zu einem Willkürrecht. Es wird genutzt, um MitarbeiterInnen zu zermürben, um Menschen psychisch so zu belasten, dass sie aufgeben oder daran kaputt gehen. Und daran darf man sich nicht gewöhnen; das dürfen wir nicht zulassen und deshalb ist es wichtiger denn je, dass wir im NCI solidarisch zueinanderstehen, uns helfen und unterstützen. Es darf nicht sein, dass Profitgier, das Demonstrieren von Macht, Menschen vernichtet.
(jp)



10.08.03

Resolution zur Unterstützung des Betriebsrats Mch H
und ein Dank für seinen unermüdlichen Einsatz

Es ist schon traurig, dass Stellenabbau sich bei Siemens jetzt flächendeckend über die Standorte zieht, und das nicht nur in München, sondern auch in anderen Städten wie z.B. Berlin. Am sichersten ist es für Jobinhaber tatsächlich jetzt in Mch H, wo die Arbeitszeitverkürzung mit Kündigungsschutz gilt, vorausgesetzt man darf dort mit seiner Abteilung bleiben. Gleiches passiert in anderen Firmen auch.

Es stellt sich wirklich die Frage, wo soll das alles hinführen? Eine ältere Bekannte einer Kollegin sagte: "Das alles erinnert mich an 1932/33; nun ja und was da war, weiß jeder: Massenarbeitslosigkeit, Machtergreifung Hitlers und was dann geschah lässt sich in den entsprechenden Gedenkstätten wie Dachau sehen." Warum denken die Verantwortlichen nicht darüber nach, was sie mit ihrem einseitigen Profitstreben um jeden Preis anrichten können? Aber die Menschheit lernt schwer; aus ihrer Geschichte hat sie noch nie gelernt.

Deshalb ist es an der Zeit, unsere vor Wochen gemeinsam verfasste Resolution für die Unterstützung unseres BRs verbunden mit einem Dank für die nun fast einjährige konsequente Unterstützung auf unserer Homepage zu veröffentlichen, in der Hoffnung, dass sie vielen Betriebsräten, die nun vor der schwierigen Aufgabe stehen, die Folgen eines Stellenabbaus zu mildern, den Mut und die Kraft gibt, die sie brauchen. Aber auch - und vor allem - den in naher Zukunft betroffenen MitarbeiterInnen mögen diese Worte Hoffnung machen, dass Solidarität gelebt werden kann, täglich, ein Zusammenhalt entstehen kann, der hilft, die Krise zu meistern, der hilft, Widerstand zu leisten gegen unrechtmäßiges Handeln, gegen Zermürbungstaktiken, gegen Isolierung und Ausgrenzung. Solidarität, gemeinsames Handeln und der Wille gegen Unrecht und Menschenverachtung anzukämpfen ist das Einzige was hilft, um eine neue Armut zu verhindern, deren Folgen nicht abzusehen sind.
(jp)



07.07.03

.... und er dachte über die ernsten
     Dinge des Lebens völlig anders

"Es ist unbestritten, dass wir ein zweistelliges Wachstum brauchen, um unsere Wettbewerbsposition gegenüber der Konkurrenz zu verbessern."
(SiemensWelt, Wachsen in stürmischen Zeiten, S.40)

'Und was machst du mit fünfhundert Millionen Sternen?'
'Nichts. Ich besitze sie'
'Und was machst du damit?'
'Ich verwalte sie. Ich zähle sie und zähle sie wieder.'

Der kleine Prinz dachte über die ernsten Dinge völlig anders. 'Ich,' sagte er, 'ich besitze eine Blume, die ich jeden Tag begieße.
Ich besitze drei Vulkane, die ich jede Woche kehre.
Es ist gut für meine Vulkane und gut für meine Blume, dass ich sie besitze.
Aber du bist für die Sterne zu nichts nütze ...'

(Der Kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry)

(jp)

Gedichte


Das Lied von den Kranichen

1. Die Kraniche fliegen im Keil,
so trotzen sie besser den Winden,
so teilen sie besser die Kräfte ein,
die Stärkeren fliegen im vorderen Teil
und die Schwächeren die fliegen hinten.

2. Und kommen die Kraniche an
am Ziel ihrer Reise dann haben
die Stärkeren grössere Arbeit getan
und loben die Schwächeren hintenan
die doch auch ihr bestes gaben.

3. Dann essen die Kraniche Fisch
soviel wie die Mägen verlangen.
Die Starken die haben nicht mehr für den Tisch
als die Schwachen vom guten silbernen Fisch
an den Teichen am Ziel sich gefangen.

4. Lasst uns wie die Kraniche sein,
und jeder sein möglichstes geben.
Die Starken im Gross und die Schwachen im Klein
und trinken am Abend den gleichteuren Wein
auf ein noch viel besseres Leben.
Ein noch viel besseres Leben.

Die Bürgschaft
Friedrich Schiller

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande:
Ihn schlugen die Häscher in Bande,
»Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!«
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
»Die Stadt vom Tyrannen befreien!«
»Das sollst du am Kreuze bereuen.«

»Ich bin«, spricht jener, »zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben:
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn' ich, erwürgen.«

Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
»Drei Tage will ich dir schenken;
Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh' du zurück mir gegeben bist,
So muß er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen.«

Und er kommt zum Freunde: »Der König gebeut,
Daß ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben.
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme zu lösen die Bande.«

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen;
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.

Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
Da reißet die Brücke der Strudel herab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Dem Gewölbes krachenden Bogen.

Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket.
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.

Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
»O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muß der Freund mir erbleichen.«

Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
Und Welle auf Welle zerrinnet,
Und Stunde an Stunde ertrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte;
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubert Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.

»Was wollt ihr?« ruft er vor Schrecken bleich,
»Ich habe nichts als mein Leben,
Das muß ich dem Könige geben!«
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
»Um des Freundes willen erbarmet euch!«
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.

Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Kniee.
»O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!«

Und horch! da sprudelt es silberhell,
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen;
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,
Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
»Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.«

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
Ihn jagen der Sorge Qualen;
Da schimmern in Abendrots Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:

»Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet' er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.«

»Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,
Ein Retter, willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut'ge Tyrann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue!«

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:
»Mich, Henker«, ruft er, »erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!«

Und Staunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Auge tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär';
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen,

Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: »Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn -
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte!«


Sprüche und Weisheiten

Schweigen können zeugt von Kraft,
Schweigen wollen von Nachsicht,
Schweigen müssen vom Geist der Zeit
Karl Julius Weber

Es hört doch jeder nur, was er versteht
Goethe

Es gibt ein Auge der Seele. Mit ihm allein kann man die Wahrheit sehen.
Platon

Gewaltlosigkeit darf niemals der Feigheit als Tarnung dienen.
Sie ist die Waffe der Tapferen.
Mahatma Gandhi

Leute mit Mut und Charakter
sind anderen Leuten immmer sehr unheimlich.
Hermann Hesse

Verwandt sind alle starken Seelen.
Unbekannt

Wenn du kritisiert wirst,
dann musst du irgend etwas richtig machen.
Denn man greift nur denjenigen an,
der den Ball hat.
Burce Lee

Der letzte Beweis von Größe liegt darin,
Kritik ohne Groll zu ertragen
Victor Hugo

Der Maßstab, den wir an Dinge legen,
ist das Maß unseres eigenen Geistes.
Marie von Ebner-Eschenbach

Mit dem Maß, mit dem ihr messet,
wird man Euch wieder messen.
Bibel

Auge um Auge bedeutet nur, dass die Welt erblindet.
Mahatma Gandhi

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.
Franz Kafka

Die vernünftigen Menschen passen sich der Welt an;
die unvernünftigen versuchen, sie zu verändern
Deshalb hängt aller Fortschritt von den Unvernünftigen ab
G.B. Shaw

Ein Kluger bemerkt alles,
ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen
Heinrich Heine

Gib einem Schmerz Worte.
Harm, der nicht spricht, erstickt das volle Herz
und mcht es brechen.
Friedrich Schiller